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Jahrgang 2016 Nummer 11

Anton Graßler bekam 1988 die Denkmalschutzmedaille

Er hat sich besonders um die Geschichte des Salinenwesens verdient gemacht

Das Relief des Chiemsees am Hauptsteg auf der Herreninsel ist eines von vielen Schaustücken, die Anton Graßler geschaffen hat. Unser Bild zeigt ihn wenige Monate vor seinem Tod bei diesem Modell.
Regierungspräsident Raimund Eberle (rechts) verlieh Anton Graßler im Jahr 1988 die Bayerische Denkmalschutzmedaille. Gewürdigt wurden damit Graßlers Verdienste um die Erinnerung an das Salinenwesen.

Wie kaum ein Zweiter hat sich der Traunsteiner Vermessungsingenieur Anton Graßler um den Erhalt der Geschichte des Salinenwesens in der Region verdient gemacht. Mit Veröffentlichungen, Zeichnungen, Modellen, Vorträgen und vielen anderen Aktionen war er über Jahrzehnte der entscheidende Ideengeber, wenn es darum ging, an die glorreiche Salzzeit im Chiemgau und im Rupertiwinkel zu erinnern. Für die großen Verdienste, die er sich auf diesem Gebiet erworben hat, bekam er im Jahr 1988 aus den Händen des damaligen Regierungspräsidenten Raimund Eberle die Bayerische Denkmalschutzmedaille. Mitte Januar ist Anton Graßler im Alter von 83 Jahren gestorben.

Noch einige Wochen zuvor wurde sein heimatpflegerisches Wirken bei der Jahresversammlung des Fördervereins Alt Traunstein eingehend gewürdigt. Dort wurde das von ihm im Maßstab 1:10 gebaute Modell einer Solepumpe vorgestellt. Es soll in Originalgröße nachgebaut werden. Die Pumpe soll einmal Schmuckstück und Mittelpunkt des neuen Salinenparks sein, der auf dem freiwerdenden Gelände der Franz-Eyrich-Sporthalle entstehen soll.

Geht man von dem dort geplanten künftigen Salinenpark über die Salinenstraße, die frühere Bundesstraße 304, dann steht man vor dem ehemaligen Salzstadel, um dessen Erhalt und Sanierung sich Graßler bereits Ende des letzten Jahrhunderts erfolgreich bemüht hat. Das imposante, 65 Meter lange Bauwerk wird seit Langem vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein genutzt. Bei dieser Behörde war Graßler seit 1966 als Vermessungsingenieur tätig, ehe er 1993 in den Ruhestand ging. Er betrieb nicht nur die Sanierung des im Jahr 1863 errichteten Salinenstadels, eines der letzten großen Gebäude, die an die Salzzeit in Traunstein erinnern; er war auch federführend bei der Neuanschaffung einer dem Original nachempfundenen Skulptur des heiligen Rupert mit der Altöttinger Gnadenmadonna. Sie ziert seit dem Jahr 2001 den Rupertistadel.

Graßlers Spuren findet man fast überall im Voralpenland zwischen Bad Reichenhall und Rosenheim, wo an die Salinengeschichte erinnert wird. Jakob Wölkhammer, lange Jahre Geschäftsleiter in der Gemeinde Siegsdorf, bezeichnete ihn als einen »Idealisten mit Leib und Seele«. Er habe sich für die Soleleitungswege engagiert und war für die Gemeinde Siegsdorf Impulsgeber, diese Wege vor dem Verfall zu bewahren. »Er brachte uns auf die Idee, das Thema mehr in die Öffentlichkeit zu rücken«, betonte Wölkhammer in einem Gespräch für diesen Bericht. Und sein damaliger Vorgesetzter, der jetzige Altbürgermeister Franz Maier, segnete die Maßnahmen jeweils politisch ab. »Siegsdorf hat dadurch an Attraktivität gewonnen«, sagt Maier.

