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Jahrgang 2019 Nummer 1

Die drei Weisen aus dem Morgenland

Wie die Heiligen Drei Könige über die Alpen nach Köln kamen

Sternsinger ziehen von Haus zu Haus, wünschen mit Liedern und Versen ein gesegnetes Neues Jahr und bitten um Gaben für notleidende Kinder in der Welt. (Archivbild)

Gold, Weihrauch und Myrrhe waren die Geschenke der Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland, die einst dem hell leuchtenden Kometenstern nach Bethlehem zur Krippe gefolgt waren. Die Kirche feiert den 6. Januar als »Erscheinung des Herrn« – griechisch »Epiphanie« –, mit dem die offizielle Weihnachtszeit zu Ende geht. Bis zu diesem Tag ziehen verkleidete Sternsinger mit goldenen Kronen von Haus zu Haus, wünschen mit Liedern und Versen ein gesegnetes Neues Jahr und bitten um Gaben für notleidende Kinder in der Welt.

Mit den Alpen haben die Heiligen Drei Könige eigentlich nichts zu tun, kamen sie doch aus dem fernen Morgenland. Doch auch sie haben die Alpen überquert, wenn auch lange Zeit nach ihrem Erscheinen im Stall zu Bethlehem. Nach einer Legende sollen die sterblichen Überreste von Kaspar, Melchior und Balthasar von Kaiserin Helena im 4. Jahrhundert nach Konstantinopel gebracht worden sein, von wo sie nach Mailand weiterverschenkt worden sein sollen. Dort ruhten sie bis ins 12. Jahrhundert.

Als Kaiser Friedrich Barbarossa (1125 bis 1190) im Jahr 1164 Mailand eroberte, schenkte er die dort befindlichen Reliquien der Dreikönige seinem Reichskanzler Rainald von Dassel, der zugleich Erzbischof von Köln war.

Am 11. Juni 1164 verließ der Erzbischof mit seinem kostbaren Schatz den kaiserlichen Hof zu Mailand und machte sich auf den Weg nach Köln. Über Turin nahm von Dassel seinen Weg nach Vienne im heutigen Frankreich. Der damalige Papst Alexander III. wollte den Abtransport der Reliquien verhindern und erließ einen Haftbefehl gegen den deutschen Reichskanzler. Die Jagd begann.

Der verfolgte Erzbischof änderte im Burgund seine Reiseroute, erreichte über Besançon den Rhein und konnte den Häschern des Papstes entkommen. Am 23. Juli 1164 zog er mit seiner »Beute« feierlich in Köln ein. Dort wurde den drei Mumien ein kostbarer und wunderbarer Schrein gebaut, bis heute von den Gläubigen verehrt und bewundert. Bis ins 17. Jahrhundert hinein kam es zu mehrfachen Sarkophagöffnungen. Augenzeugen bestätigten die erhaltenen Ganzkörpermumien der Dreikönige in den Silbersärgen.

Im Mittelalter erreichte die Verehrung der »Heiligen Drei Könige« ihren Höhepunkt. Bis heute werden mit geweihter Kreide drei Buchstaben an Kirchen- und Haustüren geschrieben: »C+M+B«. Sie stehen als Abkürzung für die lateinischen Worte: »Christus mansionem benedicat« (Christus segne dieses Haus), werden aber auch landläufig für die Abkürzungen der Königsnamen Caspar, Melchior und Balthasar verstanden. Im Mittelalter sollten diese Buchstaben aber nicht nur Segen bringen, sondern auch die gespenstischen Geister der Perchten fern halten. Denn der 6. Januar ist gleichzeitig als »Perchtentag« die letzte Raunacht, wie die zwölf Nächte zwischen Weihnachtsabend und Dreikönig genannt werden.

Ursprünglich wurde das Epiphanie-Fest höher als der Heilige Abend eingestuft. Denn erst die Anbetung der Drei Weisen an der Krippe zu Bethlehem soll das Jesuskind als »Gottessohn« erkennbar gemacht haben. Dieser Tag gilt in den orthodoxen Ostkirchen als Taufe Jesu. Daher der ländliche Brauch, Weihwasser vom Dreikönigstag übers Jahr aufzuheben und Scheunen und Ställe mit Weihrauch von dem Bösen zu befreien.

 

Nikolaus Dominik

 

1/2019