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Jahrgang 2011 Nummer 7

Der Lippenhof in Haslach

Das heutige Gasthaus Alpenrose im Wandel der Zeit

Das Gasthaus »Alpenrose« in Haslach 1910.

Das Gasthaus »Alpenrose« in Haslach 1910.
Ausschnitt aus einer alten Postkarte, um das Jahr 1905. Der untere Wirt (Ober) und der obere Wirt (Bogner).

Ausschnitt aus einer alten Postkarte, um das Jahr 1905. Der untere Wirt (Ober) und der obere Wirt (Bogner).
Doppelseitige Postkarte mit dem Gasthaus und Biergarten, des damaligen Gasthofbesitzer Ober, 1903. Auf der Rückseite der Karte d

Doppelseitige Postkarte mit dem Gasthaus und Biergarten, des damaligen Gasthofbesitzer Ober, 1903. Auf der Rückseite der Karte die Stadt Traunstein.
Das heutige Gasthaus Alpenrose in Haslach – früher auch Mesnerwirt genannt – war vor 110 Jahren noch ein Bauernhof mit Knechten und Mägden. Beim Lipp nannte man den Hof und sein Name geht bis ins 15. Jahrhundert zurück, als das Geschlecht der Lipp oder Lippen (= Philipp) auf dem 1-Lehen-großen Hof war.

Bis 1848 gehörte das Anwesen grundherrschaftlich zum Pfarrwiddum Haslach, gab jährlich seinen Stift zur Kirche an Geld 1 Gulden, 30 Kreuzer, an Naturalien 2 Hennen, 32 Eier und ein Stiftsviertel Wein, sowie musste er »1 Mattag« (Scharwerkstag) leisten.

1472 erwähnte man erstmals in einer Traunsteiner Gerichtskurkunde einen Lipp »der Höltzl« als Zechpropst der Haslacher Kirche. Einige Jahrzehnte vorher, am 11. Oktober 1439, wird der damalige Lehensinhaber Konrad Hölzl von Haslach als Siegelzeuge oder wie es heißt: »an den Rechten gesessen«, bei den Grenzstreitigkeiten der zwei Jahnergüter zu Jahn genannt. Konrad Hölzl hatte einen Sohn mit Namen Hieronymus. Dieser studierte an der Universität in Wien, von wo dieser 1472 einen Brief an den Traunsteiner Rat schrieb und um die Rückgängigkeit des unberechtigten Grundverkaufs von seinem väterlichen Erbteil erbittet. Seine Mutter verkaufte damals das Grundstück an die Schwägerin Dorothea. Hieronymus Hölzl war nach Wien, von 1500 - 1529 in Nürnberg als Buchdrucker tätig. Er druckte humanistische und reformatorische Schriften; auch Notendrucke, sowie Niclas Claudians älteste Karte von Böhmen. Er hatte zwar zahlreiche Konflikte mit dem Rat, u. a. war er 1524 wegen eines Karlstadt-Druckes inhaftiert und hernach von der Stadt Nürnberg ausgewiesen worden. 1526 kehrte er wieder zur Stadt zurück, war aber stark verschuldet und starb nach 1532.

Sein Bruder Georg Hölzl von Haslach und seine Ehefrau Christine verkauften 1472 (6. Juli) dem Traunsteiner Bürger Georg »Kürsnar« (Kirschner) ihr Haus in Traunstein an der oberen Zeile gelegen, zwischen dem Haus den »Schonnperger« und dem Stadel Ortolf »Ledrär«. Auf der Rückseite dieser Urkunde wurde noch vermerkt: »Georg Höltzl von Haslach verkaufft seine Behausung an der oberen Zwerchzeil Geörgen Khürschner, Bürger allhier« (Urk.-Nr. 82, Stadt-Archiv Traunstein).

