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Jahrgang 2011 Nummer 19

Hauptmann Oskar Ritter von Niedermayer

Ein Königl. Bayer. Artillerieoffizier auf geheimer Mission in Afghanistan

Die deutsche Mission am Hof des Emirs in Kabul. Sitzend von rechts: Oberleutnant Voigt, Legationssekretär Werner Otto von Hentig

Die deutsche Mission am Hof des Emirs in Kabul. Sitzend von rechts: Oberleutnant Voigt, Legationssekretär Werner Otto von Hentig, Hauptmann Oskar von Niedermayer, Kapitänleutnant Wagner, Hauptmann Schreiner.
Der königl. bayer. Artilleriehauptmann Oskar von Niedermayer auf dem Marsch nach Afghanistan. Rechts verkleidet als Hadschi Mir

Der königl. bayer. Artilleriehauptmann Oskar von Niedermayer auf dem Marsch nach Afghanistan. Rechts verkleidet als Hadschi Mirsa Hussein auf der Flucht durch Persien.
Anders als die afghanische Armee waren die Stammeskrieger der paschtunischen Bergstämme eine wilde gefürchtete Truppe, die den E

Anders als die afghanische Armee waren die Stammeskrieger der paschtunischen Bergstämme eine wilde gefürchtete Truppe, die den Engländern katastrophale Niederlagen bescherte.
Im Morgengrauen des 1. September 1916 schleppt sich in der westpersischen Stadt Hamadan ein Bettler durch das Tor der Karawanserei, in der sich das Hauptquartier der türkischen Armee befindet. Er gibt sich als Hadschi Mirsa Hussein aus. Er ist verwundet. Der linke Arm gebrochen, am Kopf schwere Platzwunden. »Ein wenig sanfter Willkommensgruß durch den Gewehrkolben eines kräftigen anatolischen Infanteristen«, wird er später in seinen Erinnerungen schreiben. Die Elendsgestalt verlangt General Ali Ihsan Bey zu sprechen. Er wird vorgelassen, nimmt militärische Haltung an und stellt sich vor: Oskar von Niedermayer, Hauptmann des 10. Königlich Bayerischen Feldartillerieregiments.

Die Episode erinnert an die Szene in Sam Spiegels Wüstenepos »Lawrence von Arabien«, als sich der halb verdurstete Lawrence, von Peter O’Toole meisterhaft gespielt, bei seiner Etappe in Suez zurückmeldet. Was sich 1916 in Hamadan ereignete war aber kein Hollywoodfilm. Es war das Ende eines eineinhalb Jahre dauernden Abenteuers, das zu den bizarrsten militärischen Operationen der Kaiserlichen Deutschen Armee im I. Weltkrieg zählt.

Oskar von Niedermayer kam 1885 im bayerischen Freising zur Welt und begann seine militärische Laufbahn bei der Artillerie. Als junger Offizier wurde er für das Studium der Geografie und Geologie freigestellt. 1912 unternahm er eine zweijährige Forschungsreise nach Persien und Indien. Die ersten Kriegswochen kämpft er an der Westfront, bis man sich im Großen Generalstab an den »Orient-Experten« erinnert. Der junge Offizier, groß gewachsen, von athletischer Statur, wird zu einer geheimnisvollen Militärmission abkommandiert.

Die Orientpolitik des Deutschen Kaiserreiches vor 1914

Schon Jahre vor dem I. Weltkrieg war die deutsche Orientpolitik darauf ausgerichtet, Englands Position in Indien zu schwächen. Mit Emir Habibullah Chan, dem Herrscher Afghanistans, hoffte man einen Bundesgenossen gewinnen zu können. So entstand der Plan eine Delegation, ausgestattet mit allerhöchsten Vollmachten ihrer Majestät Kaiser Wilhelm II. nach Afghanistan zu senden. Ziel der Mission sollte es sein Afghanistan zum Krieg gegen Britisch-Indien zu bewegen. Der kaiserliche Generalstab traute dem kriegerischen Volk einiges zu.

