Jahrgang 2020 Nummer 44

Allerheiligen – ein Hochfest im Kirchenjahr

Wegen der Corona-Pandemie kann es heuer nicht in gewohnter Weise begangen werden

Der Feiertag Allerheiligen ist ein Hochfest im römisch-katholischen Kirchenjahr zu Ehren aller Heiligen. An diesem Tag gedenkt die katholische Kirche aller Heiligen – sowohl den bekannten und heilig gesprochenen als auch all den Frauen und Männern, die im Verborgenen ihren Glauben gelebt und verteidigt haben.

Schon im 4. Jahrhundert wurde am ersten Sonntag nach Pfingsten der »Herrentag aller Heiligen« gefeiert. Dieses Hochfest der Ostkirche geht auf Johannes Chrysostomus zurück und wurde zu Ehren aller Märtyrer, die aufgrund ihres christlichen Glaubens verfolgt und getötet wurden, gefeiert. Seine weitere Entwicklung nahm das Fest der Heiligen im 7. Jahrhundert. Im Jahr 609 (einige Quellen geben auch das Jahr 610 an) weihte Papst Bonifatius IV. das Pantheon in Rom der Jungfrau Maria und allen Märtyrern.

Ursprünglich war das Pantheon ein den antiken Göttern geweihtes Heiligtum. Nach der Umwandlung zur christlichen Kirche ließ Papst Bonifatius IV. die Gebeine vieler Märtyrer dort beisetzen. Zudem legte er den Termin für den jährlichen Feiertag der Heiligen auf den Freitag nach Ostern. Die zeitliche Nähe zu Ostern sollte den Zusammenhang des österlichen Heilsgeschehens und dem Leben und Wirken der Märtyrer und Heiligen verdeutlichen.

Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde der Termin von Allerheiligen nochmals verlegt. Im 8. Jahrhundert weihte Papst Gregor III. eine Kapelle in der Basilika St. Peter (Petersdom) allen Heiligen. Papst Gregor III. erweiterte das Hochfest der Märtyrer um alle Heiligen und legte den Termin für die Stadt Rom auf den 1. November.

In Deutschland ist Allerheiligen nicht nur ein gebotener Feiertag der römisch-katholischen Kirche, in den überwiegend katholisch geprägten Bundesländern ist das Hochfest zudem auch ein gesetzlicher Feiertag. Allerheiligen gehört zu den stillen Feiertagen, an denen Tanzveranstaltungen, laute Musik, Märkte, Messen und Volksfeste verboten sind. Die Geschäfte sind geschlossen, nur Blumenläden und Bäcker dürfen an diesem Tag öffnen. Auch in anderen Ländern wie Österreich, den katholisch geprägten Kantonen der Schweiz, Belgien, Liechtenstein, Luxemburg, Frankreich, Italien und Polen ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag.

Nur einen Tag nach Allerheiligen, am 2. November, feiern katholische Christen den Gedenktag Allerseelen zum Gedächtnis aller verstorbener Gläubigen. Allerseelen ist in Deutschland ein kirchlicher, aber kein gesetzlicher Feiertag. An Allerseelen beten die Gläubigen für die Verstorbenen und alle »arme Seelen« im Fegefeuer, die noch nicht die Gemeinschaft mit Gott erreicht haben. Allerheiligen und Allerseelen sind aufgrund ihres Charakters als Totengedenktage eng miteinander verbunden. Die beiden Feiertage bilden seit der Einführung des Allerseelentages im 10. Jahrhundert ein Doppelfest mit zahlreichen Bräuchen.

Einige Traditionen, die eigentlich dem Feiertag Allerseelen zugeordnet sind, werden mancherorts schon am Nachmittag von Allerheiligen gepflegt. Einerseits wird hierbei wieder die Verbundenheit der beiden Feste deutlich, andererseits hat dies auch schlicht praktische Gründe, da der 1. November in einigen Bundesländern ein arbeitsfreier Feiertag ist.