Ein Jahr später 1473 (25. Juli), erwähnt man in einer anderen Urkunde »Georg Höltzl – genannt Kolbeiß – wohnhaft zu Haslach in dem Dorff«. Dieser erklärte darin, dass er die Tochter Christine des Leonhard Kolb von Hirschau geheiratet habe. Für diese hat ihr Vater 25 Pfund Pfennig Heiratsgut gegeben. Ebenso viel zahlte Hölzl als Wiederlegung und gibt ihr weiterhin 15 Pfund Pfennig als Morgengabe. Für diese Gesamtsumme von 40 Pfund Pfennig verschreibt er ihr sein Joch Land im Burgfried Traunstein am Wartberg »an der Meir Leyttn« neben den Grundstücken des Leonhard »Bierprew«. Weiter heißt es noch in dieser Aufzeichnung: »Stirbt Hölzl vor seiner Frau, soll sie die 40 Pfund Pfennig erhalten und nach ihrem Tod die 15 Pfund Pfennig Wiedergabe an die Verwandtschaft ihres Mannes vererben. Stirbt die Ehefrau zuerst, erhält der Ehemann die 40 Pfund Pfennig und vererbt nach seinem Tod die 25 Pfund Pfennig Heiratsgut an die Verwandten seiner Frau. Hat das Ehepaar aber Kinder, so erben diese alles«.

Die nächste Erwähnung erfolgt im Jahre 1500 (26. Januar), als ein Konrad Lipp als Grundanlieger genannt wird.

In der Beschreibung des Landgerichts Traunstein von 1553, wird ein Jörg Lipp von Haslach mit 1 Lehen aufgeführt. 1573 (20. April) bezeugte ein Sebastian Lipp von Haslach einen Verkaufsbrief des Rupert Wiesenreitter. Dieser verkaufte ein Haus bei der Hintermühle in Traunstein an Wolfgang »Vinckh«.

In der nächsten Beschreibung des Landgerichts Traunstein von 1599 heißt es unter der Hauptmannschaft Haslach, Seite 194: »Lienhardt Lüp besizt das Lüpenguat zu Haslach«. In der Aufzeichnung des Traunsteiner Kastners von 1601 wird ebenfalls Leonhard Lipp erwähnt. Unter Nr. 9 schreibt man von einem »Leonhart Lipl«. 1624 (28. November) starb Leonhard Lipp als Austragsbauer und Witwer.

1618 (20. Mai) trat dessen Sohn Sebastian Lipp und Gabriel Mayr von Grabenstätt als Vormünder für die acht Kinder der verstorbenen Eheleute Georg Pertl und seiner zweiten Ehefrau (Name unbekannt) auf. 1620 (26. Januar) bezeugte Sebastian Lipp einen Schuldbrief des Zimmermanns Hans Tollberger und seiner Ehefrau Martha, da dieser von Hans Pertl von Haslach über 30 Gulden ausgeliehen bekam. 1630 (19. April) nannte man im Haslacher Sterbebuch (Bd. A) den Tod der Tochter Salome der Bauersleute Sebastian und Elisabeth Lipp von Haslach. Noch im gleichen Jahr dürfte auch Sebastian Lipp gestorben sein. Nun wird in den Briefprotokollen des Landgerichts Traunstein als zweiter Ehemann der Elisabeth Lipp ein Sebastian Schallinger erwähnt. Im Jahre 1630 verkauften die Schallinger dem Traunsteiner Krämer Hans Roglmayr d. Ä. und seinem Eheweib Magdalena für 35 Gulden ¼ Joch Land am Wartberg, das die Lippenbäuerin und ihr erster Ehemann 1610 von Michael Angerhuber gekauft haben.

Um 1650/55 erwarben Wolfgang Schallmayr und seine Ehefrau Maria den freistiftigen Lippenhof.

Zwischen 1656 und 1659 erwarben die benachbarten Mesnereheleute Johann und Eva Storflinger den Lippenhof durch Kauf oder Heirat. Dies lässt sich nicht mehr aus den Urkunden ersehen.

Bis 1886 waren beide Höfe vereint und wurden vom Lippenhof aus bewirtschaftet. Der Mesnerhof diente nur mehr als Austrags- und Wirtschaftsgebäude. Die Eintragungen des Stiftes und Zehents sind in den Haslacher Kirchenbüchern getrennt geführt. Die Grundstücke des Mesnerhofes blieben vorerst noch beim Hof, aber im Laufe der Jahrzehnte vermischten sie sich mit den Lippengrundstücken, sodass beim Verkauf im 19. Jahrhundert des Mesnerhofes die Grundstücke nicht mehr trennen konnte.

