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Jahrgang 2015 Nummer 5

»Auf dem Felde der Ehre gefallen«

Klemens Thomas – Biographie eines Vergessenen – Teil I

Klemens Thomas im Alter von circa 25 Jahren.
Olga Winkelmann. Thomas zeichnete dieses Porträt seiner späteren Frau im Jahr 1909 als Vorlage für ein Ex-Libris. (Schenkung Frau Christa Leschhorn, Homburg).
Karte zum 800-jährigen Stadtjubiläum nach Vorlage von Thomas.
Jubiläumskarte zur 800-Jahr-Feier, gestaltet von Hans Kaufmann.
Thomas-Karte zur Erinnerung an die Aufhebung der Saline Traunstein.

Am 25. September 1914 »zu Cappy bei Péronne auf dem Felde der Ehre gefallen«. Dieser Vermerk schließt das im Stadtarchiv Kaiserslautern verwahrte Meldeblatt des Architekten, Diplomingenieurs, Grafikers und Künstlers Klemens Thomas ab. Cappy, eine nordfranzösische Gemeinde mit 500 Einwohnern im Département Somme, ca. 40 Kilometer östlich von Amiens, wurde im Ersten Weltkrieg häufig bombardiert und teilweise zerstört. Vom 1. Juli bis zum 18. November 1916 fand in der Region die Schlacht an der Somme statt, ein Abnutzungskampf mit über einer Million Getöteter, Verwundeter und Vermisster, dessen Grauen und Schrecken jenseits jeder menschlichen Vorstellungskraft liegen, abgebrochen ohne einen militärischen Sieger.

Insgesamt zehn Millionen Tote hat die »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« [George F. Kennan] unter den Soldaten auf beiden Seiten gefordert. Thomas war einer von ihnen, einer der 240 000 deutschen Gefallenen der ersten Monate, eines unter drei Millionen Opfern, die das Völkermorden unter Soldaten und Zivilisten im Deutschen Reich gefordert hatte. Er wurde keine 30 Jahre alt. Ein Einzelschicksal unter Millionen Schicksalen, jedes von ihnen auf seine Weise tragisch. Wer aber war Klemens Thomas?

Die Eltern

Am 6. Oktober 1881 heiratet Karl Thomas (* 30. Juni 1853 in Neusalz/ Oder) in Landau/Pfalz Luise (Louise) Schlegel (* 20. September 1852 in Würzburg). Als einziges Kind erblickt Klemens am 17. November 1884 in Bayreuth das Licht der Welt, wo der Vater seit dem 1. April 1881 beim 7. Bayerischen Infanterie-Regiment als Vizefeldwebel stationiert ist. Dort bleibt die junge Familie zunächst auch, ohne allerdings den Status als »Zuagroaste « ganz ablegen zu können. Erst am 7. November 1890 verleiht die Regierung von Oberfranken Karl Thomas die bayerische Staatsangehörigkeit. Wenig später, im Dezember 1891, übersiedelt man nach Kaiserslautern, in die damals bayerische Pfalz. Thomas beendet seine militärische Laufbahn und ergreift einen zivilen Beruf; er wird »Pedell« (Hausmeister) mit Dienstwohnung am dortigen Humanistischen Gymnasium. Der Sohn beschreitet hier ab Herbst 1895 auch seinen höheren Schulweg, unterzieht sich »als Schüler der Oberklasse der im Juni und Juli [1904] abgehaltenen Absolutorialprüfung« und wird »nach den Ergebnissen derselben für befähigt zum Übertritte an eine Hochschule erklärt«. Die sich aus den ansonsten befriedigenden Zensuren abhebende Note Zwei in Mathematik und Physik sowie die lobende Bemerkung, dass er sich »mit sehr großem Erfolg am Zeichenunterricht« beteiligt hat, deuten bereits seine zukünftige berufliche Orientierung an.

Am 1. September 1907 wird Karl Thomas nach München an das – gleichfalls humanistische – Theresien-Gymnasium in der Ludwigsvorstadt (Kaiser-Ludwig-Platz 3) versetzt. Keine zwei Jahre ist der schon Kränkliche hier noch als Hausmeister tätig und wohnhaft, bevor er mit seiner Frau ab 1. Februar 1909 eine Wohnung in der Maillingerstraße bezieht. Der nunmehrige »Pedell a. D.« erhält 1911 das Luitpoldkreuz für 40 Jahre im Staats- und Gemeindedienst. Im selben Jahr wird ihm das Bürgerrecht der Landeshauptstadt verliehen. Am 3. Juni 1912 segnet er »nach längerem, schweren, geduldig ertragenen Leiden im Alter von 59 Jahren« das Zeitliche und wird zwei Tage später am Moosacher Friedhof beigesetzt. Seine Witwe überlebt ihn – und tragischerweise auch den Sohn – um viele Jahre. Materiell einigermaßen, aber beileibe nicht üppig versorgt mit der Pension des Gatten bleibt sie bis an ihr Lebensende in München. Luise Thomas stirbt am 8. März 1931, wenige Monate vor ihrem 80. Geburtstag.