Graßlers Wortschöpfung:
»Erste Pipeline der Welt«

So entstanden unter anderem Schutzdepots entlang des Salinenweges bei Hammer, in denen Deicheln ausgestellt werden. Deicheln sind die ausgehöhlten Holzrohre, in denen die Sole von Bad Reichenhall nach Traunstein und später bis nach Rosenheim transportiert wurde. Und Graßler, der auch eine Reihe von Beiträgen zur Salinengeschichte geschrieben und veröffentlicht hat, verstand es, das Thema den Interessierten nahezubringen und die Brücke vom Gestern zum Heute zu schlagen. Er war es, der die Soleleitung als »die erste Pipeline der Welt« bezeichnete. Dieser Ausspruch macht noch heute Menschen auf das Thema neugierig, die sich normalerweise nicht so sehr für Heimatgeschichte interessieren.

In den Chiemgaublättern erschienen schon in den 1980er Jahren Beiträge Graßlers zur Salz- und Salinengeschichte. Außerdem hat er eine viel beachtete Broschüre mit dem Titel »Salz – Sole – Holz« verfasst und sich für die Renovierung ehemaliger Trift-Klausen stark gemacht. 1980 konzipierte er die Ausstellung »Wasserwirtschaft in Bayern« und 1987 veröffentlichte er eine Salinenweg-Wanderkarte samt Begleitheft.

Die Reiffenstuelpumpe im Bergbaumuseum in der Laubau bei Ruhpolding ließ ebenfalls Graßler konstruieren. Claus-Dieter Hotz, viele Jahre in gleicher Stellung wie Jakob Wölkhammer in Siegsdorf als Geschäftsleiter bei der Gemeinde Grassau tätig, betont, wie sehr sich Graßler für die Soleleitungen eingesetzt hat. Ihm sei es zu verdanken, dass die Solehebemaschine, die jetzt im Museum Salz und Moor im Klaushäusl zwischen Grassau und Rottau zu sehen ist, dort installiert wurde. »Die vergammelte in einem Keller in der alten Saline in Bad Reichenhall«, erinnert sich Hotz. Graßlers Beziehungen sei es zu verdanken gewesen, dass die Pumpe nach vielen Jahrzehnten wieder an ihrem ursprünglichen Platz im Klaushäusl gelandet ist.

Im Museum Torfbahnhof in Rottau, das Hotz aufgebaut hat, steht heute ein Relief des Chiemseebodens, das Graßler anlässlich einer Chiemseekonferenz gebaut hat. Es wurde im Rahmen einer Wanderausstellung in 40 Orten gezeigt. Ein weiteres Modell steht am Hauptsteg der Herreninsel. Mehrere weitere Modelle und Schautafeln hat Graßler für Museen und entlang von Wanderwegen und an technischen Denkmälern in unserer Region gestaltet.

In seiner beruflichen Tätigkeit war er maßgeblich an der Planung des Chiemsee-Ringkanals beteiligt, der seit 1989 die Abwässer der See-Anliegergemeinden sammelt und ableitet. Von den vielen Tausend Schülern und Absolventen der Reiffenstuel-Realschule in Traunstein hat wohl kaum je einer den Namen Graßlers gehört. Und doch ist es seiner Initiative zu verdanken, dass die damalige Knabenrealschule nach dem Planer der ersten Pipeline der Welt benannt wurde.

Neben dem geschilderten Einsatz für die Salinengeschichte hatte der im März 1932 in Amberg in der Oberpfalz geborene Graßler vielfältige Begabungen: Er war sehr sportlich, bestritt Zehnkämpfe, war ein guter Fechter, Wildwasser- und Skifahrer. Er schuf zahlreiche Gemälde, Zeichnungen, Chroniken, Schautafeln und Schnitzereien. Schon mit 13 Jahren zeichnete er – ganz ohne Lehrmeister – Albrecht Dürers berühmtes Bild »Ritter, Tod und Teufel« so detailgenau mit Tusche ab, dass man es kaum vom Original unterscheiden konnte.

Nach seiner Ausbildung zum Berg-Vermessungs-Techniker in Amberg absolvierte er ein Studium des Bergbauwesens in Bochum und war bis 1965 als Steiger im Bergbau bei der Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke AG im Pechkohle-Bergwerk Peißenberg tätig. Dort lernte er seine Frau Maria kennen, mit der er 56 Jahre verheiratet war. Mit ihr trauern zwei Söhne um Anton Graßler. Vergessen wird man ihn so schnell nicht, denn was er in der Region geschaffen hat, wird noch über Jahrzehnte und länger nachwirken.


Klaus Oberkandler

 

11/2016