Bereits im Jahr 1842 hatten die Afghanen die englische Armee vernichtend geschlagen und dem britischen Empire das größte Debakel ihrer Kolonialgeschichte beschert. Auch in den folgenden Jahrzehnten gelang es den Engländern nie, sich auf Dauer in Afghanistan zu behaupten. 1878 kam es erneut zum Krieg. Britische Truppen zogen zwar siegreich in Kabul ein. Aber die Afghanen gaben sich nicht geschlagen. Im Gegenteil. Die britische Gesandtschaft in der Kabuler Festung Bala Hissar unter Sir Louis Cavagnari wurde niedergemetzelt und die Besatzungstruppen von General Roberts entgingen nur knapp der Vernichtung. Erst unter Emir Abd-ar-Rahman, dem Begründer des modernen Nationalstaates Afghanistan, kehrte etwas Ruhe ein. Es begannen Beratungen zu Grenzfragen. Abd-ar-Rahman erwies sich als überaus zäher und gewiefter Verhandler. Nach monatelangem Gefeilsche gelang es dem britischen Diplomaten Sir Mortimer Durand, die nach ihm benannte Grenze zum indischen Kolonialreich festzuschreiben. Der Preis war hoch. Die Engländer zahlten jährlich eine üppige Apanage an den Hof des Emirs. Trotzdem brachte die »Durandlinie« keinen Frieden. Sie durchschneidet bis heute die traditionellen Stammesgebiete der Paschtunen. Kämpfe, Überfälle und Revolten rissen nicht ab. Vor dem Parlament in London sagte Durand resignierend: »Die Loyalität eines Afghanen kann man nicht kaufen, man kann sie bestenfalls vorübergehend mieten«.

Organisationsmängel und Nachschubprobleme behindern die Afghanistan-Expedition

Als Niedermayer in Konstantinopel auf seine Expeditionstruppe trifft, ist er entsetzt. Er findet einen wirren Haufen von Wichtigtuern vor, Kaufleute, Militärs, Abenteuerer, von denen kein einziger je in Asien war. Es fehlen klare Befehlsstrukturen. Erst als es ihm gelingt, die Hälfte der Mannschaft wieder nach Hause zu schicken, beginnt er an das Gelingen der Unternehmung zu glauben.

Der Nachschub an Material und Waffen verläuft chaotisch. Das Heereszeugamt in Berlin scheint mit der Tarnung konspirativer Missionen total überfordert zu sein. Man will besonders schlau sein und deklariert den Güterzug mit der Expeditionsausrüstung als Wanderzirkus. Leider vergisst man, von den »Zeltstangen« die Porzellan-Isolatoren der Telegrafenstation abzuschrauben. Als der Zoll im feindlich gesinnten Bukarest die Isolatoren sieht, interessiert er sich näher für diesen »Wanderzirkus« und findet schnell heraus, dass Maschinengewehre und eine Million Infanteriepatronen wohl kaum als Feuerwerk einer Zirkusvorstellung Verwendung finden dürften. Der Zug wird beschlagnahmt.

Ein zweiter Güterzug kommt durch. Anfang Dezember bricht die Expedition auf. Man benutzt die von den Deutschen erbaute Bagdadbahn. Von Aleppo geht es weiter per Schiff auf dem Euphrat. Mesopothanien ist in der Hand der türkischen Armee. Aber die Zusammenarbeit mit dem Bündnispartner gestaltet sich schwierig. Die Probleme eskalieren, schlagen in Feindseligkeit um. Niedermayer entscheidet, die ursprünglich als deutschtürkische Mission geplante Unternehmung zu beenden und ohne türkische Begleitung allein weiterzumachen. Am 25. April 1915 erreicht die Expedition Teheran. Persien verhält sich vorerst wohlwollend neutral.

