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Jahrgang 2008 Nummer 3

1708 erfand Johann Friedrich Böttger das europäische »Weiße Gold«

Das Meißner Porzellan wurde wenige Jahre später zum Exportschlager

Eine limitierte Gedenkmedaille zum ersten europäischen Porzellan liegt im sächsischen Meißen in der 1710 gegründeten Porzellan-M

Eine limitierte Gedenkmedaille zum ersten europäischen Porzellan liegt im sächsischen Meißen in der 1710 gegründeten Porzellan-Manufaktur. Die große Erfindung des Alchemisten Johann Friedrich Böttger zwei Jahre zuvor sollte sich für das sächsische Herrscherhaus als hoch einträglicher Exportartikel erweisen. Bis dato hatte man das »Weiße Gold« zu horrenden Preisen aus Asien einführen müssen.
In der Staatlichen Porzellanmanufaktur in Meißen präsentiert der Archivleiter Peter Braun die »Geburtsurkunde« des vor 300 Jahre

In der Staatlichen Porzellanmanufaktur in Meißen präsentiert der Archivleiter Peter Braun die »Geburtsurkunde« des vor 300 Jahren gebrannten ersten europäischen Porzellans.
Für eine große Erfindung wirkt die Ankündigung eher klein: »Optimal weiß und durchscheinend«, schrieb Alchemist Johann Friedrich Böttger vor 3 Jahren, im Januar 1708, in den Kasematten von Dresden in sein Versuchsprotokoll. Dabei hielt der damals 26-Jährige einen Stoff in der Hand, nach dem Europas Herrscher geradezu süchtig waren: Porzellan. Bis dato musste das »Weiße Gold« zu horrenden Preisen aus Asien importiert werden. Mit Böttgers Tat verringerten sich die Kosten und Handelswege. Wenige Jahre später war Meissener Porzellan zur Serienreife gelangt und ein Exportschlager Sachsens.

300 Jahre danach zeigt die Manufaktur mit den gekreuzten Schwertern als Markenzeichen im Rahmen einer Jubiläumswoche erstmals die »Geburtsurkunde« des europäischen Hartporzellans im Original. »Wir haben 299 Jahre darauf gewartet, um sie zu einem besonderen Anlass auszustellen«, begründet Vertriebschef Jochen Rothauge augenzwinkernd die lange Abstinenz. Archivleiter Peter Braun meint: »Damit hat alles begonnen, ohne dieses Papier gäbe es die Manufaktur nicht.«

Während das 1710 gegründete Unternehmen sein Jubiläum erst in zwei Jahren begeht, soll nun mit der eigentlichen Geburtsstunde des weißen Porzellans ein wenig vorgefeiert werden. 2007 hatten die Meißener das bereits mit dem sogenannten Böttgersteinzeug getan - dem schokoladenbraunen Vorgänger des weißen Porzellans. Um dessen Ursprung ganz nahe zu kommen, ließ man noch einmal die Bagger in Colditz graben. Von dort erhielt Böttger seinerzeit das Kaolin für seine Experimente. Jetzt liegt erneut ein Porzellan vor, wie es 1708 schon einmal aus dem Brennofen kam.

»Es hat noch nicht den Reinheitsgrad wie das spätere Porzellan und ist eher cremefarben«, schildert Rothauge. Schritt für Schritt habe Böttger die Rezeptur der Masse und die Technologie weiterentwickelt. Erst ab 1713 konnte Meißner Porzellan auf der Leipziger Messe zum Verkauf angeboten werden. Bei ihrer Gründung stellte die Manufaktur vorwiegend Böttgersteinzeug her. Zum 300. Geburtstag erscheinen limitierte Exponate nach altem Rezept. Auf Schloss Colditz erinnert eine Ausstellung an die Erfindung des europäischen Porzellans. Die Schau unter dem Titel »Der Weg zum Weißen Gold« soll bis Ende Oktober Liebhaber edlen Porzellans nach Sachsen locken.

Zum Jubiläum vergisst die Manufaktur andere »Väter des Porzellans« nicht. Peter Braun spricht von einer echten Teamleistung. »Das war eine Gemeinschaftsarbeit. Böttger gebührt das Verdienst, mit seinen Experimenten den praktischen Hauptanteil geliefert zu haben.« Dabei habe der Alchemist vor allem von theoretischen Vorleistungen des Universalgelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus profitiert. Zudem gehörten der Freiberger Bergrat Gottfried Pabst von Ohain sowie fachkundige Berg- und Hüttenleute dazu.

Jörg Schurig



3/20008