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Jahrgang 2011 Nummer 29

Fünfhundert Jahre Altöttinger Stiftskirche

Papst Benedikt schickte ein Grußwort zum Jubiläum

Innenansicht von West nach Ost.

Innenansicht von West nach Ost.
Nordportal mit Maria und Ursula (links) und den Kirchenpatronen Philippus und Jakobus (rechts).

Nordportal mit Maria und Ursula (links) und den Kirchenpatronen Philippus und Jakobus (rechts).
Die Stiftskirche vom Kapellplatz gesehen.

Die Stiftskirche vom Kapellplatz gesehen.
Vor fünfhundert Jahren wurde die Stiftskirche in Altötting eingeweiht, die letzte spätgotische Hallenkirche in Süddeutschland. Die Kirchweihe vollzog Bischof Berthold von Chiemsee als Suffragan des Salzburger Erzbischofs, zwölf Jahre nach der Grundsteinlegung durch den Altöttinger Stiftspropst Johann Mair, an den ein Epitaph (Grabstein) im Kircheninneren erinnert.

Mit einer Reihe von musikalischen und anderen Veranstaltungen begeht Altötting in diesem Jahr das Jubiläum der Stiftskirche. Zu dem prachtvollen Bildband, der aus diesem Anlaß erschienen ist, hat Papst Benedikt ein Grußwort verfasst. Er erinnert darin an seine Besuche in der Wallfahrtsstadt mit seinen Eltern und schreibt: »Von den Kunstschätzen der Stiftspfarrkirche ist mir seit früher Kindheit besonders der „Tod von Eding“ in Erinnerung, der uns zur christlichen Wachsamkeit mahnt, ebenso die prächtigen Portale aus der Leinbergerschule und das ausssagekräftige Hochaltarbild«. Der reich illustrierte Bildband ist eine Fundgrube an Informationen nicht nur zur Kultur- und Kunstgeschichte, sondern auch zur bayerischen Volkskunde.

Die Bezeichnung Stiftskirche geht auf die ursprüngliche Bedeutung der Kirche als Gotteshaus des Altöttinger Chorherrenstifts zurück. Erst nach der Säkularisation und der Aufhebung des Stifts wurde sie Pfarrkirche. Daneben war sie immer schon unverzichtbar als Wallfahrtskirche, weil das kleine Oktogon der Gnadenkapelle die vielen Pilger nicht fassen konnte. So ist es verständlich, dass ihre Baufinanzierung zu einem Großteil den Wallfahrern zu verdanken ist, die mit ihren Opfergeldern den Bau ermöglichten. Erst durch den Bau der großen St. Anna-Basilika (1910-1912) verlor die Stiftskirche ihre Bedeutung für die Wallfahrt.

Neben der Stiftskirche wurde die sogenannte Schatzkammer errichtet, in der die kostbaren Votivgeschenke wie z.B. das Goldene Rössl sowie Reliquien verschiedener Heiliger verwahrt wurden. Einmal im Jahr in der Pfingstwoche hatten die Pilger Gelegenheit, die Votivgaben und die Reliquiare öffentlich bei den sogenannten Schatzweisungen zu bewundern. Die Schatzkammer wurde im Jahre 2006 auf Initiative von Bischof Wilhelm Schraml von Passau aufgelöst und an ihrer Stelle eine Anbetungskapelle eingerichtet. Bei seinem Pastoralbesuch in Deutschland übertrug Papst Benedikt die Monstranz von der Gnadenkapelle in die Anbetungskapelle und verehrte sie als erster in stillem Gebet.

Unter den Sehenswürdigkeiten der Stiftskirche sind vor allem die Fügeltüren des Nord-portals zu nennen. Sie stammen aus der Dürerzeit und weisen eine vielschichtige Iko-nographie mit zahlreichen symbolischen Bezügen auf. Beachtung verdienen ausserdem das Chorgestühl, der monumentale »Grosse Herrgott« an der Nordwand, die spätgoti-sche Madonnenstatue im Presbyterium, verschiedene Epitaphien, der barocke Orgelprospekt und natürlich der »Tod von Eding«, der an die schlimmen Pestjahre des 16. und 17. Jahrhunderts erinnert und dessen Sensenschlag der Legende nach jeweils den Tod eines Menschen versinnbildlicht.


Julius Bittmann



29/2011