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Jahrgang 2019 Nummer 16

Gaumenfreuden mit köstlichen Osterspeisen

Osterfladen gab es bereits im 16. Jahrhundert

Ostern ist nicht nur ein kirchliches Fest, ein Höhepunkt im Jahreslauf, sondern hat auch eine weltliche Seite mit kulinarischen Köstlichkeiten. Früher war die Freude über das Ende der Fastenzeit noch viel größer, endeten doch mit Ostern all die Einschränkungen, die die Kirche den Christen mit den strengen Fasten- und Abstinenzgeboten auferlegte, war doch den Gläubigen der Verzehr von Fleisch und der Genuss von tierischen Produkten wie Milch, Käse und Butter sechs Wochen untersagt. Da war es nicht verwunderlich, dass man Ostern herbeisehnte, ein Fest mit mancherlei Gaumenfreuden.

Seit ältester Zeit dreht sich an Ostern alles um das Ei, das in der Überlieferung vieler Völker eine wichtige Rolle als Lebensquelle spielt. Nach alter Tradition ist das Ei das zentrale Symbol des christlichen Osterfestes. Schon in der Frühzeit sahen die Christen im Ei ein Sinnbild für die Auferstehung Jesu und auch für ihre Auferstehungshoffnung. In recht einfacher Form fand dieser Auferstehungsglaube im Volksmund in ganz simplen Sprüchen seinen Ausdruck: »Wie das Küken aus dem Ei gekrochen, hat Jesus das Grab durchbrochen.«

Weihe der Ostereier

Wegen des Symbolcharakters kam dem Ei bei den Christen schon immer eine besondere Funktion zu. Und um diese deutlich zu machen, kam es schon im 12. Jahrhundert zu einer eigenen Weihe für die Eier, zur »benedictio ovorum«. Das war eine feierliche Segnung jener Eier, die die Gläubigen am Ostersonntag in die Kirche brachten.

Durch die kirchliche Weihe erlangten die in der Fastenzeit verbotenen Eier eine besondere Segenskraft: Das einfache Ei wurde zum »Osterei«. Die 40 Fastentage lang verpönten Eier wurden durch den kirchlichen Segen so zum österlichen Genussmittel.

Aber wie konnte man gewöhnliche Eier von Ostereiern unterscheiden? Ganz einfach: Man färbte die Ostereier rot ein, rot deshalb, weil man in der Farbe Rot – ganz im Sinne der Passion – ein Symbol für das Blut

Christi sah. Erst später kamen noch andere Farben für die Ostereier hinzu, wie ein Straßburger Handwerksmeister uns im 17. Jahrhundert berichtet: »Zu Ostern werden die Oster eyer grüen, gelb, roth, schwarz und blau und andere art geferbt.« Die Kennzeichnung der Ostereier erlebte in der Barockzeit noch eine Steigerung: Zu den Farben kamen noch Verzierungen hinzu. Von dem beliebten Brauch berichtet uns um 1700 auch der Pfarrer Andreas Strobl aus dem Salzachgau, wo es üblich ist, zu Ostern die Eier »zu zieren, zu schmücken, zu stücken, zu färben, zu vergulden, zu mahlen«.

Der Osterhase als Eierbringer

Von jeher spielten geweihte Ostereier auch im Volksglauben eine große Rolle, war man doch überzeugt war, dass sie einen Schutz gegen alles Böse bieten. So trug man gern ein Ei wie einen Talismann mit sich. Man vergrub Eier auf dem Acker zwischen der Saat, legte sie in die Erntegarbe und streute die Schalen der Ostereier samt der Asche des Osterfeuers auf die Äcker.

Die im Volk sehr beliebte kirchliche Weihe der Ostereier war den Reformatoren aus theologischen Gründen ein Dorn im Auge, lehnten sie sie doch wie viele andere Segnungen ab. Hinzu kam, dass viele Eier kunstvoll bemalt und verziert wurden und beliebte Patengeschenke und Liebesgaben waren.