In der katholischen Kirche wird Allerheiligen traditionell mit einer Heiligen Messe, einer Andacht oder einer Totengedenkfeier begangen. Nach der Andacht segnet ein Priester oder Diakon beim Gräberumgang die Gräber. Heuer kann das Fest wegen der Corona-Pandemie nicht in gewohnter Weise begangen werden. So haben sich z. B. für den Landkreis Traunstein die Landkreisdekane und der Landrat auf eine gemeinsame Linie verständigt. Vor dem Hintergrund, dass größere Menschenansammlungen auf engem Raum – auch unter freiem Himmel – immer ein potenzielles Ansteckungsund Verbreitungsrisiko darstellen, raten sie dringend zum Verzicht auf eine offizielle Gräbersegnung mit der gesamten Kirchengemeinde an Allerheiligen ab. Gegen einen Gottesdienst unter der Einhaltung der bisherigen Hygieneregelungen wie unter anderem der Maskenpflicht sei nichts einzuwenden. Gerade auf kleinen Friedhöfen werde es aber gar unmöglich sein, dass der erforderliche Mindestabstand der Gläubigen zwischen den Gräbern gewahrt wird. Die Segnung der Gräber soll daher ohne Beteiligung der Gläubigen stattfinden, so der gemeinsame Entschluss. Ähnliche Regelungen gibt es auch in den Nachbarlandkreisen.

Traditionell werden die Gräber zu Allerheiligen mit Gestecken, Kränzen oder bepflanzten Schalen besonders geschmückt und die vorhandenen Pflanzen mit Tannenzweigen abgedeckt. Die grünen Zweige symbolisieren einerseits die Hoffnung auf das ewige Leben und schützen andererseits die Grabbepflanzung vor Frost. Am Nachmittag von Allerheiligen oder an Allerseelen werden auf den Friedhöfen Grablichter, sogenannte Ewige Lichter, entzündet. Das Ewige Licht ist ein Symbol für die Gegenwart Gottes und soll gleichzeitig an den geliebten Menschen, auf dessen Grab es leuchtet, erinnern.

Vor allem im süddeutschen Raum und in Österreich hat ein spezielles Gebäck aus Hefeteig eine Jahrhunderte lange Tradition. Das Gebildebrot aus süßem Hefeteig ist in den verschiedenen Regionen unter dem Namen Allerheiligenstriezel, Allerheiligenwecken, Allerheiligenzopf oder Seelenzopf bekannt. Der Teig wird in der Form eines Zopfes aus drei oder mehr Strängen geflochten und mit Hagelzucker oder Streuseln verziert. Früher wurden die Seelenzöpfe an Kinder und Arme verschenkt, die sich mit »Vergelt's Gott für die armen Seelen« bedankten. Der Dankspruch ist eine kurze Fürbitte für die Toten. Auch heute noch ist es vielerorts in Bayern und Österreich Brauch, dass Tauf- oder Firmpaten ihren Patenkindern zu Allerheiligen einen Allerheiligenstriezel schenken.

Seit einigen Jahren hat der Feiertag Allerheiligen starke Konkurrenz aus den USA bekommen. Gruselig verkleidet ziehen Kinder an Halloween, dem Vorabend von Allerheiligen, durch die Straßen und bitten an den Haustüren um Süßigkeiten. Was viele als neumodischen Trend ansehen, ist tatsächlich eng mit dem christlichen Allerheiligenfest verbunden.

Der Name »Halloween« leitet sich von der englischen Bezeichnung für den Vorabend von Allerheiligen ab: »All Hallows' Eve« oder »All Hallows' Evening«. Daraus entwickelte sich im Lauf der Zeit Halloween.

Für den Ursprung von Halloween gibt es unterschiedliche Erklärungen, seine Wurzeln liegen sowohl in der heidnisch-keltischen als auch in der christlichen Tradition. Sicher ist jedoch, dass irische Einwanderer Halloween im 19. Jahrhundert in den USA einführten. Schon bald verbreitete sich das Fest auch außerhalb der irischen Bevölkerung und es entwickelten sich immer neue Bräuche und Traditionen zu Halloween.

Heute ist Halloween eines der wichtigsten Volksfeste in den USA und Kanada und wird auch in vielen anderen Teilen der Welt gefeiert. Dabei ist jedoch der ursprüngliche Hintergrund des Festes weitestgehend in Vergessenheit geraten und es ist stark von Kommerz und Konsum geprägt.

 

44/2020

Einstellungen