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Jahrgang 2019 Nummer 23

Marianne Hoppe wäre heuer 110 Jahre alt geworden

Die weltberühmte Schauspielerin lebte fast 70 Jahre im Chiemgau

Marianne Hoppe und Gustaf Gründgens auf einem Filmplakat zum Film »Capriolen« 1937, in dem Gründgens auch Regie führte. (Repros: Christiane Giesen)
Marianne Hoppe als Elektra und Gustaf Gründgens als Orest 1947/48 in »Die Fliegen« von Jean Paul Sartre im Düsseldorfer Neuen Theater.
Marianne Hoppe auf einer Zeichnung von Walter Angerer dem Jüngeren, um 1995 entstanden, in schwarzer Kreide, leicht weiß gehöht auf getöntem Büttenpapier.
Marianne Hoppe als Antoine im Stück »Der Auftrag« von Heiner Müller in den Jahren 1995/1996.

Marianne Hoppe, unbestritten eine der größten deutschen Schauspielerinnen, die über 50 Jahre lang auf dem Scharam bei Siegsdorf lebte, wäre am 26. April diesen Jahres 110 Jahre alt geworden.

Die große alte Dame des deutschen Theaters hatte schon früh enge Beziehungen zum Chiemgau, zog sie doch nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1947 zu Freunden auf den Scharam und kaufte später hier ein Haus, das sie, abgesehen von auswärtigen Engagements, immer wieder bewohnte. Hier wollte sie ihrem Sohn Benedikt Johann Percy nach dem Krieg ein festes Zuhause schaffen, während sie selbst ihren Schauspielverpflichtungen an vielen Orten nachkam.

Ihre enge Verbundenheit mit dieser Gegend zeigt sich auch darin, dass sie im Rahmen der Traunsteiner »Sommerkonzerte« mehrmals mit Rezitationen auftrat. Es gibt viele Filme, Bücher und andere Veröffentlichungen über sie, zum Beispiel der Film »Die Königin« von Werner Schröter – ein Porträt über Marianne Hoppe und zugleich eine Hommage an eine der faszinierendsten deutschen Schauspielerinnen. Für den »geglückten Versuch, eine Verbindung zwischen Bühne und Film herzustellen, in beides einzutauchen und zu reflektieren«, wie es in der Begründung heißt, wurde der Film mit dem ARTE-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschen Dokumentarfilm ausgezeichnet. Nachdem der Film zuerst nur in großen deutschen Städten zu sehen war, regte die damalige Kulturreferentin der Stadt Traunstein, Sigrid Ackermann, an, »Die Königin« auch nach Traunstein zu holen, wo Marianne Hoppe immer viele Freunde und eine große Fan-Gemeinde hatte.

Kindheit als »richtiges Landkind«

Marianne Stefanie Henriette Paula Hoppe wurde am 26. April 1909 in Rostock als Tochter eines mecklenburgischen Gutsbesitzers geboren. Sie wuchs als »richtiges Landkind« auf, wie sie einmal erzählte, auf Gut Felsenhagen in der Mark Brandenburg und erhielt zunächst Privatunterricht. Dann besuchte sie zwei Jahre ein Internat, das Königin-Luise-Stift in Berlin, und anschließend die Handelsschule in Weimar.

Ihre Liebe zum Theater weckte allem Anschein nach ihr Vater, der ein großer Shakespeare-Verehrer war und sie ab und zu ins Theater nach Weimar mitnahm. Als 17-Jährige bewarb sie sich an der Schauspielschule von Max Reinhardt in Berlin und nahm daneben noch Privatunterricht bei Lucie Höflich. Ihre Aufnahme an der Max-Reinhardt-Schule wäre allerdings beinahe nichts geworden.

In einem Interview 1987 mit dem Traunsteiner Tagblatt (damals noch Wochenblatt) erzählte sie der Autorin dieses Artikels »... ich verpasste den korrekten Termin für die obligatorische Aufnahmeprüfung. Man wollte mich schon wieder wegschicken, als man mich doch – ich weiß bis heute nicht aus welchem Grunde – am nächsten Tag alleine vorsprechen ließ. Ich wurde aufgenommen, und so begann meine Laufbahn. Ich zweifelte nie daran, dass die Schauspielerei meine Bestimmung ist«.

1928 debütierte Marianne Hoppe mit einer kleinen Rolle an der Bühne der Jugend in Berlin und gehörte anschließend bis 1930 dem Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin an, wo man sie unter anderem als Page in Shakespeares »Romeo und Julia« sehen konnte. Nach zwei Jahren am »Neuen Theater«, wo sie fast 50 Hauptrollen spielte, wechselte Hoppe 1932 an die Kammerspiele in München, die damals von Otto Falckenberg geleitet wurden. 1933 kehrte sie nach Berlin zurück und war dort bis 1945 eine der beliebtesten Schauspielerinnen des Hauses.