Im Stiftsbuch von 1670 erwähnt man ein Joch Land am Wartberg, die eine ewige gestiftete Sebastianimesse war und an Geld 1 Gulden, 10 Kreuzer und 4 Heller der Kirche einbrachte. Hans Storflinger hatte dieses Grundstück in Pacht. 1674 (6. Oktober) bezeugte Hans Storflinger einen Grundverkaufsbrief von 1 Joch Land am Wartberg.

Im Juni 1695 übergab der Lippenbauer und Mesner Hans Storflinger beide Anwesen an seinen Sohn Thomas Storflinger und seiner Braut Magdalena Pendlin. Aus dieser Ehe gingen neun Kinder hervor. 1734 starb der Lippenbauer Thomas Storflinger und seine verwitwete Ehefrau übergab beide Anwesen an ihren Sohn Georg Storflinger. Der Hofübernehmer war aber als Mesner nicht geeignet und so wollte der Haslacher Pfarrer Graf von Lamberg drei Jahre später (1737), einen anderen Mesner. Magdalena Storflinger bestand aber, dass seit altersher ihres verstorbenen Ehemannes Vorfahren, den Mesnerdienst ausgeführt und dies schon Familientradition sei. Die verwitwete Lippen- und Mesneraustragsbäuerin und Pfarrer Graf von Lamberg einigten sich, dass ihr Sohn Egidi beide Höfe übernehmen und den Mesnerdienst erhalten soll. Sohn Egidi habe nach Meinung des Pfarrers einen guten Leumund, sei als Mesner besser geeignet als sein Bruder Georg, da dieser zu leise spricht, geschweige denn bei den Gottesdiensten singen kann. Egidi Storflinger diente aber zu dieser Zeit bei den Landfahnenausschüsser und musste erst freigestellt werden. Hierauf schrieb die verwitwete Lippenaustragsbäuerin unter Beistandsleistung des Haslacher Pfarrers, an den churfürstlichen Hofkriegsrat nach München, um die Freistellung ihres Sohnes. Nach mehreren Schreiben wurde dem Hauptmannschaftskommissär Krenninger mitgeteilt, dass Egidi Storflinger zur »Besiezung der 2 Bauerngütl gelassen werde«. Warum aber Egidi Storflinger die beiden Anwesen nicht übernahm und Mesner wurde, ist nicht mehr bekannt. 1740 kaufte Egidi Storflinger das Gamperlanwesen in Axdorf. Gleichen Jahres starb die Mesners- bzw. Lippenbauerswitwe Magdalena Storflinger.

Georg Storflinger verzichtete auf beide Höfe und den Mesnerdienst und dessen Bruder Paul Storflinger übernahm beide Anwesen. 1740 heiratete der Hofübernehmer die Ursula »Spöhlpacher« vom Mayrgut zu Mühlen, Pf. Vachendorf. 1760 starb die junge Lippenbäuerin Ursula Storflinger mit 45 Jahren. Der Witwer heiratete darauf in 2. Ehe die Kargesstochter Ursula Sonnleithner von Haslach. 1760 wird das Lippenanwesen im Hofanlagebuch unter Nr. 626 mit einem Achtel Hoffußgröße bezeichnet. 1780 trat der alte Mesner Paul Storflinger als Zeuge auf wegen eines Beschwerdebriefes der drei Traunsteiner Müller gegen den Haslacher Pfarrer Daubrawaick. Anlass dazu war, dass der Pfarrer das Ewige Licht schon seit 27 Jahren nicht mehr unterhielt. Paul Storflinger, der 45 Jahre in Haslach den Dienst des Mesners versah, wusste deshalb am Besten von dieser Sache Bescheid. Er bezog von der Achatiusmesse 6 Kreuzer und hatte jede Messe im Kirchbuch vermerkt.

Vier Jahre vorher (1776) übergab der Lippen- und Mesnerbauer Paul Storflinger beide Höfe an seinen Sohn aus erster Ehe – ebenfalls – Paul Storflinger. Am 21. Oktober d. J. heiratete der Hofübernehmer die Huberbauerstochter Maria Koller von Traunstorf. Am 10. April 1785 starb die junge Bäuerin Maria Storflinger. Zwei Monate später, am 13. Juni, verehelichte sich der Witwer in 2. Ehe mit der Huberbauerstochter Katharina Eberl von Traunwalchen.

