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Jahrgang 2007 Nummer 42

Am dritten Sonntag im Oktober ist Kirchweih

Einstmals war es eines der wichtigsten Hauptfeste im Bauernjahr

Am dritten Sonntag im Oktober ist seit eh’ und je’ das Kirchweihfest, von diesem jedoch, obwohl es einstmals sogar eines der Hauptfeste im Bauernjahr gewesen ist, soviel wie nichts mehr übrig geblieben ist. Lediglich das kleine, rote Kirchweihfandl der »Zachäus«, das jedes Jahr an Kirchweih der Mesner ganz oben beim Glockenstuhl hinausgehängt hat, flattert auch heute noch von den meisten Kirchtürmen und deutet darauf hin, dass dieses Fest auch lange, eines der großen Kirchenfeste gewesen ist. Aber im Gegensatz zu manch Anderen, ist dieses vor allem auf dem Lande, recht lustig und ausgiebig gefeiert worden, das sagt schon das alte Sprüchl’ vom Kirtagfeiern aus:

»A’ richtiga Kirta, dauert Sund- Monda und Irta- diam Ko’ sie’ se’ a’ schigga - das er dauert bis zum Migga«.

Auf dem Hof meiner Großeltern ist es gewesen damals, da hat eine von meinen fünf Tanten, am Kirtasamstag, meiner Großmutter helfen müssen, die großen Mengen von »Küachen« für unsere große Familie zu backen und der schmalzige Geruch ist durch das ganze Haus gezogen. Auch am Kirtamontag, wenn die Gon und der Göd und auch sonst noch etliche Verwandte und Bekannte zu uns gekommen sind, da haben die Hasenöhrl und die Ausgezogenen ja nicht ausgehen dürfen und auch für die nächsten Tage mussten diese noch ausreichen. Damals als kleines Dirndl, als das ich in der vom Schmalz dampfenden Küche, doch nur »im Weg umgegangen bin«, ist es mir sowieso in der »Heirem« (Heuboden) oben lieber gewesen. Dort habe ich meinem Großvater ganz genau zugeschaut, wie er die große, lange Kirtaschutz aufgebaut hat, die schweren Ketten, auf die danach die langen, dicken Bretter gelegt worden sind, hat er ganz oben an den Balken der Heirem festgemacht. Am Kirtasonnstag und vor allem auch am Kirtamontag, der ja dortmals auch noch ein Feiertag gewesen ist, da ist es auf unserem Heuboden oben, bald nach Mittag, schon recht lustig gewesen, denn so eine große Kirtaschutz, wie es die unsrige gewesen ist, hat es nicht auf jedem Hof gegeben. Den jungen Burschen, die ebenso wie die Dirndl, oft von den weit entfernten Einöden und Weilern, zu Fuß die Anhöhe zu uns heraufgekommen sind, hat natürlich das »Ablarn« die größte Gaude gemacht. Immer dann, wenn die Schutz fast bis hinauf zu den Balken gelangt hat und die Daraufsitzenden oft schon mit den Köpfen dort angestoßen sind, da haben diese nach einem kurzen: »Iatzt werd abglart«, die lange Schutz immer abwechselnd nach vorne und hinten kippen lassen, was ein lautes Durcheinanderschreien zur Folge gehabt hat.

Höchstens etliche Jahre bin ich alt gewesen damals, wie ich, obwohl mich meine Mutter ganz fest gehalten hat, von der hoch oben schwingenden Schutz, weit hinunter auf die Bretter der Heirem gefallen bin. Laut geschrien habe ich, teils auf den großen Schreck, doch auch einen riesigen »Pinkel« habe ich oben auf dem Kopf gehabt und mein Großvater hat »die Großen« daraufhin ganz fürchterlich geschimpft. Von diesem erinnerungsträchtigen Kirchweihmontag an, hat mich das nächste Jahr niemand mehr auf so eine Riesenschutz gebracht. Viel lieber bin ich mit ein paar Nachbarsdirndl zum »Öder«, unserem Nachbarn spaziert und weil die Schutz dort, nicht gar so groß und wuchtig gewesen ist, habe ich mich auch mit der Zeit nicht mehr »gefürchtet«.

Als ich dann mit meinen gut sieben Jahren, von meinen Großeltern und dem Einödhof fort gemusst habe und in Grassau in die Schule gegangen bin, da habe ich meinen Stiefvater auch nicht durch vieles betteln überreden können, doch wenigstens eine kleine Kirtaschutz zu machen. In diesen Jahren sind sie auch immer weniger geworden, die »Schutzen«, vielleicht hat niemand mehr Zeit gehabt, eine solche herzurichten, oder haben sich die Jungen nicht mehr so lustig zusammengefunden?

Dortmals haben jedenfalls meine Schulfreundinnen und ich, überall im und außerhalb unseres Dorfes, nach einer Kirtaschutz gesucht und in einem Stadel, der zu einem kleineren Hof außerhalb des Dorfes gehört hat, da haben wir endlich eine Solche gefunden. So sind wir Mädchen, auch noch lange nach Kirchweih, fast jeden Nachmittag frohgemut zu dem fast am Waldrand gelegenen Hof geschlendert. Beiweitem nicht so groß und wuchtig ist sie gewesen, diese Schutz wie die unsrige in Pittersdorf, was mir ja sowieso lieber gewesen ist. Beim »Antauchen« haben wir uns von Zeit zu Zeit immer abgewechselt, wenn aber schließlich dies keine mehr gefreut hat, da haben wir uns nachat alle mitsammen auf die Schutz gesetzt, diese mit unseren Füßen immer wieder angetaucht und dabei lustige Lieder die uns gerade eingefallen sind, gesungen. Zwischendurch haben wir die Kücheln, von denen jede von uns etliche dabeigehabt hat, gegessen und erst auf fünf Uhr zu, sind wir wieder heimzu.

Das sind die Jahre gewesen, in denen langsam aber sicher, für die Kirtaschutz das endgültige »Aus und Vorbei« gekommen ist.

In den letzten Jahren wird zwar in manchen Bauernhofmuseen, die alte, längst vergessene Kirtaschutz wieder aufgebaut und es wird dafür geworben, sich doch diese »Sehenswürdigkeit« anzuschauen und vielleicht sogar einmal »mitzuschutzen«. Aber ist diese auch in noch so einer alten Tenne, oder einem uralten Heuboden, mit viel Mühe aufgebaut worden, so fehlt dieser halt doch etwas ganz wichtiges, ja ich denke, sogar das Allerwichtigste – das Innere – die Seele, ohne die man Vergangenes und Ausgestorbenes, nicht mehr aufleben lassen kann – nicht einmal eine Kirtaschutz.

Elisabeth Mader



42/2007