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Jahrgang 2019 Nummer 5

Mit Mariä Lichtmess endet die Weihnachtszeit

In katholischen Kirchen werden Kerzen geweiht – Dienstboten wechselten an diesem Tag

Karg und hart war das Leben der Knechte und Mägde. Für das Dienstvolk begann nach Lichtmess wieder der harte Alltag. Manche blieben bei ihren Dienstherrn, andere mussten eine neue Arbeitsstelle suchen.

Bald grinsen einen in den Supermarktregalen die ersten Schokohasen an, doch im Kirchenkalender endet die Weihnachtszeit erst jetzt. Mit dem »Fest der Darstellung des Herrn«, auch Mariä Lichtmess genannt, ist am heutigen Samstag Weihnachten endgültig vorbei.

Katholische Christen begehen den Lichtmess-Tag mit feierlichen Gottesdiensten, vielerorts auch mit Kerzenweihen und Prozessionen.

Einst war Lichtmess auch in der Landwirtschaft ein wichtiger Tag. Dann wechselten die Dienstboten ihren Arbeitgeber. Im Königreich Bayern war der 2. Februar bis 1912 gesetzlicher Feiertag.

Das »Fest der Darstellung des Herrn« erinnert an die Darbringung Jesu im Tempel. Darstellen meint nicht abbilden, sondern vorzeigen. Im Alten Testament galt eine Frau nach der Geburt eines Sohnes 40 Tage lang als unrein und musste sich im Tempel einer kultischen Reinigung unterziehen. Der Erstgeborene war bis dahin das Eigentum Gottes und musste mit einem Opfer ausgelöst werden. Auch Maria und Josef zeigten Jesus im Tempel vor. Der greise Simeon erkannte Jesus als Sohn Gottes und nannte ihn »Messias des Herrn« und »ein Licht, das die Heiden erleuchtet«.

Lichterprozessionen gab es bereits im ersten Jahrtausend nach Christus, womöglich angelehnt an Prozessionen in vorchristlicher Zeit. Daraus entwickelte sich der Brauch, an diesem Tag die für das kommende Jahr benötigten Kerzen zu weihen. Wegen seines Bezugs zu Weihnachten gilt Lichtmess auch als Abschluss der Weihnachtszeit. In manchen Kirchen, aber auch noch in dem einen oder anderen Bauernhof, wird der Christbaum deshalb erst an diesem Tag weggebracht.

Lichtmess war einst für die Dienstboten, Bauernmägde und die Knechte der Tag des Abschiednehmens vom Dienstherrn. Es gab den Lohn fürs ganze Jahr, der auf Märkten teils gleich wieder ausgegeben wurde. Danach suchte sich das Personal eine neue Stelle – oder verlängerte um ein weiteres Jahr die Anstellung beim selben Bauern, was per Handschlag besiegelt wurde. Im Volksmund heißt Lichtmess deshalb auch Schlenkltag – die Mägde und Stallknechte schlenkelten, das heißt wechselten.

Mit Mariä Lichtmess sind seit jeher auch Wetterregeln verbunden: »Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit«, heißt etwa eine alte Bauernregel. Oder: »Ist's an Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein.«

Paul Winterer

5/2019