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Jahrgang 2004 Nummer 33

Alte Glaskunst wiederbelebt

Schmalzlergläser aus dem Bayerwald sind beliebte Sammelobjekte







Die Ärztin Dr. Eva Loserth, die zusammen mit ihrem Mann in Zangberg im Landkreis Mühldorf eine Praxis für Allgemeinmedizin unterhält, hat ein recht ausgefallenes Hobby. Sie sammelt seit mehr als 25 Jahren Schnupftabakgläser, die so genannten Schmalzlerbixn. Immer wieder einmal fährt sie in den Bayerischen Wald, wo die Produktion von Bixn seit den Sechziger Jahren zu neuer Blüte gelangt ist.

Die kleinen Gläser sind handschmeichlerisch geformt und eine Gemeinschaftsarbeit von Glasmachern, Graveuren und Malern. Sie zeugen von der Meisterschaft, Glas in künstlerischer Vielfalt und mit unterschiedlichen Techniken zu gestalten. Eindrucksvoll sind die Farbeffekte und Gravuren, wenn die Künstler beispielsweise bis zu sechs Glasschichten, in mehreren Farben Übereinander geblasen, geschliffen und durch Rubinsätze oder Bemalen, weiter veredelt haben. Verbreitete Bildmotive sind Tier- und Jagdszenen, nicht selten in humorvoller Darstellung. Bis ein Glas fix und fertig ist, können bis zu vierzig Arbeitsstunden vergehen. »Früher war der Brauch, kunstvolle Schnupftabakgläser zu verwenden, ein Vorrecht der Oberschicht und Ausdruck eines verfeinerten Lebensstils«, erläutert Dr. Eva Loserth. Schon damals kamen in Bayern die meisten »Bixn« aus dem Bayerischen Wald. Später wurde es den Glasarbeitern gestattet, in den Arbeitspausen zu »privateln«, das heißt Gläser für den Eigenbedarf herzustellen oder an Interessenten privat zu verkaufen, eine Möglichkeit, den kargen Lohn ein wenig aufzubessern. Besonders schöne Stücke, die »Sonntagsbixn«, dienten als Blickfang in der guten Stube und wurden von Generation zu Generation weitervererbt.

Dass die Produktion von Schnupftabakgläsern im Bayerwald wieder zu neuer Blüte gelangte, ist ein Verdienst von Diplomingenieur Heiner Schaefer, einem international renommierten Kenner der Glaskunst und Verfasser einschlägiger Bücher. Ihm ist es zu verdanken, dass alte Glastechniken vor dem Vergessen bewahrt und von einheimischen Glaskünstlern wieder gepflegt werden.

JB



33/2004