Jahrgang 2001 Nummer 47

Altes Wissen neu entdeckt

Hat der Mond einen Einfluß auf den Holzeinschlag?

Kaum ein Bau- und Werkstoff wird so vielen Anforderungen gerecht wie das Naturprodukt Holz. Gleich den Menschen sind Bäume Lebewesen, die atmen, Sonne, Luft und Regen brauchen. Unter alten Bäumen findet man Kraftplätze. Umarmen Sie doch einmal einen Baum und Sie können Energie tanken. Es gibt eine innige Lebensgemeinschaft zwischen Holz und Mensch. Holz als Baustoff vermittelt Ruhe, Kraft und Geborgenheit. Wer hat sie noch nicht verspürt, die angenehme, wohltuende Atmosphäre, die alte Bauernhäuser und Almhütten ausstrahlen. Wer in diesen Tagen eine Buchhandlung betritt, begegnet einem reichen Sortiment an Mondkalendern, Büchern und Ratgebern zum Thema »Leben mit dem Mond«. Die gedankliche Rückbesinnung hat die Menschen auf dem Dorf ebenso erfaßt wie die Stadtbevölkerung. Die Sehnsucht vieler junger Menschen nach Harmonie und Ausgeglichenheit, nach einem Leben »wie früher auf dem Land« kann als Reaktion auf die postindustrielle Gesellschaft interpretiert werden. Die Folgen dieser hektischen, sich ständig verändernden Lebensbedingungen sind neben tiefgreifender Verunsicherung das Bedürfnis nach gleichbleibenden natürlichen Gesetzmäßigkeiten.

In dem Traum vom »Haus aus dem ewigen Baustoff Holz« verbindet sich für immer mehr Menschen der Wunsch nach Geborgenheit mit einem hohen Umweltbewußtsein. Im Bereich des Bauwesens gewinnt, im Zuge der Diskussion um den optimalen Fällungszeitpunkt für das Bauholz, neben der Jahreszeit auch die jeweilige Stellung des Mondes wieder an Bedeutung. Wie aus der Literatur hervorgeht, befaßten sich schon Babylonier, Ägypter, Griechen und Römer und viele andere Völker mit den Einschlagregeln und den Einfluß der Mondphasen auf das Holz. Berühmte Schriftsteller vergangener Zeit wiesen immer wieder darauf hin, daß die Bauleute von der Überlegenheit des Winterholzes überzeugt waren. Bemerkenswert ist, daß schon damals Bauholz bei abnehmendem Mond geschlägert wurde. Der Einfluß der Anziehungskraft des Mondes auf den Saftstrom der Bäume galt als unbestritten.

Obwohl moderne Technik, Holzschutzmittel, Lacke und Leime früher weitgehend unbekannt waren, überlebten zahllose Holzbauten viele Jahrhunderte. Sie wußten: Schlägt man Holz zur kalten Jahreszeit oder zu ganz bestimmten Zeiten, so hält es Angriffen von Wind und Wetter, Pilzen und Holzschädlingen besser stand.

Leider ist solches Wissen in unserer schnellebigen Zeit fast verloren gegangen. Doch wir besinnen uns wieder auf alte Weisheiten und achten auf folgende Punkte.

Die Wahl des richtigen Holzstandortes ist von größter Bedeutung. An der Ausbildung der Jahresringe erkennt der Fachmann die Qualität des Holzes, je feinrinniger, umso widerstandsfähiger ist das Holz. Auch ein gerader Wuchs des Baumes ist sehr wichtig.

Im Winter zur Zeit der Saftruhe, stagniert das Zellwachstum und der Baum befindet sich in einer Art Ruhepause. Die Schlägerung sollte zum besten Zeitpunkt erfolgen. Ebenso wie der richtige Zeitpunkt zur Holzernte, ist also die Wahl des Standortes (kein schnellwüchsiges Holz), geradwüchsige Stämme mit feinen Jahresringen. Neben der Auswahl des Rohproduktes ist auf korrekten Einschnitt, natürliche Trocknung sowie sorgfältige Lagerung zu achten.

Um die Feuchtigkeit des Holzes möglichst zu verringern, ist es zweckmäßig, die ausgewählten Bäume talwärts zu schlägern. Die noch einige Wochen am Stamm verbleibenden Wipfel und die Äste entziehen diesem viel Wasser. Diese Maßnahme sollte besonders beachtet werden, so kann man auf natürliche und einfache Art dem Baum Feuchtigkeit entziehen.

Viele Holzarbeiten wie Fertigstellen und Abbinden von Dachstühlen, Einbau von Fenstern, Holzdecken usw. sollen in der abnehmenden Mondphase durchgeführt werden. Gerade heute, wo viele Menschen schadstoffbelastet sind und unter Allergien leiden, kann durch den Einsatz von mondgeschlägertem, qualitativ hochwertigem Holz auf Holzschutzmittel verzichtet werden.



47/2001