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Jahrgang 2004 Nummer 5

Alfred Brehm weckte Begeisterung für die Biologie

Der »Tiervater« kam vor 175 Jahren zur Welt

Die Büste von Alfred Edmund Brehm in der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf im thüringischen Saale-Holzland-Kreis. In dem kleinen

Die Büste von Alfred Edmund Brehm in der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf im thüringischen Saale-Holzland-Kreis. In dem kleinen Museum wird seit mehr als 50 Jahren die Erinnerung an das Leben und Wirken der Naturforscherfamilie Brehm aufrechterhalten. In Renthendorf lebte und wirkte der als »Vogelpastor« bekannt gewordene Christian Ludwig Brehm (1787-1864). Sein Sohn Alfred Edmund Brehm (1829-1884), dessen 175. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird, war als Autor von »Brehms Tierleben« international bekannt geworden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren seine leicht verständlichen Sätze in der Biologie revolutionär.
Ein präparierter Vogel ist der einzige Schmuck auf dem schlichten Schreibtisch des »Tiervaters« Alfred Edmund Brehm in der Brehm

Ein präparierter Vogel ist der einzige Schmuck auf dem schlichten Schreibtisch des »Tiervaters« Alfred Edmund Brehm in der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf im thüringischen Saale-Holzland-Kreis.
»Der Bär, das plumpeste und schwerste Raubthier Europas, ist wie die meisten seiner engeren Verwandten ein tölpelhafter und geistloser Gesell«, schreibt Naturforscher Alfred Edmund Brehm. »Er hat ein gerades, offenes Naturell ohne Tücke und Falsch. Was der Fuchs mit Klugheit, der Adler mit Schnelligkeit zu erreichen sucht, erstrebt er mit gerader offener Gewalt.« In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind solche leicht verständlichen Sätze in der Biologie revolutionär. Der am 2. Februar vor 175 Jahren in Thüringen geborene Brehm löst damit eine anhaltende Welle der Begeisterung für die Biologie aus.

»Kein Zweiter hat einen so großen Einfluss auf die Popularisierung der Zoologie gehabt wie Alfred Brehm«, sagt der Wissenschaftshistoriker Armin Geus. Er ist Leiter des »Biohistoricums«, eines Museums und Forschungsarchivs für die Geschichte der Biologie in Neuburg an der Donau. Das Hauptwerk des Autors, »Brehms Tierleben«, erscheint in allen Weltsprachen, in Deutschland kommen mehr als 200 Ausgaben heraus. In den heutigen Bänden stammt zwar kein Satz mehr von dem Naturforscher. Der Name Brehm hat sich im Segment Tier-Enzyklopädien aber fest etabliert.

Dem Motto des 1864 als »Illustriertes Thierleben« erstmals erschienen Werkes sind alle Überarbeitungen treu geblieben. »Er hat die Tiere in ihren Lebensräumen und Verhaltensweisen beschrieben, und das auf sehr verständliche Weise und mit großem literarischen Können«, sagt Geus. Werbung für die Naturkunde ist in seinen Augen »Tiervater« Brehms größter Verdienst.»Für die wissenschaftliche Forschung war die Bedeutung von Alfred Brehms Vater viel größer«, sagt der Leiter der Brehm-Gedenkstätte im thüringischen Renthendorf, Jörg Hitzing. Im ziegelroten Geburtshaus Alfred Brehms erklärt er mit Hilfe zahlreicher Bilder, Schriftstücke und ausgestopfter Tiere die Geschichte der Forscherfamilie. Vom »Vogelpastor« und Ornithologiepionier Christian Ludwig Brehm habe sich der Sohn die Begeisterung für die Natur abgeschaut, sagt Hitzing.

Nach der Volksschule lernt Brehm das Maurerhandwerk. Erst die zufällige Bekanntschaft mit einem württembergischen Baron während seines Architekturstudiums in Dresden bringt ihn zur Biologie. Als Begleiter des Adligen tritt Brehm 1847 eine fünfjährige Afrikareise an. Die Begeisterung für die Erforschung fremdländischer Fauna und Lebensgewohnheiten lässt ihn nie mehr los. Einige Kapitel seines Reiseberichts reicht Brehm später als Dissertation in Naturwissenschaften an der Universität Jena ein. Ein breiteres Publikum finden seine Artikel über Natur und ferne Länder in populären Zeitschriften wie »Die Gartenlaube«. Brehms Wissen imponiert einer Gruppe von Hamburger Investoren so sehr, dass sie ihn 1863 zum Direktor eines Zoologischen Gartens in der Hansestadt machen. In dieser Zeit beginnt Brehm mit der Arbeit am »Thierleben«. Drei Jahre später gründet er seinen eigenen Zoo, das Berliner »Aquarium«, das Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zeigt. Lange hält es den umtriebigen Naturforscher aber nie in der Enge der Stadt. Immer wieder bricht er zu Forschertouren auf, etwa nach Abessinien (Äthiopien), Sibirien, Ungarn und zuletzt ein Jahr vor seinem Tod 1884 auf eine Vortragsreise in die USA.

»Brehm hat sein Geld nicht etwa mit Büchern und Zeitschriftenartikeln gemacht, sondern mit Vorträgen, etwa über »Die Liebe und Ehe der Vögel«, sagt Brehm-Forscher Hitzing. »Er war ein Tiermaler in Worten.« Das freute Zuhörer und Leser, ging Wissenschaftlern aber oft zu weit. »Bernhard Grzimeks Bücher waren ein Neuaufguss von Brehms Tierleben«, sagt Wissenschaftshistoriker Geus. »Aber Grzimek hielt sich an die Fakten, während Brehm Tiere stark vermenschlichte.«

AS



5/2004