Niedermayer verbringt zwei Monate in der persischen Hauptstadt, organisiert Voraustrupps, kauft Proviant, Pferde, Kamele und Maulesel. Er rekrutiert 150 persische Reiter als Hilfstruppe. Jede seiner Bewegung wird vom russischen und englischen Geheimdienst argwöhnisch verfolgt. Am 15. Juni 1915 trifft Legationssekretär Werner Otto von Hentig in Teheran ein. In seiner Begleitung sind Erbprinz Mahendra Pratap und Professor Molweni Barakatullah, zwei glühende indische Nationalisten und Gegner Englands. Sie träumen ebenfalls davon, den Emir von Afghanistan für die Befreiung Indiens zu gewinnen. Indien stehe kurz vor einem Volksaufstand, versichern sie. Es bedürfe nur der Initialzündung. Ein Überfall pashtunischer Stammeskrieger in der Grenzregion würde genügen. Der nüchterne bayerische Artilleriehauptmann Niedermayer bleibt skeptisch. Als er vor einem Jahr durch Indien gereist war, hatte er von revolutionärer Stimmung nichts bemerkt.

Das Verhältnis zu dem 28-jährigen Legationssekretär ist spannungsgeladen. Der schneidige preussische Kürrasieroffizier Hentig, ist nicht weniger ehrgeizig als Niedermayer. Es gibt Streit um die Führung. Sie können sich nicht einigen, marschieren durch Mittelpersien getrennt. Erst als sich an der afghanischen Grenze die Lage dramatisch zuspitzt, beide ums Überleben kämpfen, schließen sie sich notgedrungen wieder zusammen. Nach dem Krieg wird in Buchform weiter gestritten. Hentig schreibt: »Er sagte, ich solle ihm die Führung der Mission überlassen, er sei doch der bessere Mann. Der bessere vielleicht aber nicht der geeignetere, entgegnete ich«. Bei Niedermayer liest es sich anders: »Hentig war mir militärisch unterstellt«.

In der Gluthitze der persischen Salzwüste Kewir

Hentig beschreibt den Weg der Expedition durch die persische Salzwüste Kewir: »Wie Schnee knirscht der Salzboden unter den Hufen. Die Karawane marschiert nachts. Die Gluthitze des Tages hätten Menschen und Tiere nicht überlebt. Der Durst ist quälend. Gaumen und Zunge ein einziger brennender Schmerz. Salz ist überall, verkrustet die Haut, brennt in den Augen, bildet blutige Wunden auf den Lippen. Trinken, pausenlos trinken ist die einzige Trostvorstellung solcher Nachtmärsche. Gibt es was Köstlicheres auf der Welt als Wasser?«

Die Wegstrecken richten sich nach den Wasserstellen. Oft dümpelt in den Brunnen nur eine braune salzige Brühe, die manchmal vom Kadaver eines toten Kamels verseucht ist. Tagsüber rasten die Männer in verfallenen Karawansereien. Der persische Koch versucht sein Bestes. »Der Reis schmeckte nach verwesten Hammeln, füllte aber wenigstens die schmerzenden Gedärme.« Gepeinigt von Flöhen und Zecken versuchen sie im Schatten der Lehmmauern zu schlafen. Hentig sitzt mit entsichertem Revolver bei den Wasserschläuchen, um die überlebenswichtige Trinkwasserreserve notfalls mit der Waffe gegen die vom Durst geplagten Männer zu verteidigen.

Afghanistan ist nicht mehr weit, da stößt ein Voraustrupp auf eine Schwadron russischer Kosaken. Das Feuergefecht überleben nur zwei deutsche Offiziere und einige persische Reiter. Ausrüstung und Waffen gehen verloren. Die Hauptkarawane entkommt in einem 100-km-Nachtmarsch, dem weitere Tragtiere und Menschen zum Opfer fallen. Persische Hilfstruppen desertieren, andere fallen im Kampf mit Räuberbanden, bleiben bei den Nachtmärschen in der Wüste zurück, verdursten oder sterben an Erschöpfung. Hauptmann Niedermayers stolze 250 Mann starke Reiterschar ist auf ein Häuflein von weniger als 50 geschrumpft. Trotzdem hält diese Truppe 10 000 feindliche Soldaten in Bewegung. Von Norden werden sie von russischen Kosaken bedroht. Aus dem Süden kommend, versuchen Kamelreiter aus Belutschistan unter Führung erfahrener englischer Kolonialoffiziere der Karawane den Weg abzuschneiden. Mit Kriegslist, aufreibenden Nachtmärschen und viel Glück entkommt Niedermayer seinen Verfolgern. Am 22. August 1916 überquert er die Grenze nach Afghanistan.