1808 erwarb deren Sohn Paul Storflinger (aus 2. Ehe) beide Höfe und heiratete gleichen Jahres die Bauerstochter Maria Siglreitmaier von Mühlen, Pfarrei Vachendorf. Die jungen Lippen- und Mesnerbauersleute hatten laut Gewerbe-Steuerkataster im Jahr 1810 eine personale Brot- und Brandweinverkaufs- Gerechtigkeit. Für das Brotrecht musste 1 Gulden 20 Kreuzer und für das Brandweinrecht 1 Gulden 30 Kreuzer an Gewerbesteuer gezahlt werden. Zudem bekam der Traunsteiner Landrichter 2 Gulden. 1819 war der Mesner- und Lippenbauer Paul Storflinger so stark verschuldet, dass er seine Gläubiger auf keine andere Art befriedigen konnte, als durch den Verkauf eines seiner Anwesen. Um den Mesner auf einem Gut zu erhalten, wollte man das Lippengut vom Mesnergut trennen, aber vor dieser Trennung gab es noch so manche Hürde zu überschreiten. Das königliche bay. Landgericht Traunstein erklärte in seinem Schreiben vom 8. Dezember 1819 sich nicht zu einer Trennung bereit.

In einem weiteren Schreiben vom 20. März 1820 vom Landgericht Traunstein an den Pfarrherrn und Dekan von Haslach heißt es:

»Das die 5 Haslacher Gemeindemänner (Gemeinderäte) vorstellen können, dass sich der Mesnerhof eignen würde, einer Familie den Lebensunterhalt zu gewähren«. Unter Punkt 7 heißt es u. a.: »... weil aber Paul Storflinger notweis ein liederlicher Wirtschaftsführer und ein noch liederlicher Mesner ist, so wollen die Gemeinde-Männer, dass Storflinger nicht mehr Pfarrmesner sein soll und tragen darauf an, dass entweder der Tischler, oder ein anderes taugliche Individuum, das in Haslach ein Anwesen hat, den Mesnerdienst erhalten soll. Wann also ein solcher hierzu geeignetes Individuum das Mesnergütl kauft, so kann solcher auch Mesner werden. Wenn aber die Grundherrschaft die Verteilung der 2 Güter nicht bewilligt, so mag selber selbst für den Unterhalt der Storflinger Familie sorgen«.

Am 24. April 1820 verkaufte Storflinger beide Anwesen an Andreas Siglreitmaier, Ruepp auf der Wiesen (Traunstein). Laut Gewerbesteuerkataster von 1825 der Steuergemeinde Haslach zahlte Andreas Siglreitmaier an Gewerbesteuer für das Brot- und Landweinverkaufsrecht 1 Gulden 30 Kreuzer. 1825 starb der Lippenbauer und Mesner Andreas Siglreitmaier. Gleichen Jahres verehelichte sich die Witwe mit dem Bauernsohn Sebastian Siglreitmayer von Sieglreit, Pfarrei St. Georgen.

1841 erklärte sich Sebastian Siglreitmayer bereit, sein »Zubauhaus« (Mesnerhaus) für den Schulzweck unentgeltlich zu überlassen, wenn ihm dafür eine Bierschenkkonzession gewährt würde. Aber wegen der Nähe zur Stadt Traunstein und der Konkurrenzneid der Traunsteiner Wirte, waren diese dagegen, dass in Haslach eine Wirtschaft entsteht und Bier ausgeschenkt wird. Man gab zu erkennen, dass die Tavernwirte und Bräuer, besonders in der Stadt, durch die vielen Kriegsjahre gelitten haben und nun durch die Vermehrung der wirtschaften bei den herrschenden schlechten Zeiten in noch größere Bedrängnis geraten würden, wenn vor den Toren der Stadt eine Bierschenkwirtschaft entsteht. Bei einer weiteren Überbesetzung mit Wirtschaften, vor allem vor der Stadt, würde man außerdem dem »polizeiwidrigen Unfug und der Schwelgerei und den Unordnungen, die besonders in der Klasse der Dienstboten ohnehin äußerst überhandgenommen hat, noch mehr Gelegenheit verschaffen«.