Der Student

Klemens Thomas zieht 1904 nach München und immatrikuliert sich ab dem Wintersemester 1904/05 an der Königlich-Bayerischen Technischen Hochschule für das Studium der Architektur; einer unter knapp 500 Studierenden, Zuhörern und Hospitanten. Zu seinen in summa namhaften Dozenten zählt Professor (von 1882 bis 1921) Friedrich von Thiersch, Architekt und Maler, einer der bedeutendsten Vertreter des Späthistorismus in der Gründerzeit und der Wilhelminischen Ära. Unterkunft bezieht Thomas in der Enhuberstraße 12, doch hält er sich daneben auch für kurze Zeit wieder in Kaiserslautern auf und zieht schließlich wieder zu seinen Eltern bzw. seiner Mutter in die Maillingerstraße 20. Am 7. August 1908 schließt er das Studium mit dem Diplom ab. Die Note 1 samt Auszeichnung erlaubt es ihm, in den höheren Staatsdienst einzutreten, anstatt sich der zahlreichen Konkurrenz auf dem freien Markt stellen zu müssen. Zunächst aber erfüllt Klemens Thomas, den man 1904 als angehenden Studenten von der Aushebung zurückgestellt hat, seine Wehrpflicht. Am 15. Mai 1908 wird der 1,78 Meter große, stattliche junge Mann in München gemustert, am 1. Oktober gibt er seinen Einstand bei der 4. Kompanie des 1. Bayerischen Infanterie-Regiments »König«.

Nach seiner Entlassung am 30. September 1909 arbeitet er für Theodor Kollmann, der 1910 Vorstand des Universitäts-Bauamtes der Ludwig-Maximilians-Universität wird. »Bauamtmann Kollmann ist zum Universitäts-Bauamtmann ernannt worden. […] Bis Januar werde ich wohl beschäftigt bleiben. Hoffentlich kann ich dann auch weiterhin bei Herrn Bauamtmann K. bleiben.« Seine Erwartung erfüllt sich nicht. »Seit dem 1. Februar 1912 bin ich nicht mehr am Universitätsbauamt, sondern beim Hochbaubüro der königlichen Eisenbahndirektion, wie es die neue Prüfungsordnung verlangt.« Der Weg bis zur Prüfung gestaltet sich entsagungsvoll. »Auch betreffend meines Staatskonkurses [= Staatsexamen] habe ich wenig Erfreuliches zu melden. Er soll im Dezember [1912] stattfinden. Zuvor aber finden drei Monate lang für alle Praktikanten Ausbildungskurse, Vorlesungen, Führung etc. statt, aber ohne Bezahlung.«

Bald aber haben alle Mühen ein Ende. »Nach der inzwischen erfolgten Ablegung der Staatsprüfung für den höheren Baudienst bin ich seit dem 1. April 1913 definitiv am K[öniglichen] Universitätsbauamte München als Regierungsbaumeister angestellt und an den Arbeiten für den Neubau der K[öniglichen] Universitäts-Frauenklinik und Hebammenschule beteiligt. « Die berufliche Absicherung ermöglicht Thomas auch im Privatleben den nächsten Schritt. »Ich habe vor, Anfang Juli zu heiraten und mit der Wohnungssuche eine rechte Plage.« Gerne nimmt er diese auf sich, handelt es sich bei der Auserwählten doch um seine Jugendliebe Olga Winkelmann, gleich ihm evangelisch, geboren am 30. Oktober 1887 als Tochter eines Bäckermeisters in Kaiserslautern, wo sich beide am 5. Juli 1913 vor dem Standesbeamten auch das Ja- Wort geben. In München findet das junge Paar ab dem 13. Juli eine Bleibe in der Destouchestraße, Hausnummer 38, 1. Stock. Langes Glück ist den beiden frisch Vermählten dort nicht beschieden.

