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Jahrgang 2007 Nummer 31

850 Jahre Stiftskirche Baumburg

Entstehung und Entwicklung des klösterlichen Lebens und Wirkens in Baumburg

Blick auf die Stiftskirche hinter dem Klosterweiher

Blick auf die Stiftskirche hinter dem Klosterweiher
Das ehemalige  Sommerschlösschen – Heute Wohnhaus der Familie Dietl.

Das ehemalige Sommerschlösschen – Heute Wohnhaus der Familie Dietl.
Postkarte aus dem Jahr 1909

Postkarte aus dem Jahr 1909
Auf einem lang gestreckten Bergrücken, der die von Süden heraufziehende Traun von der aus dem Chiemsee in Seebruck austretenden und dann nach Nordosten fließenden Alz bis kurz vor ihrer Vereinigung trennt, erhebt sich inmitten des leider nur bescheidenen Restes der ehemaligen Klostergebäude die Stiftskirche St. Margareta. So lautet die wohl am besten passende Lagebeschreibung der Stiftskirche zu Baumburg mit ihren zwiebelbekrönten Türmen innerhalb der noch vorhandenen Klostergebäude oberhalb des Ortes Altenmarkt an der Alz deren Dreifachjubiläum das ganze Jahr über Anlass gibt, zu feiern.

Früh- und Gründungsgeschichte

Eine erste geschichtliche Spur von Baumburg lässt sich zurückverfolgen bis 925, wo ein Edelmann Reginhart dem Erzbischof Adalbert II. von Salzburg auf einem Verhandlungstage zu Poumpurc Befügungen im nahen Linpintale an der Alz gegen Lehensgüter in Kärnthen vertauscht hat.

Es ist anzunehmen, dass es sich bei dem Edelmann Reginhart um ein Mitglied aus dem Geschlecht der Sighardinger gehandelt hat. Folglich geht man davon aus, dass diese als sogenannte Chiemgaugrafen ab dem frühen 10. Jahrhundert einen Sitz in Baumburg hatten.

In den sogenannten Traditionsnotizen ist verzeichnet, dass die Gründung einer Kirche vor 1023 durch Graf Sighard VII. (Sizo) und seiner Frau Judith (Tuta) den Ausgangspunkt für das spätere Augustiner-Chorherrenstift bildete. Geweiht wurde diese frühe Kirche dann zu Ehren der heiligen Margareta durch Erzbischof Hartwig von Salzburg am 12. Juli 1023.

Die eigentliche Gründungsgeschichte von Baumburg hängt eng mit der des Klosters von Berchtesgaden zusammen und begann 1085 mit dem Tod Markwards von Marquartstein, einem Mitglied der letzten Sighardingergeneration und dem ersten Mann der Gräfin Adelheid von Megling-Frontenhausen aus dem Geschlecht der Lechsgemünder, geboren um 1075.

Obgleich einer nur sehr kurzen und kinderlosen Ehe machte Graf Markward von Marquartstein seine Ehefrau Adelheid zur Alleinerbin seines Vermögens und seiner Besitztümer in Marquartstein. An seinem Sterbebett trug er ihr auf, die anscheinend misslungene Klostergründung seines Großvaters Sighard in Baumburg durch eine Neugründung endlich auf die Füße zu stellen. Adelheid ging nach dem Tod ihres zweiten Mannes noch eine dritte Ehe ein. Sie heiratete Graf Berengar I. von Sulzbach. Vor ihrem Ableben im Jahr 1105 erinnerte sie sich aber noch rechtzeitig ihres Gründungsauftrags und ließ den Grafen Berengar im Beisein von zwölf Rittern schwören, dass er in Baumburg ein Kloster errichten und sie dort begraben werde. Folglich tritt Berengar als eigentlicher Stifter auf.

Entwicklung des Klosters bis zum Ende des 15. Jahrhunderts

Die ersten Chorherren die sich dann in Baumburg niederließen waren diejenigen, die 1107 mit Probst Eberwin vom Augustiner-Chorherrenstift Rottenbuch im oberbayrischen Pfaffenwinkel über Berchtesgaden nach Baumburg kamen. Als erster Probst von Baumburg trat etwa um 1120 Probst Gottschalk sein Amt an.

Bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts regierten in Baumburg 20 Pröbste. Einer der hervorragendsten Pröbste in der ganzen Stiftsgeschichte ist der Probst Kaspar Ebenhauser ab 1436. Er wirkte nicht nur vehement dem Zerfall des Stiftes entgegen, sondern er reformierte es religiös und baute es wirtschaftlich aus. Unter ihm erhielt die Kirche eine spätgotische Ausstattung und die Klostergebäude wurden teils restauriert, teils sogar neu gebaut.

Niedergang und Zerfall des Stiftes im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert

Nicht nur, dass 1521 eine Pest ausgebrochen war, die Reformation hatte auch Süddeutschland erschüttert und die Klosterdisziplin gelockert. So wurde die protestantische Reformation nicht nur eine Kraftprobe, sondern tatsächlich eine Katastrophe für viele Klöster und Orden. Die Ordenszucht verfiel und viele Kanoniker verließen das Stift Baumburg, so dass dieses unter Administration gestellt werden musste. 1533 und 1539 brachen dann noch verheerende Brände aus die fast das ganze Kloster in Asche legten.