Durchbruch zum Film

In dieser Zeit begann sie auch Filme zu drehen, wobei ihr der Durchbruch 1934 mit dem Film »Mädchen in Uniform« gelang. Es begann eine steile Filmkarriere, obwohl sie auch weiterhin Theater spielte. Zu ihren Lieblingsfilmen und großen Erfolgen in der Zeit zählen die Verfilmung von Fontanes Roman »Effie Briest« in »Der Schritt vom Wege« und »Romanze in Moll«. Nach ihrer Einstellung zum Film befragt, sagte Marianne Hoppe einmal, dass sie später zwar sehr gerne in Filmen spielte, zu Beginn ihrer Schauspiellaufbahn aber nur Theater spielen wollte und auch kein Fernseh- oder Filmengagement angenommen hätte. »Heute gibt es bei den jungen Schauspielern wirklich vielversprechenden Nachwuchs, aber gegenüber allzu frühen Fernsehangeboten bin ich misstrauisch. Die Verführung ist da recht groß, dass zwar leichter mehr Geld verdient wird, aber für die persönliche schauspielerische Entwicklung ist das eine Gefahr«, erklärte sie im oben zitierten Interview.

Zehn Jahre lang, bis 1946 war Marianne Hoppe mit dem Schauspieler und Regisseur Gustaf Gründgens (1899 bis 1963) verheiratet, dem sie auch nach der Scheidung verbunden blieb. Unter seiner Regie spielte sie eine Reihe großer Theaterrollen, zum Beispiel die Titelrollen in Lessings »Emilia Galotti« oder Bernard Shaws »Frau Warrens Gewerbe«.

Ihr erstes Engagement nach dem Krieg war 1947 in Düsseldorf bei Gustaf Gründgens mit dem Stück »Fliegen« von Jean Paul Sartre. Danach trat sie noch häufig am Schauspielhaus in Düsseldorf auf, war am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert und häufig zu Gast in Berlin. Es ist nicht möglich, hier auch nur einen Bruchteil ihrer vielen Rollen in klassischen ebenso wie modernen Stücken aufzuzählen. Mit großem Erfolg spielte sie 1974 zum Beispiel die Hauptrolle bei der Berliner Erstaufführung von Thomas Bernhards neuem Stück »Die Jagdgesellschaft«, oder 1975 die Mutter in Tankred Dorsts Komödie »Chimborzo«. Wichtige Bühnenrollen hatte sie unter Regisseuren wie Claus Peymann, Heiner Müller und Bob Wilson.

In Filmen war Marianne Hoppe nach dem Krieg nur noch selten zu sehen, dafür häufiger im Fernsehen. Ihr erster Fernsehfilm war 1961 »Fast ein Poet«. Neben großen klassischen Rollen im Fernsehen spielte sie auch in Krimiserien wie »Der Kommissar« oder »Der Alte«, und 1989 erhielt sie den Bayerischen Fernsehpreis für die Titelrolle in dem ZDF-Fernsehspiel »Bei Thea«. In späteren Jahren war Marianne Hoppe immer wieder mit Lesungen in verschiedenen Theatern zu Gast.

Im Laufe ihres Lebens bekam sie eine Vielzahl ehrenvoller Auszeichnungen, 1987 und 1989 zum Beispiel den Bayerischen Filmpreis, 1996 den »Ehren-Leopard« für ihr Lebenswerk und 1999, wie schon 1983, den Adolf-Grimme-Preis. Seit 1965 war Marianne Hoppe überdies Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

Die Grande Dame des deutschen Films starb am 23. Oktober 2002 im Alter von 93 Jahren in einem Seniorenheim in Siegsdorf. Auf dem dortigen Friedhof ist sie auch begraben.

Viele wichtige Stationen dieses Lebenswegs sind auch in Schröters Film zu sehen. Dabei vermischt sich Persönliches mit Kulturgeschichte, besonders im Bericht über die Ehe mit Gustaf Gründgens während der NS-Zeit. Sehr lesenswert ist auch die 2001 erschienene Biographie »Marianne Hoppe. Ein Schritt vom Wege« von Petra Kohse im Ullstein-Verlag, wo die berufliche Entwicklung Hoppes vor dem theater- und filmgeschichtlichen Hintergrund gezeigt wird.

In 2016 kaufte das Deutsche Theatermuseum in München mit Unterstützung der »Kulturstiftung der Länder«, der »Deutschen Forschungsgemeinschaft« und dem Freistaat Bayern den Nachlass der Schauspielerin von ihrem Sohn. »Neben persönlichen Aufzeichnungen und zahlreichen Dokumenten ergänzen Arbeitsmanuskripte sowie über 1000 Briefe und mehr als 1500 Fotografien das Konvolut zu einem Schatz deutscher Theater- und Filmgeschichte«, heißt es auf der Website der »Kulturstiftung der Länder«.

 

 

Quellen:

Wikipedia

»Marianne Hoppe – Erst Schönheit, dann Klugheit und dann das helle saubere Herz« von Birgit Pargner, herausgegeben vom Deutschen Theatermuseum, 2010.

 

22/2019