Der Soldat

»Morgen, Dienstag früh, geht’s ins Manöver. Zunächst auf 14 Tage nach Rosenheim […].« Klemens Thomas kann man, wie seinem Vater und seinem Großvater mütterlicherseits, mit einigem Recht einen Hang zum Militärischen unterstellen. Der »Einjährig-Freiwillige« nutzt den Vorteil seiner verkürzten Wehrzeit nicht, um sich weiteren Verpflichtungen zu entziehen – im Gegenteil. Als Unteroffizier und Offiziersaspirant wird er in die Reserve entlassen. Vom 28. Februar bis zum 24. April 1910 und vom 2. August bis zum 26. September 1911 nimmt er an Übungen teil, an deren Ende jeweils eine Beförderung steht, erst zum Vizefeldwebel, dann zum Leutnant der Reserve. Stets sind die Beurteilungen seiner Vorgesetzten positiv. Er ist »pflichteifrig« und »fleißig«, ein »ruhiger und ernster Charakter«, hat »gute militärische Anlagen«. Thomas »scheut keine Verantwortung« und »führt seine Gruppe gewandt und selbständig«. »Lediglich sein Auftreten vor der Front sollte entschiedener sein, sein Kommandoton schärfer werden, was sich im Lauf der Zeit bessern wird.«

Mit welchen Gefühlen er am 7. August 1914 ins Feld zieht, ob mit bürgerlichem Hurra-Patriotismus oder über den Sinn und die Gefahren des Krieges nachdenkend, ob mutig oder verängstigt, wissen wir nicht. Unverzüglich wird sein Regiment in schwere Kampfhandlungen verwickelt. Gefechten bei Badonviller (Badenweiler; 10. bis 13. August), am Fluss Vezouze (14. August) und bei Saarburg (18./19. August) folgen die Schlachten in Lothringen (20. bis 22. August), vor der Festungskette NancyÉpinal (23. August bis 14. September) und ab dem 23. September an der Somme. Dort endet der Lebensweg unseres Protagonisten. Bürokratisch beurkundet Oberstleutnant Anton von Langlois, stellvertretender Regimentskommandeur, seinen Tod am 6. Oktober 1914: »Am 25.9.14 im Gefecht bei Cappy – Departement Somme – durch Infanterie-Schuß in den Kopf gefallen.«

Angereichert mit den grausamen Einzelheiten erreicht die schreckliche Nachricht in den folgenden Wochen die Heimat. »Unser gemeinsamer Freund liegt, von den Feinden beraubt und aller Erkennungszeichen entblößt, auf der Höhe bei Cappy an der Somme in der Nähe [von] Amiens begraben, nachdem er vorher durch einen Armund Brustschuss leichterer Natur und endlich durch die Kugel eines Maschinengewehres infolge eines Kopfschusses, ein schnelles und schmerzloses Ende, aus der Hölle des Kampfes erlöst wurde.« Betroffenheit und Trauer im Kreise der Bekannten und Freunde, ungläubiges Entsetzen bei den nächsten Verwandten: »Auch die junge Witwe gibt es nicht auf, nach ihrem Gatten weiter zu forschen, obwohl wir nun doch schon von vielen Seiten den Heldentod, ja sogar die näheren Umstände und Zeichnung des Kampfplatzes erhalten haben und an der Glaubwürdigkeit all dieser Nachrichten kaum zu zweifeln sein kann.«

Olga Thomas muss den Tod ihres Mannes nach nicht viel mehr als einem Jahr Ehe hinnehmen. Im Januar 1915 verlässt sie München und kehrt nach Kaiserslautern in ihr Elternhaus zurück. Aufenthalte in Bad Hönningen (Juni 1916) und Bruchweiler (Juni 1917), beides anerkannte Erholungsorte im Rheinland (dem auch ihre Mutter entstammt), lassen auf eine angegriffene Gesundheit schließen. Kurzzeitig wohnt Olga auch in Straßburg, bevor sie sich 1919 endgültig aus ihrer Geburtsstadt verabschiedet und nach Homburg an der Saar zieht, wo sie am 23. Juli desselben Jahres in zweiter Ehe den Drogeriebesitzer Bernhard Leschhorn heiratet. Zwei Söhne gehen aus dieser Ehe hervor. Olga Leschhorn stirbt am 7. Dezember 1962 und überlebt Klemens Thomas um annähernd fünf Jahrzehnte.

Ein besonderer Künstler

Klemens Thomas hat niemals in Traunstein gelebt noch zogen ihn familiäre Bande dorthin. Warum also beschäftigt sich das Stadtarchiv so ausführlich mit seiner Persönlichkeit? Auf den ersten Blick ist dies eine berechtigte Frage, gewiss. Aber, wie so oft, es lohnt ein zweites, genaues Hinsehen. Und wir werden feststellen, dass wohl jeder Traunsteiner zumindest eine Arbeit des Architekten kennt, ohne es zu ahnen, ja viele sogar täglich daran vorbeilaufen.

