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Jahrgang 2016 Nummer 33

125 Jahre Franziskaner-Minoriten in Maria Eck

Am 15. 8. 1891 wurden die Minoriten als Wallfahrtsseelsorger eingeführt – Teil II

Die Mariengrotte und Waldkapelle.
Der gesamte Freialtar.
Die Schutzmantelmadonna.
Taufreialtar.
Gedenkstein der Trachtler.
Die Franziskusklause.

Die ersten 80 Jahre der Franziskaner-Minoriten in Maria Eck: 1896 ließen die Brüder zwischen Kloster und Ökonomiegebäude, an der Stelle des in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Brand vernichteten Verbindungstraktes, eine größere Hauskapelle errichten. Sie sollte den Klosterinsassen die Feier der Konventsgottesdienste ermöglichen und gleichzeitig die seelsorgerische Betreuung von Einzelpilgern, vor allem bei schlechtem Wetter, erleichtern.

Die Kapelle malte der Historienmaler Max Fürst, ein gebürtiger Traunsteiner, in den Jahren 1898 bis 1900 aus: In der Apsis: Christus mit Maria und Josef. Am Chorbogen fünf Medaillons: in der Mitte das Lamm Gottes, links und rechts davon die Heiligen des Minderbrüderordens, Franziskus und Klara, Bonaventura und Elisabeth von Thüringen. An den Seitenwänden bzw. der Rückwand wichtige Stationen aus dem Leben des hl. Antonius von Padua. An der Rückwand der Kapelle sind im oberen Teil zwei Medaillons mit den Bildnissen des hl. Josef von Cupertin und des sel. Bonaventura von Potenza, beide aus dem Minoritenorden.

An der Chorwand wurde eine Pieta aus dem 15. Jahrhundert und in neuerer Zeit ein Bronzerelief des hl. Maximilian Kolbe, ein polnischer Franziskaner-Minorit, angebracht.

Im September 1922 erhielt das Kloster Maria Eck die juristische Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Damit verbunden war auch die kirchliche Anerkennung als eigenständiges Kloster.

Das Kloster wünschte sich einen eigenen Friedhof. Es dauerte sechs Jahre lang, bis er im April 1919 bewilligt wurde. Inzwischen haben auf diesem Friedhof 20 Brüder ihre letzte Ruhe gefunden.

Das Provinzkapitel des Ordens beschloss 1924, das Noviziat für die Laienbrüder nach Maria Eck zu verlegen. Um Platz für die Ordenskandidaten zu schaffen, wurde an der Südseite des alten Klosters ein neuer Flügel angebaut. Am 27. April 1926 fand die Einweihung des Neubaus unter reger Anteilnahme des Klerus und der Bevölkerung statt.

Im Marianischen Jahr 1954 erlebte Maria Eck den Zustrom ungezählter Pilger, vor allem zu den Sühne- und Friedens-Feierstunden an den Herz- Mariä-Samstagabenden. Den Höhepunkt der Feiern bildete die Einweihung einer aus Kupfer getriebenen drei Meter hohen Madonna, die an der Vorderfront des Klosters Richtung Westen auf dem Dach aufgerichtet wurde.

Der eindrucksvollste Abend war der 3. September 1955, an dem die große »Pax-Christi«-Wallfahrt der Erzdiözese München-Freising begann. Die Eröffnung hatte Bischof Schröffer von Eichstätt, der Präsident des deutschen Zweiges der Pax-Christi-Bewegung, übernommen. Das Pontifikalamt zelebrierte Seine Eminenz Kardinal Wendel.

1961 wurde die Wallfahrtsstraße staubfrei neu gebaut

Am 22. Mai 1966 zelebrierte Kardinal Döpfner unter starker Anteilnahme der Chiemgaubevölkerung einen Gottesdienst anlässlich des Konzils.

1969 wurden am 31. Mai die neuaufgestellten Wallfahrtsbildstöcke (Darstellung der 15 Rosenkranzgeheimnisse) von Siegsdorf nach Maria Eck gebracht und durch Monsignore Roman Friesinger, Ruhpolding, eingeweiht.

Am 15. August 1971 waren es 80 Jahre, dass die Minoritenpatres in Maria Eck eingezogen waren. Weihbischof Neuhäusler zelebrierte den Festgottesdienst und gedachte gleichzeitig des 350-jährigen Bestehens der ehemaligen Propstei Maria Eck.

Der Bau des Freialtars und die Ausgestaltung dieses Gottesdienstortes

Schon vor dem Bau dieser Art Freiluftkapelle wurden auf diesem Areal im Osten vor dem Klostergebäude auf Höhe der Wallfahrtskirche bei großen Wallfahrten, wenn die Wallfahrtskirche die Gläubigen nicht fassen konnte an einem provisorisch errichteten Altar Gottesdienste gefeiert. Da auch an Sonntagen im Sommer bei schönem Wetter die Kirche für die Gottesdienstbesucher zu klein war, bestand die Notwendigkeit, auch im Freien eine Kapelle mit einem geweihten Altar zu errichten, an dem regelmäßig Gottesdienst gefeiert werden konnte.

Dies wurde im Jahre 1965 in die Tat umgesetzt. Unter der Leitung von Architekt Vinzenz Dufter aus Siegsdorf, der auch der Kirchenpfleger der Wallfahrtskirche war, wurde sie, wie wir sie auch noch heute vorfinden, gebaut. Der Grundriss des Altarbereichs einschließlich einer kleinen Sakristei beruht auf einem Dreieck, in Richtung Westen ist sie offen, die Altarnische öffnet sich so weit, dass sie den ganzen Sektor des Hügels erfasst und somit der Wallfahrergemeinde freien Einblick gewährt. Für die dicken Wände, für Altar, Ambo und Stufen wurde Inntaler Nagelfluh verwandt. Das Dachfaltwerk ist aus Stahlbeton, die Abdeckung Kupfer. Der Platz davor wurde später teilweise gepflastert und durch weitere radial angeordnete Sitzbänke vergrößert. Seitlich wurde ein schlichtes Eichenkreuz aufgestellt.