Der neue Verwalter war ab 1539 Stephan aus dem Geschlecht der Tobelhaimer. Neben dem teilweisen Wiederaufbau der abgebrannten Klosteranlagen bemühte er sich auch um seine Untergebenen, um die Pfarrei und um die zurückgebliebenen Chorherren. Um der Reformationslehre entgegen zu treten, sorgte er sich um tüchtige, ausgebildete Prediger und für die Chorherren ließ er 1564 neben dem Stift ein bis heute erhalten gebliebenes Sommerschlösschen bauen, welches ab dem 17. Jahrhundert als Sitz des Stiftsgerichts diente.

Zum Ende des 16. Jahrhunderts lebte nicht nur die Stiftsschule neu auf, es nahm auch die Anzahl der Kanoniker wieder zu.

Trotz der vom Klosterbau noch vorhandenen Schulden ließ der baufreudige Probst Joachim Vischer (1748 bis 1761) zum 600-jährigen Weihejubiläum der Stiftskirche diese von 1755 bis 1757 durch den Trostberger Baumeister Franz Alois Mayr fast von Grund auf neu errichten.

Erhalten blieben von der ursprünglichen, mittelalterlichen Kirche allein die beiden Türme, welche bereits im Rahmen eines Umbaus um 1637 die klassischen Zwiebelhauben erhielten. Die Deckengemälde im Inneren der Kirche fertigte unter anderem der böhmische Hofmaler Felix Anton Scheffler. Da der Umbau 1757 noch nicht ganz fertig war, wurde die Feier zusammen mit Papst Benedikt XIV. erst im Jahr 1758 abgehalten.

Die Säkularisation in Baumburg

Am 22. März 1803 kam der Traunsteiner Landrichter Cajetan Endorfer als kurfürstlicher Lokalkommissär nach Baumburg und teilte dem Konvent die Aufhebung des Augustiner- Chorherrenstiftes mit. Zu dieser Zeit befanden sich neben dem Probst nur noch vier Chorherren in Baumburg. Neben dem Lokalkommissär wurden auch sogenannte Administratoren bestellt, welche die Veräußerung der Gebäude und Gegenstände vornehmen sollten.

In folge der Auflösung des Klosters wurden bis 1812 die Stifts- und Wirtschaftsgebäude inklusive Vieh, Getreide, Geräte und Mobiliar und die zahlreichen Grundstücke sowie die Waldungen versteigert. Ab 1812 wurden die Konventgebäude abgerissen. Erhalten blieb der Gartentrakt, Teile der Wirtschaftsgebäude und die des ehemaligen Brauhauses.

Der erste Pfarrer in der neu organisierten Pfarrei Baumburg wurde 1807 der ehemalige Chorherr Albert Plasi. Die Feier zum 700-jährigen Bestehen der Stiftskirche 1857 fiel nicht annähernd so prächtig aus, wie noch die Feier vor 100 Jahren. Aufgrund der Umorganisation gingen die Einnahmen der Pfarrei stark zurück und an eine Renovierung war kaum zu denken. Erst 1909 wurde das ehemalige Konventgebäude zum Pfarrhof und die Sakristei, die vorher in der nördlichen Hl. Grabkapelle untergebracht war, in den jetzigen Raum verlegt. Einen Flügel im Südtrakt der Klosteranlage, in dem bisher die Pfarrwohnung untergebracht war, erwarben 1910 die Englischen Fräulein aus Altötting und nutzen denselben als ein Erholungsheim.

Baumburg heute

Fährt man heute durch den Torbogen in den Innenhof des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts, so ist das Bild ein ganz anderes als noch 1957 bei der 800-Jahrfeier. Es hat sich zwar nicht mehr vieles verändert, aber doch einiges. Aus dem ehemaligen Erholungsheim der Englischen Fräulein ist nach längerer Renovierung ein Seminarhotel geworden, dessen neuer Anbau inmitten des Klosterhofes hineinragt. Im vorigen Jahr wurden bei Grabungen die Mauerreste einer vermutlich sehr frühen, romanischen Kapelle gefunden worüber im Laufe der Jahre immer wieder Klostergebäude gebaut und wieder abgerissen wurden.

Infolge dieses Fundes beschloss man, den Klosterinnenhof zu sanieren und zu renovieren. In den noch erhaltenen, ehemaligen Wirtschaftsgebäuden rund um den Klosterhof befinden sich heute neben der Brauerei und dem zugehörigen Bräustüberl noch einige private Wohnungen sowie das Schützenheim der Schützengesellschaft Baumburg.

Im Anschluss an die Kirche ist noch der Rest des ehemaligen Konventgebäudes erhalten in dem sich neben der Sakristei auch das Pfarrbüro und die Pfarrwohnung befindet.

Katharina Schmid

Wer sich in Folge dieses kurzen Überblicks über die wechselvolle Geschichte Baumburgs genauer informieren möchte, dem empfiehlt sich für einen tiefen und wissenschaftlichen Einblick in Geschichte, Kultur und Wirtschaft die im Frühjahr erschiene Monographie zum Kloster Baumburg. Wem jedoch auch ein kurzer aber dennoch fundierter und für die große Allgemeinheit geschriebener Überblick genügt, der sei an das »Kleine Baumburg Buch« von Katharina Schmid, erschienen im Eigenverlag, verwiesen.

Dieses Büchlein, aus dem der obige Text auszugsweise mitsamt den Bildern stammt, ist erhältlich bei der Autorin, Tel. 08621-2466 in Altenmarkt, im Bräustüberl in Baumburg, in der Raiffeisenbank in Altenmarkt, bei Trachten Strohmayer und Mode Atelier Erl, ebenfalls beide in Altenmarkt. In der Buchhandlung Grütter in Traunreut, Buchhandlung Erdl in Trostberg und Schreibwaren Aigner, Trostberg-Schwarzau.

Katharina Schmid



31/2007