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Jahrgang 2019 Nummer 6

Im Winter wurde das Holz ins Tal gebracht

Holzknecht und Pferde arbeiteten »Hand in Hand«

Holzfällung im Sommer.
Fachgerechtes Beladen. (Bilder: Werner Bauregger)
Mühsames Ziehen in Flachstücken.
Ziachschlitten mit Ketten, Eisenwerk und Sapin.

Bis Lastwagen zum Holztransport aus den Bergwaldgebieten des Alpenvorlandes geerntetes Holz auf gut ausgebauten Forststraßen auch im Sommer ins Tal und zu den Sägwerken transportieren konnten, wurde diese Arbeit vornehmlich durch Holzknechte und Holzrücker mit Pferden im Winter erledigt.

Holzknechte, ihre modernen Nachfolger, die »Forstwirte«, aus dem Forstrevier Siegsdorf der Bayerischen Staatsforste und ein Holzrücker, führten am vergangenen Wochenende, in einem eindrucksvoll nachgestellten Winterzug vor, wie diese Winterarbeit abgelaufen ist. Ein Letzter dieser Art fand offenbar 1963 statt. Dabei sollen hier der Ablauf und die Besonderheiten eines Winterzuges in diesem Revier von der Nordseite des Sulzbergs, den Teisenberg oder dem Zinnkopf behandelt werden, über den die zwei »alten Hasen« Hans Dufter und Franz Klapfenberger sowie ihre beiden jüngeren Nachfolger, Reinhard Albrecht und Georg Dufter, und der Holzrücker Max Mitterer jun. vom Wolfsberg interessant und detailliert berichteten.

Ausgangspunkt für den Winterzug war die Blaserhütte in Hammer, die zu einem wichtigen Netz von Unterkunftshütten in den Waldgebieten gehörte. Die im Jahr 1903 gebaute Blaserhütte war eine sogenannte Loatstubn, zu der ein Stall für die Pferde, und ein Unterkunftsraum mit Holzofen gehörte. In diesem konnten sich die Holzknechte, die Holzrücker, auch Rosserer genannt, mit ihren Pferden aufwärmen, oder die Kulturarbeiter kochen und die nasse Kleidung, die Schuhe oder die Pferdedecken trocknen. Ihr Schlafplatz war der sogenannte »Pongrat« im Obergeschoß. Durch die Nähe zu Hammer, war es offenbar auch üblich, dass einige Holzknechte oder Rosserer zuhause übernachteten.

Üblich war es, Bäume im Sommer zu fällen und in den Waldgebieten zu lagern (gantern). Zu den Ganterplätzen wurden die meist 4,50 Meter langen Stämme entweder mit Pferden gerückt, oder über eine aus Holzstämmen gebaute Loite, eine Art Rutschbahn, gleiten gelassen.

Die Rosserer arbeiteten entweder im Auftrag der Holzknechte im Akkord oder die Holzknechte liehen sich Pferde aus. Regelmäßig eingesetzte Holzrücker waren etwa der Mitterer vom Wolfsberg, der Holzner und Schnoata vom Riedl, der Freimosser von St. Johann oder der Klapfenberger von Hörgering. Franz Klapfenberger, der beim aktuellen Winterzug auch noch tatkräftig unterstützte und mitarbeitete, machte diese Arbeit, wie auch sein Vater, sein Groß- und Urgroßvater mehrere Jahrzehnte.

So ein Pferd musste und muss für diese spezielle Arbeit angelernt werden. Zudem darf es nicht schreckhaft sein und muss, wie Max Mitterer sagte, heutzutage auch aushalten, wenn unter oder neben ihm eine Motorsäge zum Einsatz kommt. Meistens arbeiteten eine »Pass« Holzknecht und ein Rosserer zusammen.