Beginnen wollen wir unsere Betrachtung jedoch mit Kunstpostkarten, herausgegeben aus Anlass bedeutsamer städtischer Ereignisse. Hier sollte den wenigen Sammlern, aber auch den generell an alten Traunstein-Ansichten interessierten Heimatfreunden die Signatur »K. THOMAS, MCHN.« (oder ähnlich) samt einer entsprechenden Jahreszahl schon das eine oder andere Mal aufgefallen sein. Und er wird nicht umhin können festzustellen, dass Thomas-Grafiken etwas Besonderes sind, ihnen ein Stil mit hohem Wiedererkennungswert anhaftet, der sich klar von den gängigen Gepflogenheiten und Motiven und damit auch von deren Urhebern abgrenzt. Am deutlichsten wird dies, wenn man einen Vergleich heranzieht zwischen den beiden Karten zum 800-jährigen Stadtjubiläum 1926, die eine gestaltet von dem damaligen »Local Heroe« Hans Kaufmann, die andere kreiert unter der posthumen Verwendung einer Vorlage von Klemens Thomas. Hier lässt der Autor (mit herzlichem Dank für die Unterstützung) Judith Bader, die langjährige Leiterin der Städtischen Galerie, als ausgewiesene Expertin zu Wort kommen.

»Der Festgruß aus Traunstein von Klemens Thomas ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Neuerungen aus dem künstlerischen Expressionismus und den unterschiedlichsten Abstraktionstendenzen zu Beginn der klassischen Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts in die Gebrauchsgrafik eingehen. Die signifikante Stadtsilhouette mit der charakteristischen, einmaligen Bergkulisse, kombiniert mit Stadtwappen und bayerischem Rautenmuster, sind die wenigen bildlichen Bestandteile, die dem knapp gehaltenen Text erläuternd zur Seite gestellt sind. Im Gegensatz dazu setzt Hans Kaufmann auf erzählerische, spielerische und stimmungsvolle Inhalte. Der wie auf einer Bühne mit Kulissen gestaffelte Bildraum gibt den Blick frei auf eine perspektivisch angedeutete Stadtansicht mit dem mittig gesetzten, aufragenden Turm von St. Oswald und den in der Ferne bläulich schimmernden Bergen. Truna und Lindl, die sich wie zum Tanz die Hände reichen, führen als Personifikationen von Gewerbe und erstarkendem Bürgertum in die Szene und den Anlass der Darstellung ein. Die erzählerische Komponente dominiert die formalen Aspekte, die – in einer etwas überladen wirkenden Komposition – weniger an Gebrauchsgrafik und Funktionalität als an eine dekorative, schwungvolle, zart kolorierte Buchillustration denken lassen. Während bei Kaufmann ein rückwärtsgewandter illustrativer Konservatismus überwiegt, herrscht bei Thomas eine große kompositorische Statik und Sachlichkeit vor, die sich an der Ästhetik der Moderne orientiert.«

Wie gesagt, ein für die damalige Zeit außergewöhnlicher, den Blick der Betrachters fesselnder, auch, wie wir noch sehen werden, mutiger und streitbarer Künstler. Seine bekannteste Postkarte dokumentiert einen Markstein der Stadtgeschichte, die …

Auflassung der Saline Traunstein

Um die wirtschaftliche Existenz der bayerischen Salzerzeugung sicherzustellen, entschloss sich die Kammer der Abgeordneten des Bayerischen Landtags im Jahr 1910 zu einer Zentralisation der Salzproduktion, nachdem ein Gutachter die Erhaltung sämtlicher Salinen für unwirtschaftlich erklärt hatte. Trotz heftiger Proteste seitens der Vertreter Traunsteins und der Gemeinde Au wurde im April 1910 die Stilllegung der Saline Traunstein beschlossen. Am 29. Juni 1912 fand die letzte Sud statt. Im Anschluss daran wurde das Feuer unter den Sudpfannen gelöscht. Die Eingemeindung der Au mit Wirkung vom 1. Januar 1914 markierte den Endpunkt dieses für die Stadt einschneidenden Ereignisses. Doch trotz aller Befürchtungen und obwohl man nie mehr einen gleichwertigen Ersatz für diese Großindustrie in unmittelbarer Nachbarschaft erhalten sollte, blieben die Nachwehen überschaubar. Daran hatte sicher auch der beginnende Krieg seinen Anteil, der viele der frei gewordenen Arbeitskräfte an die Front holte, zudem bald nach seinem Ausbruch Notzeiten für die gesamte Bevölkerung mit sich brachte, sodass die Probleme der Au sich im allgemeinen Elend nivellierten.

