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Jahrgang 2011 Nummer 16

Eier vom Osterhasen

Eine bis heute ungeklärte Frage

Die Frage, wie der Hase zum Osterhasen wurde und damit in das Brauchtum zum christlichen Osterfest kam, ist schwer zu klären. Der Hase taucht immer wieder im Frühlingsbrauchtum vieler Völker auf, auch als »Eier-Leger«. Er ist ein Zeichen der Fruchtbarkeit und des neuen Lebens in der Natur im Frühling. Das kommt auch in unserer Redensart zum Ausdruck: »Die vermehren sich wie die Hasen!« In der Antike ist er ein Fruchtbarkeitssymbol in den griechischen Göttersagen, denn der Hase ist das heilige Tier der Liebesgöttin Aphrodite.

Christlich gedeutet wurde der Hase erstmals im 4. Jahrhundert von Bischof Ambrosius als Sinnbild der Wandlung und Auferstehung. Auf diese Deutung geht auch ein »Hasenbild« im Kreuzgang des Liboriusdoms in Paderborn zurück. Dieses Dreihasenfenster wurde zum Wahrzeichen der Stadt Paderborn. In der Ostkirche begegnet uns der Hase als Symbol für Christus in der Tiersymbolik.

In einer mittelalterlichen Handschrift aus dem 12. Jahrhundert, die in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt wird, findet sich ein Sakramentarblatt zur Osterliturgie, in dem ein Hase in die Initiale D Eingang gefunden hat. Das ist also ein Beleg dafür, dass der Hase schon im Mittealter als ein Symbol der Auferstehung bekannt war.

Der Brauch, die vom Osterhasen gelegten Eier zu suchen, entwickelte sich im 17. Jahrhundert im evangelischen Raum wohl als Gegenstück zur Eierweihe in den katholischen Kirchen am Ostersonntag. Erste Belege gibt es aus dem Elsaß und in der Pfalz. Von einer Ostereiersuche wird im Garten von Goethes Landhaus in Weimar 1783 berichtet. Dass der Hase die Ostereier versteckt, wurde u.a. mit seiner Schnelligkeit erklärt. Er sollte wohl für den Überraschungseffekt sorgen.

In anderen Regionen werden die Eier von anderen Tieren gebracht: in der Schweiz der Kuckuck, in Westfalen der Fuchs, in Thüringen der Storch. In Oberbayern und Österreich brachte die Henne die Ostereier. Hier setzte sich auf dem Land der Osterhase erst allmählich durch.

Lange Zeit waren zu Ostern Eier oder Hasen als Abgabe und Zins der Schuldner und abhängigen Bauern an die Gutsherren üblich. Mit dem Färben sollten die »gewöhnlichen Eier« von den Ostereiern unterschieden werden können. Gefärbte Eier waren immer ein beliebtes Geschenk für Patenkinder, Dienstboten sowie unter Liebenden.

Ostereier ganz ohne Farbe bekamen in nicht geringen Mengen früher die Pfarrer von den Bäuerinnen bei der Abgabe des österlichen Beichtzettels, der ein Dank für die abgenommene Osterbeichte sein sollte. Der Beichtzettel stellte für den Pfarrer daneben auch eine Kontrollmöglichkeit über die pflichtgemäße Erfüllung der jährlichen Beichtpflicht dar. Seit dem II.Vatikanischen Konzil gehören die Beichtzetteln wie auch die Eiergaben an die Pfarrherrren der Vergangenheit an.

Dr. Albert Bichler



16/2011