Zur Vorbereitung eines Winterzuges gehörte auch, wenn große Schneemengen lagen, die Ziachwege bis zu den Holzgantern oft tagelang freizuschaufeln. Dafür gab es dann einen höheren Akkordlohn, oder wie bei einem Einsatz Dufters im Spitzingsee-Gebiet, einen Zeitlohn. Dazu gehörte aber dann auch die Pflege der Ziachbahn. Um eine möglichst gute Unterlage zu bekommen, wurde diese vor dem eigentlichen Zug auch »angebahnt«.

Wie Hans Dufter erzählte, brachen die Holzknechte mit ihren Ziachschlitten, die sie selber zum Ganterplatz ziehen mussten und die Pferde von der Blaserhütte um 6 Uhr morgens auf. Die längste Ziachstrecke in Siegsdorf war nach seinen Angaben etwa 5 km lang. Hier musste man schon um 5 Uhr aufbrechen, um täglich zwei Talfahrten bewältigen zu können. Dazu musste aber alles glatt gehen und es durfte nichts »fuxen«, wie der Hans sagte.

Immer wieder kam es aber auch vor, dass etwa der Holzstiel der Bremstatzen am Ziachschlitten oder Teile des Schlittens selber brachen, Kettenglieder auseinanderrissen und Mähnhaken (Befestigungshaken aus Eisen, die ins Holz geschlagen wurden) brachen. Passierte dies während der Talfahrt, kam es zu schweren Unfällen etwa mit Knochenbrüchen. Im schlimmsten Fall kamen Holzknechte sogar zu Tode, was auf vielen Marterln in den Wäldern immer wieder dokumentiert ist.

Am Ganterplatz angekommen, wurden die Schlitten fachgerecht beladen und die Fuhre mit Eisenketten und Eisenkegeln fixiert. Je nach Situation, kam unter die Fuhre auch eine Eisenkette als »Umschlag«, der Bremswirkung hatte. Ab und zu wurden vier Meter lange Stämme hinten als »Anhäng« nachgezogen. War alles fertig, fuhren die Schlitten und Pferdefuhrwerke nacheinander ins Tal. Befördert wurden auf den Ziachschlitten etwa 3,5 Festmeter und auf den Pferdeschlitten etwa 4,5 Kubikmeter Holz.

Wie Franz Klapfenberger erzählte, bestand die Besonderheit in diesem Revier darin, dass es viele, teils lange Flachstücke in den Ziachwegen gab und die Fuhren immer wieder durch Anschieben und »Beißen« mit den Sapin (Handwerkszeug mit gebogener Eisenspitze am vorderen Schaft) in Gang gesetzt werden mussten. Zufrieden konnte man erst sein, wenn der Schlitten am Ganterplatz im Tal angekommen war.

Eine wichtige Rolle nahmen in dieser Zeitaera auch der Schmied und der Wagner ein. Eine Schmied gab es in Molperting, den Ortner Friedl und die Hörterer Schmiede in Hammer, in der auch drei wassergetriebene Schmiedehämmer vorhanden waren. Sie mussten, möglichst gleich, Ketten, Haken, Schlittenbeschläge oder Brüche an Pferdegeschirren richten oder die Sapin wieder spitzen. Die Wagner wie der Dufter Fritz und der Dufter Alfons in Hammer waren gefragt, wenn Holzteile der Schlitten oder Werkzeugstiele beschädigt oder gebrochen waren.

Wie sich die »Manpower« verändert hat, zeigt deutlich, dass noch 1985, allein zum Revier Siegsdorf 78 Mitarbeiter gehörten und jetzt für das Gebiet der Bayerischen Staatsforste Berchtesgaden, mit einer dreimal so großen Fläche, nur noch 29 Forstwirte angestellt sind. Holzrücker werden nur noch marginal gebraucht. Wie Max Mitterer sagte, gibt es pro Jahr nur noch wenige Tage Arbeit mit dem Pferd und nur noch in speziellen Schutzgebieten.

 

Werner Bauregger

 

6/2019