Ein gewisses Gegengewicht zu den in den katholischen Kirchen geweihten Eiern sollte da ein Brauch schaffen, der von kritischen Theologen im späten 18. Jahrhundert kreiert wurde: Es waren Eier, die der Osterhase den Kindern brachte. Deutlich ist die Absicht erkennbar, mit der einem bürgerlich-städtischen Osterbrauch die Weihe der Weihe der Ostereier zurückzudrängen. Von daher ist es nur allzu verständlich, dass sich der Osterhasenbrauch erst allmählich im katholischen Süden durchsetzen konnte.

Freude an Osterspeisen

Schon im Mittelalter waren mit dem Osterfest weltliche Freuden mit kulinarischen Köstlichkeiten verbunden. Ostern war eben schon immer auch ein Fest der Gaumenfreuden.

Ganz im Gegensatz zu den kargen Wochen der Fastenzeit war der Ostertisch stets reich gedeckt, auch in den Klöstern. Eine Spezialität war dort im späten Mittelalter ein besonderes Gebäck, der Osterfladen. Grundlage dafür waren die vielen Eier, die die abhängigen Bauern ablieferten. So wurden Fladen in großer Zahl gebacken, die aber auch an Menschen verschenkt wurden, die den Mönchen nahe standen. So lesen wir in einer Chronik aus dem Jahre 1493 aus dem Augustiner-Chorherrenstift Indersdorf: »An dem oster abent geben wir allen unsern diener und dienerin jedem ain fladen nach gewohnhait, genant die gesind- oder gemainfladen. Aber dem richter, kamrer und obristen koch gebern wir den herren fladen.« Je einen Fladen erhielten zudem der Bader und Kürschner, die Zimmerleute und andere Handwerker. Von Osterfladen, die sich stets großer Beliebtheit erfreuten, wird bereits im 16. Jahrhundert aus den Klöstern Ramsau, St. Mang in Füssen, Ensdorf in der Oberpfalz und Schäftlarn und aus dem Heilig-Geist-Spital in München berichtet. Weihe der Osterspeisen Wie in den Klöstern verstand man es aber auch schon vor 500 Jahren in bürgerlichen Kreisen, das Osterfest mit Gaumengenüssen zu feiern. Was genau auf den Tisch kam, wissen wir aus dem kleinen Städtchen Volkach am Main, wo beim gemeinsamen Ostermahl des Rates »Lämlin, schunken, fladen und eyerkuchen« serviert wurden. Mit Fladen hat man sogar in zwei nahe gelegene Dörfer eine Prozession durchgeführt. Eine solche Fladenprozession machte man auch auf eine Burg, wo auf Rechnung des Schlossbesitzers neben Wein, Brot und Kuhkäse auch Fladen verteilt wurden.

Der Osterfladen war auch dem Münchner Lorenz von Westenrieder, einem Geistlichen und aufgeklärten Historiker am Ende des 18. Jahrhunderts, eine Erwähnung wert, wenn er schreibt:

»Sein Leibbrod welcher mit feinem, weißem Mehl und Eyern gebacken, und nebst einem geräucherten Fleisch, harten Eyern, Kreen und Salz am Ostersonntag in der Früh nach der Kirche getragen, vor dem gewöhnlichen Mittagsmahl aufgesetzt.«

Mit dieser Notiz bestätigt Westenrieder auch einen Brauch, der bis heute in katholischen Regionen lebendig ist und fest zum traditionellen österlichen Brauchtum gehört. Es ist der Brauch der Speisenweihe am Ostersonntag.

Die von Lorenz von Westenrieder vor mehr als 200 Jahren erwähnte Speisenweihe am Ostermorgen ist aus der benedictio ovorum, der Segnung der Ostereier, die bereits im 12. Jahrhundert nachweisbar ist, hervorgegangen. Wohl schon bald dürfte die Eiersegnung auf andere österliche Speisen ausgedehnt worden sein, erhoffte man sich von ihrer Weihe doch Glück und Segen, Gesundheit und Fruchtbarkeit. Und an dieser Erwartung hat sich bis heute nichts geändert.

Bis heute werden neben den Eiern auch andere Speisen gesegnet, zum Beispiel neben dem Osterfladen noch Salz, Kren, ein Stück Geräuchertes oder Schinken und Brot sowie ein Biskuit-Osterlamm mit der Auferstehungsfahne. Beliebt sind auch gebackene Hasen oder Hennen mit einem gekochten Ei in der Mitte, was ein Hinweis, denn beide Tiere galten einst als Fruchtbarkeitssymbole.