Im Basar von Herat lassen sie 30 neue Kürassieruniformen schneidern

Der Empfang in der nordafghanischen Stadt Herat ist freundlich. Die abgerissenen Wüstenkrieger versuchen sich wieder in eine Militär-Delegation des Deutschen Kaiserreiches zu verwandeln. Hentig kramt aus einer Kiste einen goldglänzenden Kürassierhelm und den zerschlissenen Waffenrock seines alten Regiments hervor. Dieser wird in den Basar gebracht und dient als Muster für 30 neue Uniformen. Die afghanischen Schneider nehmen das Kopieren so genau, dass sie sogar die Flicken von Hentigs Waffenrock in die neuen Paradeuniformen einnähen. Der Gouverneur von Herat, Mahmood Servar Chan, ist ein würdevoller älterer Herr. Er trägt eine englische Generalsuniform mit einem Dutzend blitzender Phantasieorden vor der Brust. Ein ganz anderes Bild bietet die ihn begleitende Abteilung der afghanischen Armee. Die Soldaten sind mit uralten englischen Karabinern bewaffnet und sehen aus, als ob sie vom europäischen Altkleiderhandel mit Uniformversatzstücken versorgt worden wären. Die Befehle geben 60-jährige Leutnants. Beim Anblick dieser Truppe ist für Niedermayer der Traum, Britisch-Indien anzugreifen, ausgeträumt.

Am 1. Oktober 1916 erreichen die Deutschen Kabul. Sie werden wie Staatsgäste empfangen. Bald kommt es zur ersten Begegnung mit Emir Habibullah. Drei Rolls Royces, der komplette Wagenpark des Emirs, bringt die Delegation zur Sommerresidenz Paghman. Habibullah Chan ist klein von Gestalt, untersetzt, trägt einen europäischen Gehrock, weiße Handschuhe und einen eleganten Spazierstock mit goldener Krücke. Nur die Kullah, die schiffchenförmige Pelzmütze, erinnert daran, dass es sich um den Herrscher der Afghanen handelt. Der Diplomat Hentig, erklärt den Zweck der deutschen Mission. Habibullah erweist sich als gewiefter Orientale, dem das Feilschen im Blut steckt. Er sieht die Mission wie ein Geschäft. Er antwortet in blumigen Worten: »Ich betrachte euch gewissermaßen als ehrbare Kaufleute, die ihre Waren vor mir ausbreiten. Von diesen werde ich wählen, was mir passt und gefällt.«

Das war ernüchternd. Der persönliche Brief Kaiser Wilhelms, von Monarch zu Monarch, erzeugt auch nicht den erhofften Eindruck, zumal der Emir etwas pikiert bemerkt, der Brief sei ja nur mit Schreibmaschine geschrieben. Er hätte wohl eher ein kaligraphisches Kunstwerk erwartet. Die feierliche Rede von Erbprinz Mahendra Pratap bezüglich der Befreiung Indiens beeindruckt den Emir ebenso wenig wie der flammende Appell zum Heiligen Krieg gegen die ungläubigen Engländer den der gelehrte Islamist Professor Barakatullah vorträgt. Hentig führt über Wochen langwierige Verhandlungen. Der schlaue Afghane nutzt die Gespräche als diplomatisches Druckmittel gegen den englischen Vizekönig in Indien, der ihn wöchentlich mit dramatischen Depeschen unter Druck setzt. Trotzdem bleibt der Emir den Deutschen gegenüber bei seiner hinhaltenden Neutralität. Mehr Erfolg zeigen Hentigs Bemühungen bei dem deutschfreundlichen jungen Thronfolger Amanullah. Ein Handels- und Freundschaftsvertrag zwischen dem Deutschen Kaiserreich und Afghanistan wird paraphiert. Der spätere König Amanullah ist übrigens das erste ausländische Staatsoberhaupt, das dem international geächteten Deutschland im Jahr 1928 einen viel umjubelten Besuch abstatten wird.

