Jahrgang 2010 Nummer 27

75 Jahre Großglockner Hochalpenstraße

Eine der bekanntesten Attraktionen Österreichs feiert Jubiläum

Beim Fuscher Törl umgeht die Straße eine Bergspitze und gibt einen herrlichen Blick auf die Hochgebirgslandschaft frei.

Beim Fuscher Törl umgeht die Straße eine Bergspitze und gibt einen herrlichen Blick auf die Hochgebirgslandschaft frei.
Die Straße fügt sich hervorragend in die Landschaft ein.

Die Straße fügt sich hervorragend in die Landschaft ein.
Vom Glocknerhaus auf 2131 Meter Höhe hat man einen herrlichen Blick auf den Großglockner.

Vom Glocknerhaus auf 2131 Meter Höhe hat man einen herrlichen Blick auf den Großglockner.
Am 3. August sind es 75 Jahre her, dass die Großglockner Hochalpenstraße dem Verkehr übergeben wurde. Die höchste befestigte Passstraße Österreichs ist rund 50 Kilometer lang und verbindet die Bundesländer Salzburg und Kärnten. Mit 36 Kehren, 67 Brücken und einer maximalen Steigung von zwölf Prozent führt die Straße bis auf 2504 Meter Höhe und durchquert dabei alle außertropischen Klima- und Vegetationszonen. Mit 900 000 Besuchern pro Saison gehört die Großglockner Hochalpenstraße zu den meistbesuchten Attraktionen Österreichs.

Der Entschluss zum Bau der Straße wurde in einer für Österreich wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeit gefasst. Im Jahre 1929 lag die Zahl der Arbeitslosen bei 29 Prozent, nachdem der New Yorker Börsenkrach die bis dahin schlimmste Krise der Weltwirtschaft ausgelöst hatte. Das Großprojekt Großglocknerstraße sollte die Wirtschaft ankurbeln und mindestens dreitausend Männern Arbeit und Brot geben. Treibender Motor seiner Verwirklichung war der damalige Salzburger Landeshauptmann Franz Rehrl, dessen Initiative auch der Bau des Tauernkraftwerks von Kaprun zu verdanken ist.

Die technische Planung der Straße lag in den Händen des Bauingenieurs Franz Wallack, einem Spezialisten für Gebirgsstraßen und Bergbahnen. Der 37-jährige Techniker studierte bei einer fünfwöchigen Studienreise alle damaligen Passstraßen in der Schweiz und in Frankreich. Mit vielen Erkenntnissen über Straßenbeläge, Steigungen, Lawinengalerien und Gästebetreuung kehrte er zurück und machte sich an die Ausarbeitung am Reißbrett. Am 30. August 1930 wurde der Straßenbau mit den ersten Sprengschüssen in Ferleiten eröffnet.

Gigantische Bagger und Baumaschinen wie heute gab es damals noch nicht. Die meiste Arbeit musste mit Krampen (Pickel), Schaufel und Schubkarren erledigt werden. Aus dem ganzen Land meldeten sich Arbeitslose in Wallacks Baubüro in der Hoffnung, eingestellt zu werden. Wallack zahlte Spitzenlöhne – bis zum Dreifachen eines Volksschullehrers. Gefragt waren kräftige Muskeln und Leistungsfähigkeit, denn es wurde bei jedem Wetter gearbeitet, auch wenn einmal im Juni ein Schneestrum tobte. Kein Wunder, dass fünfzehn Arbeiter beim Bau der Straße den Tod gefunden haben. An sie erinnert eine Gedenkstätte beim Fuscher Törl in 2404 Meter Höhe.

Beim Einstich des Hochtortunnels fanden die Bauarbeiter im Gesteinsschutt eine Münze aus der Zeit Maria Theresias mit der Inschrift »In te domine speravi – Auf dich, o Herr, habe ich gehofft«. Dieses Psalmwort ließ Bauleiter Wallack über die Potale des Hochtortunnels einmeißeln. Erstaunlicherweise wurden auch Funde aus wesentlich älterer Zeit gemacht – an die zweihundert keltische und römische Münzen, ein Bronedolch, ein Bronzebeil und eine Lanzenspitze, eine Öllampe, eine 19 Zentimeter große Herkulesstatue und über ein Dutzend Bruchstücke antiker Statuen. Die Funde beweisen, dass Menschen schon sehr früh den Weg auf und über den Großglockner gezogen sind, damals unter wesentlich schwierigeren Bedingungen als heute.

Nach heutigem Geldwert kostete der Bau der Großglocknerstraße 71 Millionen Euro. Eine halbe Million weniger, als man veranschlagt hatte. Die Benutzungsgebühren für die Straße haben die Baukosten längst wieder hereingebracht. Derzeit beträgt die Mautgebühr für einen Pkw 28 Euro. Für den Sommer des heurigen Jubiläumsjahres rechnet man mit dem 600millionsten Besucher.

Julius Bittmann



27/2010