Kritik der Speisenweihe

Es kann nicht überraschen, dass die kirchliche Segnung der Eier und Speisen, die zu den ältesten Osterbräuchen zählt, nicht nur Zustimmung fand. Die Aufklärer im ausgehenden 18. Jahrhundert sahen in der Speisenweihe puren Aberglauben, wie die folgende Notiz aus dem Jahre 1784 belegt. »Wie am Palmsonntag, die Oelzweige und Palmbuschen geweiht werden, so pflegt die Kirche am Ostertag Eyer, Lammfleisch, Kalbsschlegeln, und auch Schweinschinken zu weihen. Wir wollen nicht untersuchen, ob es anständig sey, dem Fleisch von Lämmern, Schweinen und angehenden Ochsen die Weihe zu ertheilen, sondern nur bey Aberglauben, dem diese Art von Weihe Nahrung giebt, stehen bleiben. Der gemeine Mann ist nun einmal der Meynung, dass alles, was geweiht ist, nicht schaden könne.«

Ostereier – Kunstwerke und beliebte Geschenke

Ostern ist nicht denkbar ohne Eier, sie waren schon immer die typische Osterspeise. Sie wurden aber auch oftmals zu kleinen Kunstwerken, in der Barockzeit wurden sie kunstvoll bemalt und waren willkommene Geschenke unter den oberen Gesellschaftsschichten. Beliebt waren sie vor allem bei verliebten jungen Leuten, konnte man damit doch allseits Freude und Sympathie erwecken. Viele dieser kleinen Kunstwerke können wir noch in Heimatmuseen und Ausstellungen bewundern. Doch der Geschmack änderte sich: Die einst so beliebten Verzierungen kamen im Lauf des 18. Jahrhunderts wieder aus der Mode ebenso wie christliche Embleme und erbauliche Eiersprüche. An ihre Stelle traten oftmals nicht immer kurze Glückwünsche und gereimte Liebesbezeugungen:

Freundschaft hab ich dir versprochen und noch nie mein Wort gebrochen. Zum Zeichen meiner Treu schenk ich dir ein Osterey.

Spiele mit Ostereiern

Mit Ostereiern, zumal wenn sie bunt und schön verziert sind, konnte man schon immer viel Freude bereiten. Sie lockten aber auch zu einem Spiel, das heute weithin in Vergessenheit geraten ist. Es war ein sehr einfaches Spiel, zu dem sich die Kinder früher an den beiden Ostertagen in einem Garten trafen, wenn es das Wetter erlaubte. Dabei schlugen zwei Kinder jeweils ihr Ei mit der Spitze so lange gegeneinander, bis eines zerbrach.

Wettkampfcharakter hatte auch ein anderes Eierspiel, in dem deutlich der Charakter von Ostern als Frühlingsfest deutlich hervortrat: Es ist das Eierrollen oder Eierwalgen, besser bekannt als Oarscheibn. Dabei ließ man über zwei eng beieinander liegende, schief gestellte Holzstiele die Eier in das junge Gras rollen. Dabei versuchte jedes Kind, das Ei eines Mitspielers, das bereits im Gras lag, zu treffen und anzupicken. Traf der Spieler ein fremdes Ei, so gehörte es ihm. Erhöht wurde der Reiz des Eierspiels noch, wenn auf dem fremden Ei eine Münze lag, die dann dem erfolgreichen »Scheiber« gehörte.

Und damit schließt sich der Kreis um die Ostereier, die keine gewöhnlichen Eier sind. Man freut sich an ihnen, sind sie doch ein Symbol der Auferstehung Christi aus dem Grab und ein Zeichen der Hoffnung auf neues Leben, gerade jetzt im Frühling. Ostereier haben eben ihren besonderen Wert. Darauf weist schon im 18. Jahrhundert ein Pfarrer aus Kissingen hin, wenn er schreibt:

»Hühner-Ey seynd alle weiß, aber die Osterayer nicht, dann sie werden unterschiedliche gefärbt oder gemahlt,...das man nicht also bald isset, sondern eine Zeitlang aufhebet.«

 

Albert Bichler

 

16/2019