Jahrgang 2009 Nummer 42

Am dritten Sonntag im Oktober ist Kirchweih

Früher war es eines der wichtigsten Bauernfeste in ganz Bayern



Es ist das Fest mit den vielen Namen: Kirta, Kirmes, Kerwa oder Kirbe. Es handelt sich um die Allerweltskirchweih an diesem Sonntag, früher eines der wichtigsten Bauernfeste in ganz Bayern. Auf diesen dritten Sonntag im Oktober hin werden die Gänse gemästet, denn ein Fest ohne Gänsebraten, Knödel und Blaukraut wäre nur die halbe Sache. An Kirchweih wird gegessen, getanzt und getrunken, manchmal ein paar Tage lang.

Das allgemeine Kirchweihfest im Oktober gibt es seit dem Jahr 1868. Damals waren die vielen örtlichen Kirchweihfeste als Feiertage abgeschafft und auf ein einheitliches Datum zusammengelegt worden. Katholische wie evangelische Gemeinden feiern gleichzeitig.

Die Kirchweih darf nicht mit dem Patrozinium verwechselt werden. Die Weihe der Gotteshäuser wurde früher unabhängig vom Namenstag der Kirchen (Patrozinium) gefeiert. Der Weihe-Brauch hat heidnische Wurzeln. Schon in vorchristlicher Zeit wurden Kultstätten gesegnet und damit zu heiligen Stätten erhoben. Die christliche Kirche machte sich diesen Brauch zu eigen und im Mittelalter genehmigte Rom ausdrücklich die Weihe von Kirchen.

Über die Jahrhunderte haben sich zahlreiche bäuerliche Bräuche ergeben, die bis heute erhalten sind. Kirchweih war für das Landvolk zugleich der Abschluss des Erntejahres und der mühseligen Feldarbeiten. Grund genug, ausgelassen zu tanzen und auf Brautschau zu gehen. Daher rühren die heute noch in einigen oberbayerischen Gemeinden stattfindenden Betteltänze. Fesche Burschen und ledige Mädchen werden für den »Kirta« verbandelt und bleiben 24 Stunden zusammen. Der Beginn solcher Kirmes-Pärchen ist der Betteltanz, bei dem der Junggeselle um seine Angebetete wirbt.

Selten sind die Kirta-Hutschn geworden. Es handelt sich dabei um einen langen Baumstamm oder ein solides, dickes Brett, die zwischen zwei Seilen befestigt am Deckenbalken der Scheune oder zwischen zwei Bäumen aufgehängt werden. An jedem Ende steht ein Bursch, der die Hutschn unter Quietschen in Fahrt bringt. Das Besondere dabei ist, dass der Länge nach geschaukelt wird, ein nicht ungefährliches schwungvolles Vergnügen.

An vielen Orten kann man den Kerwa-Sonntag, wie die Franken sagen, buchstäblich riechen. Über den Höfen liegt ein süßer Duft von Kirchweihnudeln, die je nach Region unterschiedliche Namen haben: »Küchlein«, »Kücherl« oder »Ausgezogene«, Schmalznudeln in der Regel. Im Chiemgau wird die erste gebackene Nudel ins Ofenfeuer für die »armen Seelen« geworfen. Im Schwäbischen und Fränkischen gibt es Kirchweih-Märkte mit Ständen und Buden, die Feiern gleichen dann oft eher einer Dult oder einem normalen Volksfest.

In Franken gibt es den Brauch der »Nachkerwa«. Da wird zunächst Samstag und Sonntag ausgiebig bis spät in die Nacht gefeiert. Am Montag ist dann die meist ruhige, verkaterte »Nachkerwa« und am Dienstag wird die Kirchweih dann bis zum nächsten Jahr eingegraben. Diese Tradition erinnert daran, dass früher in ganz Bayern drei Tage lang Kirchweih gefeiert wurde. Eine alte Bauernregel sagt: »Ist's zu Kirchweih warm und mild, wird's ein kalter Winter für Mensch und Wild.«


Nikolaus Dominik



42/2009