Die Afghanen sind von Niedermayers spektakulären Artillerie-Schießübungen begeistert

Während Hentig verhandelt bemüht sich Niedermayer um die Modernisierung der afghanischen Armee. Er gibt Generalstabskurse und unterrichtet Pionieroffiziere im Festungsbau. Besonders interessiert sich der Artillerieoffizier Niedermayer für die »Machinchaneh«, eine Waffenfabrik die außerhalb der Stadt im Tal des Kabulflusses liegt. Der deutsche Ingenieur Gottlieb Fleischer betreibt hier ein Montagewerk der Firma Krupp, wo aus Deutschland gelieferte Teile zu leichten Gebirgsgeschützen zusammengebaut werden. Niedermayer konstruiert eine neue Zielvorrichtung, die indirektes Schießen möglich macht. Bei einer öffentlichen Vorführung versteckt er die Geschützbatterie hinter einem Hügel. Trotzdem treffen die Geschosse das anvisierte Ziel, eine extra dafür errichtete Mauer mit einer großen aufgemalten Zielscheibe. Die Mauer zerbirst spektakulär und löst unter der Bevölkerung Kabuls einen Sturm der Begeisterung aus.

Im Frühjahr 1916 wird die Lage für die Deutschen plötzlich ungemütlich. Der Emir verweigert weitere Verhandlungen. Eine Karawane aus Indien soll 200 Millionen Rupies in Gold- und Silbermünzen an den Hof geliefert haben. Möglicherweise handelt es sich nur um ein Gerücht, aber die Abkühlung des Verhältnisses zum Emir fällt genau mit der Ankunft dieser ominösen Karawane zusammen. Korruption hat in Afghanistan Tradition und die Engländer beherrschten dieses Spiel perfekt. Die deutsche Mission ist politisch und militärisch gescheitert. Es droht die Gefahr der Internierung.

Am 21. Mai 1916 verlässt die Delegation unter bestmöglicher Geheimhaltung Kabul. Niedermayer verkleidet sich als Mekka-Pilger, schlägt sich bis zur türkischen Front in Westpersien durch. Hentig wählt den Weg nach Osten. Als einer der ersten Europäer überquert er den Hindukusch und reitet durch den Wakhan-Korridor auf der legendären Seidenstraße nach China. Nach Monaten erreicht er Peking. Mitten im Krieg gelingt es ihm, über Amerika wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Als der afghanische Präsident Hamid Karsai 2002 in Berlin zu Gast war, überraschte er die Politprominenz mit dem Satz: »Die Freundschaft zwischen Afghanistan und Deutschland begann schon im I. Weltkrieg, nämlich mit dem Auftauchen der Niedermayer-Mission in Kabul«. Anscheinend ist die Mission des Königl. Bayer. Feldartilleriehauptmanns bei den Afghanen besser im Gedächtnis geblieben als bei seinen Landsleuten in Deutschland. Dabei bildete diese Mission ohne Zweifel die Grundlage für eine jahrzehntelange Zusammenarbeit. 1924 gründeten die Deutschen die Nedschat-Schule in Kabul, die erste Oberrealschule Afghanistans. Deutsche Firmen bauten E-Werke und ganze Stadtviertel in Kabul. Das 1937 eröffnete Technikum an der Universität war eine deutsche Gründung und die Berufsausbildung an den deutschen Technikerschulen galt als Vorbild gelungener Entwicklungshilfe. Anfang der 1960er Jahre beherrschten die Reklametafeln von Siemens, Hoechst, Bayer, Bosch und Hochtief-Bau das moderne Zentrum Kabuls. Die Polizeiausbildung lag in deutscher Hand, bis der furchtbare Bürgerkrieg und der Einmarsch der Roten Armee in den 1970er Jahren die Aufbauarbeit von Jahrzehnten jäh zerstörte.

Otto Huber


Quellen: O. Niedermayer, Unter der Glutsonne Irans, 1925. W. O. von Hentig, Mein Leben eine Dienstreise, 1963. M. Friese, S. Geilen, Deutsche in Afghanistan, 2002. M. Klimburg, Afghanistan, 1966. P. Hopkirk, The Great Game, 1990. J. Burke, From Kaschmir to Kabul, Bildband 1860-1900.



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