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Jahrgang 2004 Nummer 29

Altar der Schlosskapelle Pertenstein wurde 400 Jahre alt

Barbara Lucie Freifrau von Toerring war Auftraggeberin – Um 1770 nochmals Umgestaltung der Kapelle

Barbara Lucie Freifrau von Toerring (hier ein Porträt von ihr aus Schloss Pertenstein) ließ das Pertensteiner Schlossgebäude ab

Barbara Lucie Freifrau von Toerring (hier ein Porträt von ihr aus Schloss Pertenstein) ließ das Pertensteiner Schlossgebäude ab 1596 umbauen und prächtig ausstatten. Sie war es auch, die die Schlosskapelle aufwändig renovieren ließ. Aus der Einweihung des neuen Altars im Jahr 1604 stammt das erste historische Zeugnis über die kleine Schlosskapelle von Pertenstein.
Ein Blick auf den Altar der St. Anna-Kapelle, wie er sich heute darstellt.

Ein Blick auf den Altar der St. Anna-Kapelle, wie er sich heute darstellt.
»Im Jahre des Herrn 1604 am 12. Juli wurde der Altar in der Kapelle St. Anna und Maria in der Schlosskapelle Stein von neuem errichtet und geweiht von Bartholomäus Scholl, Bischof von Darien. Der Altar enthält, wie schon der alte Altar, Reliquien, die wegen ihres Alters zu Staub zerfallen sind, und zwar von der hl. Jungfrau, St. Anna, dem Apostel Bartholomäus, St. Barbara, St. Lucia und anderen mehr. Ablässe: Am Weihetag 1 Jahr, an den einzelnen Jahrtagen 40 Tage. Neuer Ablass am Weihetag, am Sonntag vor oder nach ... dem Tag des Märtyrers Laurentius.«

Der Text in einer alten Urkunde kündet von der Einweihung der kleinen Kapelle im Schloss Pertenstein (nicht in Stein, wie der Urkundentext es aus nicht bekannter Ursache fälschlich formuliert). Sie ist unterzeichnet von Guarinus von Baumburg, seines Zeichens Probst und Archidiakon. Im Original ist sie natürlich in lateinischer Sprache geschrieben und wurde von Kreisarchivar Götz von Dobeneck ins Deutsche übersetzt. Das gerahmte und in Glas gefasste Dokument war bei der Renovierung der Schlosskapelle vor rund 20 Jahren vom damaligen Kirchenmaler zu Restaurationszwecken mitgenommen worden. Erst im letzten Jahr, als dieser zufällig das Weihedatum sah, wurde die Urkunde – zwischenzeitlich hergerichtet, der Rahmen neu vergoldet – wieder nach Pertenstein zurückgebracht und war jetzt die augenfällige Grundlage für die 400-Jahr-Feier, die am vergangenen Montag – also auf den Tag genau nach 400 Jahren – mit einem Gottesdienst und einer Festpredigt von Prälat Dr. Walter Brugger begangen wurde.

Ortsheimatpfleger Hans Danner hatte sich anlässlich dieser 400-Jahr-Feier ausführlich mit der Geschichte der Kapelle befasst, eingebettet in die Gesamt-Historie des Schlosses. Seinen Erkenntnissen zufolge hat es sicherlich schon um 1290, also beim Bau des ersten Pertensteiner Schlosses, eine Kapelle gegeben. Allerdings ist über deren Lage und ihr Aussehen nichts bekannt. Burg und Kapelle seien aber in der damaligen Zeit stets eine feste Einheit gewesen. Gesicherte Details über die Schlosskapelle gibt es erst seit etwa 1600, als sich Barbara Lucie Freifrau von Toerring hier ihren Witwensitz einrichtete.

Erstmals urkundlich erwähnt wird die Kapelle, wie Jolanda Engelbrecht, die Chronistin der Toerringer, in der Festschrift zur Anna-Kapelle schreibt, allerdings bereits 1598, als der Deutschordensritter Ferdinand Freiherr von Toerring zu Stein und Pertenstein der Kapelle ein Kruzifix »verehrte«. In jener Zeit befand sich das Gebäude im Besitz des Freiherrn Ladislaus von Törring zu Stein (1566 - 1638). Seit 1596 wohnte hier dessen Mutter Barbara Lucie. Diese ließ das Schlossgebäude umbauen und prächtig ausstatten. Sie war es, die auch die Schlosskapelle aufwändig renovieren ließ.

