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Jahrgang 2004 Nummer 5

An Lichtmess begann das Bauernjahr

Der 2. Februar war früher Zahl-, Reise- und Feiertag

Karg und hart war das Leben der Knechte und Mägde. Für das Dienstvolk begann nach Lichtmess wieder der harte Alltag. Manche blie

Karg und hart war das Leben der Knechte und Mägde. Für das Dienstvolk begann nach Lichtmess wieder der harte Alltag. Manche blieben bei ihren Dienstherren, andere mussten eine neue Arbeitsstelle suchen.
Kaum einen Tag hat das bäuerliche Dienstvolk noch vor 90 Jahren so herbei gesehnt wie den 2. Februar. Denn dieser Tag - Lichtmess - war das Ende der »Schinterwoche«, der letzten harten und entbehrungsreichen Arbeitstage für die Mägde und Knechte im Stall und in der Küche. Lichtmess war Zahltag für das ganze Jahr und gleichzeitig Feiertag und Reisetag. Nach der Auszahlung in Geld und dem »Ausgemachten« - Nahrung und Kleidung - wurde erst einmal richtig gefeiert. Die dreitägigen Tanz- und Trinkgelage dauerten bis Agatha, dem 5. Februar, »Schlenklweil« genannt. Während das Dienstvolk ausgelassen feierte, zogen die Herrschaften zu den Gottesdiensten und Lichterprozessionen. Lichtmess war 40 Tage nach Weihnachten ein wichtiger Marien-Feiertag in der katholischen Kirche, der früher auch »Mariä Reinigung« genannt wurde. Historischer Hintergrund ist der jüdische Brauch, dass eine Mutter 40 Tage nach der Geburt eines Sohnes ein Reinigungsopfer darzubringen hatte. Das christliche Fest Maria Lichtmess ist seit dem 7. Jahrhundert das Fest der feierlichen Kerzenweihe. Die geweihten Kerzen sollten als »dunkle Wetterkerzen« Unwetter und Blitzschlag abwehren, als weiße Kerzen sollten sie in düsteren Jahreszeiten Licht für das Lesen aus dem Gebetbuch spenden. Bis 1912 war Lichtmess in Bayern ein offizieller Feiertag.Für das Dienstvolk begann nach der »Schlenklweil« wieder der harte Alltag. Zunächst musste eine neue Arbeitsstelle gefunden werden. Mit ihrem meist kärglichen Hab und Gut auf der Schultern zogen die jungen Frauen und Burschen von Hof zu Hof und feilschten um Lohn und Arbeit. Davon profitierten die Fuhrleute auf ihre Art. Es war nämlich Brauch, dem Pferdekutscher für seine Dienste nicht nur ein Trinkgeld zu geben, sondern ihm auch die Zeche für eine Brotzeit im Wirtshaus zu zahlen. Die Kutscher kamen dadurch auf eine glänzende Geschäftsidee: statt direkt von einem Hof zum anderen zu fahren, steuerten sie einen Zick-Zack-Kurs von einem Wirtshaus zum nächsten, um möglichst oft zechen zu können.

Für die Bauern begann mit Lichtmess das Arbeitsjahr im Freien, der Winter galt als überwunden, auch wenn noch oft viel Schnee auf den Fluren lag. Lichtmess ist zu einem ersten markanten Einschnitt für die Bauernregeln geworden, auf deren Wahrheitsgehalt noch heute viele Landleute schwören. »Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee« heißt die eine Regel, eine andere Weisheit sagt »Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit«.

Lichtmess hat auch einen Bezug zum heidnischen Fest »Imbolc«, was so viel bedeutet wie »im Schoß«. Das neue Leben ruht noch im Schoß der Erde, beginnt sich aber langsam zu zeigen. Die heidnischen Vorfahren begrüßten dieses sprossende Leben mit Fackeln und Kerzen und verehrten »Imbolc« als Göttin des Lichts. Die Lichterprozessionen in den Kirchen an Lichtmess gelten heute als Vorboten auf Ostern. In der Ostkirche heißt das Fest »Hypapanthe« - Fest der »Begegnung«.

ND



5/2004