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Jahrgang 2019 Nummer 9

Wildes Treiben in Tirol

Katja Duftner mischt in Priens Rathaus-Galerie Wolfgang von Pfaundlers »Fasnacht«-Fotos lustig auf

Roller und Scheller – fotografiert von Wolfgang von Pfaundler (Fotos: Hans Gärtner)
Kopfschmuck eines maskierten Spiegelläufers – darin gespiegelt: eine Partnerin.
Roller und …
… Scheller – Kostümfiguren aus dem Imster Fasnachtshaus.
Schleicherlaufen in Telfs – fotografiert von Wolfgang von Pfaundler.
Der »Zotter« – eine Fantasiefigur von Katja Duftner.
Der »Bajatzl« – eine Fantasiefigur von Katja Duftner.
Das »Schnappviech« – ein Fantasiegeflügel von Katja Duftner.
Der »Giggerl« – ein Fantasiehahn von Katja Duftner.
»Aufbrezln« – eine Fantasie-Szene von Katja Duftner.

So verdienstvoll Professor Wolfgang von Pfaundlers Tiroler »Fasnacht «-Fotos von 1960 bis 1980 auch sein mögen – sie haben mehr dokumentarischen, denn das aktuelle Thema »Fasching« belebenden Wert. Es dürfte nicht wenige geben, die sich an den bedeutenden Innsbrucker Volkskundler erinnern, der nun mit Fotos in der Priener Galerie im Alten Rathaus gastiert. Durch viele Südtirol-Bücher wurde Wolfgang von Pfaundler bekannt. Er galt als patriotisch gesinnter, dennoch weltoffener Gelehrter und hatte sich mehrfach vehement für die »Sache Südtirol« begeistert und öffentlich eingesetzt. Er war zu jahrelanger Haftstrafe verurteilt und mit drei weiteren Unabhängigkeits-Aktivisten 1998 begnadigt worden. 2015 starb von Pfaundler im Alter von 91 Jahren. Seiner Überzeugung, Film und Fotografie taugten unangefochten zur Erfassung der Realität, blieb von Pfaundler unbeirrbar treu: »Mit der Kamera habe ich gesehen und war ein Teil des Geschehens«.

Davon legen die für die Ausstellung »MaskenMenschen« nach Prien geholten, fotografischen Beispiele beredt Zeugnis ab. Das von Wolfgang von Pfaundler oft bearbeitete Thema »Fasnacht« hätte es verdient, auch textlich erläutert zu werden. Was hatte es mit dem Nassereither Bärenkampf, dem Axamer Wampel(er)reiten, den Mullerlaufer Spiegeltuxern, den Telfser Schleichern oder den Imster Schellern auf sich? Gibt es die von Wolfgang von Pfaundler (vor)bildlich dokumentierten Fasnacht-Bräuche noch? Modernisierten oder erübrigten sie sich inzwischen? Was war denn so ein »Egelmann«, so ein »Altfrankspritzer« – maskierte und verkleidete Typen, die von Pfaundler vor 20 und 50 Jahren in Tramin und Imst mit der Kamera festhielt? Mancher Fasnacht-Brauch des südlichen Nachbarländchens, etwa das in Telfs üblich gewesene »Naz-Eingraben« (wohl auf den Namen Ignaz ausgerichtet), hat durchaus Parallelen in Altbayern. Auf so etwas hätte man beispielhaft in der Ausstellung wenigstens mit kurzen Text-Hinweisen eingehen müssen.

So kommt man nicht umhin, die zweifellos unterhaltsame Schau allein als Forum für die Arbeiten der Alpbacher Malerin Katja Duftner, Jahrgang 1966, anzusehen, die ein Faible für Wolfgang von Pfaundler hatte. Ihre bis zur Groteske vorgetriebenen, fantastischen Darstellungen maskierter, tanzender, märchenhafter und oft zu Tieren mutierter Gestalten nehmen in dem wilden Treiben Anleihen einesteils bei der Commedia dell‘ Arte und anderenteils bei den Surrealisten Max Ernst oder Salvador Dali. Sie mischen von Pfaundlers eher witzlose Fotos verspielt auf.

Der »Giggeler« von 2018 hat schon seit dem zweiten Priener Ausstellungstag den roten Punkt für »verkauft« aufgeklebt bekommen. Das 30 mal 30 cm große Aquarell auf Papier mit dem verschmitzt blickenden feuerflammenden Hahn im bunt geschuppten Oberteil und der gelben Menschenhand gehört zu den Kleinformaten der Tiroler Künstlerin, die für ihre mit Ölfarben, Graphit und Farbstiften erstellten Kreationen gern Großformate benutzt. Beispiele: der wunderliche »Zotter«, Ausmaße: 140 mal 120 cm, die hintersinnige Öl-auf-Leinwand-Szene »Aufbrezeln« von 2007 und das 11 Jahre später geschaffene, einprägsame »Schnappviech«, dem man lieber nicht begegnen würde, so scharf fletscht es die Zähne, so stechend richtet es den unbeweglichen Blick aus seinem Zyklopen-Auge von der Seite auf den Betrachter.

Katja Duftners köstliches »Schnappviech«, vor allem ihr heimtückischer »Bajatzl« mit den fliegenden Schellen, der Spaßmacher- Narrenkappe, eine erst vor kurzem entstandene Arbeit in Öl auf Leinwand, 140 mal 100 cm groß, treffen sich am besten mit Wolfgang von Pfaundlers zotteligen und struppigen Kerlen, von denen einige als monströse Kostümfiguren – allesamt Leihgaben aus dem Imster Fasnachtshaus – den Ausstellungsbesucher nicht nur überraschen, sondern vielleicht gar erschrecken.

»Bajatzl« entstand vor wenigen Wochen und ist damit die jüngste Arbeit nicht nur der Malerin Katja Duftner, sondern auch der Ausstellung

»MaskenMenschen« in Prien. Die Ausstellung »MaskenMenschen« in der Priener Galerie im Alten Rathaus ist bis 31. März täglich außer Montag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

 

Hans Gärtner

 

9/2019