Pertenstein wurde ab 1596 also erstmals zu einem wirklichen Wohn-Schloss umgestaltet, viel Wert wurde von Barbara Lucie auf die Ausstattung der Schlosskapelle gelegt und dafür viel Geld investiert. Aus dieser Zeit stammen nach Danners Recherchen ganz sicher der äußere Rahmen des Altars und die inzwischen wieder frei gelegten Fresken an den Wänden - Fresken aus einer Zeit, von der es nur noch ganz wenige Beispiele gibt. Jolanda Engelbrecht beschreibt die inzwischen wieder freigelegten Malereien an den Wänden, »ausgesprochen schöne Teile der Ausstattung von 1600«: Über den Fenstern im Chor finden sich sehr fröhliche Renaissance-Motive: Rechts ist ein Engel zu sehen, der einen Vogel fliegen lässt. Über dem zugemauerten Fenster hinter dem Altar findet sich ein Frauenkopf mit Schleier, der einen Früchtekorb mit einem darauf sitzenden Vogel trägt. Über dem Fenster links davon ist ebenfalls ein Frauenkopf mit Schleier, der aber eine Blumenvase balanciert. Über dem Fenster ganz links sieht man ein männliches Gesicht mit löwenartiger Mähne, über ihm eine Blumenvase. Der Gewölbezwickel auf der Oratoriumseite zeigt im Zentrum Christus in der Marter, umgeben von Engeln, die die Marterwerkzeuge tragen. Links (allerdings stark zerstört) ist Maria zusammen mit Johannes, rechts die drei anderen Evangelisten Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Matthäus mit dem Engel.

Einen größeren Um- und Ausbau erlebte die Schlosskapelle danach nur noch einmal, nämlich in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts. Damals diente das Schloss vor allem im Sommer als Wohnsitz für beschauliche Ferien auf dem Lande; dazu war das ganze Gebäude ausgesprochen großzügig umgestaltet worden. 25 Jahre lang seien mehr oder weniger ununterbrochen Handwerker in großer Zahl hier tätig gewesen, hat Hans Danner aus den alten Urkunden erfahren. Die Schlosskapelle wurde dabei in den Stil der Rokokozeit umgeändert, wovon vieles heute noch zu sehen ist: Bis 1767 riss man die alten Betstühle aus Eichenholz und das Ziegelpflaster heraus und ersetzte sie durch Stühle aus Fichtenholz und ein Pflaster aus Kelheimer Marmor. Aus dem sogenannten Kapellenzimmer entstand ein herrschaftliches Oratorium. Zur Kapelle brach man zwei Fenster aus und versah sie mit großen eisernen Gittern. Auch ein Paramenten-Kasten und eine Eingangstüre aus Eiche wurden bestellt. So beschreibt wieder Jolanda Engelbrecht die einzelnen Veränderungen.

Nach dem Tod des Schlossherrn jener Zeit, Ignaz Felix, im Jahr 1773 wurde in die Kapelle praktisch nichts mehr investiert. Jedenfalls geht aus den Rechnungsbüchern nichts mehr hervor, wie Danner feststellte. Danach verlor auch das Schloss seine Bedeutung, war nicht mehr Verwaltungssitz. Zwar sei die Kapelle nach wie vor mit Leben erfüllt gewesen, mit betreut von der inzwischen selbstständig gewordenen Pfarrei Traunwalchen.

Den massiv drohenden Verfall der Kapelle ab Mitte des letzten Jahrhunderts verhinderte der damals neu gegründete Heimatbund Schloss Pertenstein, unter dessen Regie seit Ende der 60er Jahre Schloss und damit auch die Kapelle grundlegend saniert worden waren. Die Renovierung der Schlosskapelle selbst fand im Wesentlichen in den Jahren 1979 bis 1986 statt; dabei kamen auch die alten Fresken von 1604 wieder zum Vorschein, die in der Rokokozeit übermalt worden waren. Und damals wurde auch die alte Urkunde wieder entdeckt, die der Anlass für die jetzige 400-Jahr-Feier war.

HE



29/2004