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Jahrgang 2010 Nummer 42

Am dritten Sonntag im Oktober ist Kirchweih

Erinnerungen an das Kirchweihfest den »Kirta«

Wenn ich in unserer jetzigen Zeit an das Kirchweihfest den »Kirta« von früher zurückdenke, so sind es Erinnerungen zum Einen an das gute und reichliche Essen und Trinken daß auf dem Lande vor allen auch die Knechte und Mägde sehr zu schätzen wußten. Die guten Kücheln »de`Küachen« die in großen Mengen gebacken wurden,waren natürlich auch für die Kinder ein Leckerbissen. Zum Anderen ist es vor allem aber die Kirtaschutz die etwas einmaliges-unnachahmliches gewesen ist – ohne sie wäre der »Kirta« für die Burschen und Mädchen ebenso wie für uns Kinder, nur etwas Halbes gewesen. Natürlich ist es auch in der heutigen Zeit möglich, »fast« genau so eine Schutz wieder aufzubauen, jedoch die Seele dazu, damit diese auch wieder leben kann, gibt es nicht mehr!

Aber auch eine andere Begebenheit fällt mir jedes Jahr wenn es auf den Kirta zugeht, immer wieder ein.

Es war in den Jahren 1948 bis 1949 als ich dortmals bei meinem Stiefvater auf dessen kleinem Bauernhof in Grassau lebte.

Wenn ich am frühen Nachmittag mit meiner Hausaufgabe fertig war, dann schickte mich meine Mutter des öfteren zum Kramer und Bäcker. Ich mochte es gerne wenn ich alleine einkaufen durfte und war darauf bedacht, auch immer das Richtige heimzubringen.

Mit einer großen, schon recht abgenützten Tasche trabte ich fort. Doch nicht die breite Dorfstraße dort wo ich auch von der Schule nach Hause ging war mein Weg, sondern ich schlenderte auf dem schmalen Sandstrasserl, das durch die Wiesen dem »Unterdorf« zuführte. Der Grund meines »Umweges« war nicht etwa weil ersterer vieleicht ein wenig länger gewesen ist, vielmehr hatte mich der stille Weg immer ein bisserl an meinen Kirchen- und Schulweg bei den Großeltern erinnert. Auserdem wohnte ein liebes Mädchen aus meiner Schulklasse nur ein paar Meter von dem Straßerl entfernt, in dem kleinen-schon recht baufälligen Sacherl. Dieses gehörte zwei Schwestern, die eigentlich schon viel zu alt gewesen sind, um die tägliche schwere Arbeit noch zu bewältigen.

In dem uralten Stall hatten diese auser zwei Kühen, noch etliche Schafe, zum einen für ausreichend Fleisch zum anderen für die Wolle. Auch etliche Hühner und Enten pickten oder scharrten immer auf der Wiese um das kleine Anwesen herum, wenn ich dort .vorbeigekommen bin.

Meine Schulfreundin Hilde hatte mich meistens schon von weiten kommen sehen und jedesmal wußten wir etwas neues zum Erzählen.

Eines Tages machten wir zwei eine Entdeckung der wir erst einmal wenig Beachtung schenckten, was sich aber bald ändern sollte.

Die Schwestern hatten nähmlich von irgendwoher vier schon halbausgewachsene Gänse geschenkt bekommen. Allso watschelten nun auch diese mit den Enten des öfteren dem schmalen Bächlein welches an die Wiese angrenzte,zu. Die erste Zeit schauten Hilde und ich den Gänsen oft zu, wie gut es diesen in ihrer neuen Umgebung anscheinend gefiel. Ich dachte dabei jedoch mit etwas Unbehagen an unseren Ganserer bei den Großeltern.

So waren etliche Tage vergangen, als ich wieder einmal mit meiner alten Tasche in der Hand, dem fast ärmlichen Anwesen zuging und meine Freundin mir etwas zurief. Ich konnte es zwar nicht verstehen, wußte aber gleich darauf, was sie mir sagen wollte, denn fast gleichzeitig kamen die lauten, grellen Schreie des nun schon ausgewachsenen Gänserichs immer näher.

Vor Schrecken blieb ich kurz wie angewurzelt stehen und fing laut zu schreien an, worauf selbiger einen kurzen Moment im Laufen innehilt um gleich darauf seinen langen Hals noch höher zu strecken. Wie er nun mit einem Anlauf geradewegs auf mich zukommen wollte, da schwenckte ich laut schimpfend meine Tasche so gut es ging, hinum, herum, hinauf und hinunter. Ein Packerl Mehl, der Vanilienzucker und das Backpulver flogen in großem Bogen auf die Wiese, dies hatte den »Angreifer« so erschreckt, dass er fluchtartig umdrehte.

Während Hilde und ich kurz darauf schnell die verstreuten Sachen wieder in meine Tasche packten, überlegten wir eine Weile wie wir den Ganserer von uns vernhalten könnten. Letztendlich gab es nur eine Lösung, ich brauchte einen langen Stecken mit dem ich diesen abwehren konnte.

Allso ging ich etliche Wochen lang nicht mehr ohne meine »Waffe« das vertraute Wegerl, auch Hilde getraute sich nicht mehr anders an diesem vorbei.

Langsam war es Herbst geworden und der noch größer und fetter gewordene Gänserich erschreckte uns immer noch mit seinem lauten, schrillen Geschrei. Da kam mir eines Nachmittags als ich ihn wiedereinmal mit meinem Stecken verschäucht hatte, der rettende Gedanke...

Es war ja bald der »Kirta« das Kirchweihfest, an dem doch soviel Gutes gegessen wird und neben einem guten Schweinsbraten auch die Kirchweihgans dazu gehört. Sogleich erzählte ich meiner »Leidensgenossin« was mir gerade eingefallen war. So nahmen wir, als gerade die jüngere der beiden Schwestern mit einer Schüssel voll Körner zum Füttern heraus gekommen war, ohne lange zu überlegen unseren ganzen Mut zusammen und liefen ihr entgegen. Sie schaute uns fragend an, doch ehe die Frau etwas zu uns sagen konnte, platzten wir beide zusammen mit unserem Vorschlag heraus, daß dieser fette, ekelhafte Ganserer doch wie geschaffen für einen guten Kirchweihschmaus wäre?

Da hatte diese ein Lächeln in dem sonst immer ernsten Gesicht und was sie zu uns sagte, konnten wir zuerst kaum glauben.

Selbiges hätten sie und ihre Schwester sich schon lange gedacht, deshalb könnten wir beide in ein paar Tagen wieder solange ratschen und spielen wie wir wollten. Derjenige von dem gerade die Rede war, reckte nicht weit von uns entfernt, stolz seinen langen Kragen in die Höhe und watschelte auf den kleinen Bach zu.

Da hat er mir fast schon wieder leid getan.

Elisabeth Mader



42/2010