Zum Abschluss des zweiten Marianischen Jahres wurde am 15. August 1988 in der Freialtarkapelle eine von Carsten Lewerentz aus Staudach geschaffene Schutzmantelmadonna angebracht. In der Gestaltung hebt sie sich ab von der traditionellen Art: sie wird nicht stehend dargestellt, sondern sie hebt ein wenig das eine Knie, wie wenn sie gehen würde, auf ihrem Arm das Jesuskind, das mit ihr den Mantel über die Menschen, die sich unter ihrem Schutz niedergelassen haben, hält: franziskanische Heilige wie Franziskus und Maximilian Kolbe, Heilige des vergangenen Jahrhunderts: Edith Stein, P. Rupert Mayer und Franz Jägerstätter, und Wallfahrer, die nach Maria Eck kommen: Trachtler, Behinderte im Rollstuhl, Brautleute unter anderen.

Zum 100-Jahr-Jubiläum im Jahre 1991 wurde auf dem Freialtarareal anstelle des einfachen Holzkreuzes ein großes Stein-Taukreuz aufgestellt. Es ist ein Zeichen, das uns an Franziskus erinnert und uns Franziskanern zum wichtigen Erkennungszeichen geworden ist. Es geht zurück auf den Bibelvers im Buch Ezechiel 9,6, wo es heißt, dass die gerecht Gebliebenen zum Zeichen der Errettung mit dem Tau bezeichnet werden. Im Frühmittelalter war das Tau noch üblich als Form des Kreuzes. Innozenz III. hat auf dem IV. Laterankonzil 1215 über das Tau als Zeichen des Heils gepredigt. Franziskus hat diese Predigt gehört und verinnerlicht. Daraufhin hat er dieses Zeichen immer wieder als Segenszeichen verwendet, er hat unter anderem damit seine Briefe unterschrieben.

Die größten Wallfahrtsgruppen errichteten Gedenksteine auf dem Freialtargelände: Im Jahre 2000 der Gauverband I der Trachtler zur 50. Wallfahrt nach Maria Eck und 2009 die vereinigten Krieger- und Soldatenkameradschaften des Chiemgau und des Rupertigau.

Weiterer Ausbau und Gestaltung des Wallfahrts- und Klostergeländes zu Beginn dieses Jahrhunderts

Zunächst wurde zur Jahrtausendwende in der Fastenzeit im Jahre 2000 vor der Brunnenkapelle am Platz der jahrhundertealten, mehrstämmigen Linde, die altersschwach und morsch geworden war und deshalb gefällt werden musste, eine neue Linde gepflanzt.

Im Jahre 2004 wurde ein Aufzug neben der Wasserkapelle in direkter Nähe zur Wallfahrtskirche errichtet, der sehr gut frequentiert wird und immer größere Bedeutung erhält, weil ja bekanntlich in unserem Land das Durchschnittsalter in die Höhe geht.

Unter P. Leopold Mader wurde auf dem Weg zur Antoniuskapelle ein Franziskus-Wort-Weg errichtet, der einlädt, für seinen eigenen Lebensweg wichtige Worte des hl. Franziskus zu betrachten und zu verinnerlichen.

Es wurde der Mittereggstadl mit dem Weiher neu hergerichtet, um auf dieser Anhöhe mit einer besonderen Aussicht den Wallfahrern einen Platz zum Erholen und Ausruhen in Gottes freier Natur zu bieten.

2013 errichteten wir im Wald etwa 15 Minuten Gehweg vom Kloster entfernt in einer Lichtung eine Einsiedelei, ein Blockhaus mit zwei Zimmern, Gebetsraum und Wohnraum; sie wurde im November dieses Jahres unter der Beteiligung von vielen Gläubigen eingeweiht. Es wurde ihr der Name »Franziskusklause« gegeben. Sie soll den Einsamkeit Suchenden einen Rückzugsort geben, wo sie fern dem Trubel der modernen Welt in der Abgeschiedenheit des Waldes und in seiner unberührten Natur sich und Gott wieder näher kommen. Diese Klause ist inzwischen schon von vielen zur Stille und Neubesinnung genutzt worden.

Mit der gleichen Absicht wurde im Frühjahr 2015 im Wald an der Stelle, an der früher Kalk gebrannt wurde und eine Schutzhütte stand, eine Mariengrotte und eine Waldkapelle errichtet, um einen weiteren Ort der Stille und der Möglichkeit zum ungestörten Gebet anzubieten. Als besonderes Andachtsmotiv dient im Innern eine Darstellung, wie Franziskus in Greccio draußen im Wald Weihnachten feiert. Im Juni 2015 wurde sie von Weihbischof Wolfgang Bischof in einem Gottesdienst beim Stadlfest feierlich eingeweiht.

Nun wird zum diesjährigen 125-Jahr-Jubiläum auf der Wiese zwischen Kloster und Wallfahrtskirche ein Sonnengesangweg gestaltet, der beim Jubiläumsgottesdienst am 15. August dieses Jahres durch den Erzbischof von München Kardinal Reinhard Marx eingeweiht wird.


Pater Franz Endres


Teil I in den Chiemgau-Blättern Nr. 32 vom 6. 8. 2016

 

33/2016