Erst einmal aber war die Entrüstung über das staatliche Vorgehen groß, und der Heimat- und Brauchtumsforscher und spätere Traunsteiner Ehrenbürger Dr. Georg Schierghofer verfasste voll Wehmut die Denkschrift »Traunstein und das Salz«. Darin geleitete er die Saline »von der Wiege bis zur Bahre«. Die »enthaltenen Illustrationen verdienen«, so urteilte das Traunsteiner Wochenblatt am 9. März 1911, »sowohl in sachlicher als auch künstlerischer Beziehung eine besondere Besprechung. […] Besondere Beachtung verdienen […] die trefflichen Zeichnungen von Klemens Thomas (München), voraus dessen sinnvolles Titelbild. Wir Traunsteiner hatten ja erfreulicherweise schon oft Gelegenheit, uns von dem hervorragenden Talent dieses Künstlers in einer Anzahl von ihm gezeichneten Festpostkarten, Illustrationen usw. zu überzeugen.« Das »sinnvolle Titelbild«, ergänzt mit der Beschriftung Zur Erinnerung an die Aufhebung der Saline am 29. Juni 1912, fand ein Jahr später für eine noch heute nicht nur in Fachkreisen bekannte Postkarte ein zweites Mal Verwendung. 1995 war sie ein Exponat im Traunsteiner Teil der Bayerischen Landesausstellung »Salz, Macht, Geschichte«. Der Katalog beschreibt sie wie folgt:

»[…] Die enge Verbundenheit von Saline und Stadt Traunstein wird durch das Stadtwappen und die parallele Abbildung von Salinenkapelle und Stadtpfarrkirche St. Oswald hervorgehoben. Die Bildmitte wird beherrscht von einer Art Stele, die wohl nicht unabsichtlich an eine Grabstele erinnert. Dieser Eindruck wird durch den Kranz an ihrer Basis verstärkt. Die Mitte der Stele und gleichzeitig die Mitte der gesamten Darstellung nimmt der hl. Rupert mit Salzscheibe ein. Bekrönt wird die Stele von einer Ansicht des Karl-Theodor-Sudhauses, das über ein Jahrhundert lang für die Modernität der Saline Traunstein stand. Die geschickte, symbolträchtige Gestaltung der Postkarte dürfte ihre Wirkung kaum verfehlt haben, denn bereits bei den Auseinandersetzungen um die Frage, welche der bayerischen Salinen im Zuge der Zentralisierungsmaßnahmen geschlossen werden sollte, hatten historische Argumente eine wichtige Rolle gespielt.« Thomas hätte sich weder dieser wohlbegründeten Expertenmeinung noch dem damaligen Lob der Zeitung angeschlossen. Es ist anzunehmen, dass er sich bei der Gestaltung der Postkarte mit zu vielen Einflüssen von Außen konfrontiert sah. Demzufolge war sie ihm schlichtweg »von verschiedenen Motiven zu überladen«.

 

Franz Haselbeck


Teil II und Teil III in den Chiemgau-Blättern Nr. 6/2015 und 7/2015


Anmerkung: Die Einzelheiten dieser Arbeit sind umfassend mit Quellenzitaten und Literaturangaben belegbar. Aus Platzgründen wird auf Anmerkungen in Form von Endnoten, nicht aber auf eine summarische Nennung verzichtet. Das Stadtarchiv Traunstein verwahrt die grafische Hinterlassenschaft von Klemens Thomas, zudem (im Nachlass Köstler) Briefe an J. Angerer von K. Thomas, dessen Frau Olga, dessen Mutter Luise und des Freundes Friedrich Liesenberg. »Auswärtige« Quellen fanden sich in den Stadtarchiven Bayreuth, Homburg an der Saar, Kaiserslautern und München, im Kriegsarchiv München (Abteilung IV Bayerisches Hauptstaatsarchiv), in den Archiven der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität (TU) München, der Universitätsbibliothek Mainz, im Standesamt Homburg, im Schularchiv des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Kaiserslautern sowie im Besitz der Familie Leschhorn. Allen, die Informationen zur Verfügung gestellt und dabei oft zeitaufwändige Recherchearbeit geleistet haben, sei hiermit ein herzlicher Dank ausgesprochen. Alle Abbildungen stammen aus den Sammlungsbeständen des Stadtarchivs Traunstein.

 

5/2015