Erst 1853 bekam Siglreitmayer das Recht Bier zu zapfen bzw. zu verkaufen. Die Gründung einer Schule in Haslach unterblieb. 1857 wurde der Bau einer Schule in Angriff genommen und im November 1859 eröffnet. Der damalige 82-jährige Mesner Sebastian Siglreitmayer konnte den für ihn vorgesehenen Lehrerdienst nicht mehr ausüben und so beschloss die Haslacher Kirchenverwaltung für seine Verdienste als Mesner, aus Mitteln der Haslacher Kirche, jährlich 100 Gulden Ruhegeld zu zahlen.

Am 20. März 1853 übergingen beide Anwesen an den Sohn Sebastian Siglreitmayer. Der Übernehmer verehelichte sich mit der Schmiedtochter Therese Schwaiger von Einham. Neben der Landwirtschaft erbrachte den jungen Wirtsleuten die Gaststätte noch zudem ein lukratives Einkommen. Man nannte das Gasthaus »Zum Mesnerwirt«. Der Name blieb bis zur Jahrhundertwende erhalten. Nach mehrmaligem Verkauf des Gasthauses verlor sich der Name. 1866 starb der junge Mesnerwirt und Bauer mit 37 Jahren. Seine Ehefrau führte das Gasthaus und die Landwirtschaft bis zur Wiederverehelichung alleine. 1870 heiratete sie in 2. Ehe den aus Schärding/Österreich stammenden Ludwig Kornreder. 1886 starb die Mesnerwirtin Therese Kornreder mit 59 Jahren. Ihr verwitweter Ehemann verkaufte am Hl. Abend 1886 den Mesnergasthof mit Landwirtschaft und das Mesnergütl an den Brauereibesitzer August Huber (Höllbräu) von Traunstein.

Ein Jahr später (1887) verkaufte der Höllbräu das Mesnergütl an die Schmiedeheleute Georg und Therese Schwaiger von Haslach. Als 1899 der Höllbräu August Huber starb, verkaufte die Witwe Walburga Huber die Grundstücke des Lippen- bzw. Mesnerhofes von fast 59 Tagwerk an verschiedene Interessenten. Die Landwirtschaft auf dem Lippenhof fand dadurch ihr Ende.

Von 1901 - 1940 wurde das Gasthaus zwölfmal verkauft und einmal für ein anderes Anwesen eingetauscht. 1901 erwarb das Gasthaus Josef Ober und seine Braut Susanne Huber. Die Obereheleute führten einige Jahre beide Gasthäuser »beim unteren Wirt und beim oberen Wirt« (später Gasthaus zum Wartberg - bewirtschaftet von der Familie Bogner).

1908 verkauften die Obereheleute das Mesnergasthaus an den Brauereibesitzer Josef Binder, Höllbräu von Traunstein. Nur 10 Tage waren die Höllbrauereibesitzersleute Josef und Ursula Binder in Besitz des Haslacher Gasthauses, dann erwarb Peter Gaigl den Besitz.

1910 vertauschte Gaigl das Anwesen mit einem Besitz von Josef Perl. 1911 verkaufte dieser das Gasthaus an Max und Rosina Müller. 1912 erkaufte der Höllbräu Binder das Gasthaus wieder zurück. Von 1912 - 1919 wurde die Wirtschaft verpachtet. 1919 verkaufte Josef Binder den Gasthof an Anton Weiß. Weitere Besitzwechsel folgten: 1920 an Franz König von Penzberg, 1922 an Josef Rödl, 1923 an die Chiemgau- Fleischwaren-Industrie, 1925 an die Brauereibesitzer Binder und Schnitzlbaumer, 1930 an die Kumpfmüllerseheleute Adolf und Maria Hartl von Oberteisendorf. 1930 mussten die Hartl das Gasthaus wieder verkaufen. Wieder war der Höllbräu Binder der Käufer.

Von 1940 - 1974 blieb das Gasthaus in Besitz der Höllbrauerei Traunstein. 1974 erwarben Hubert und Anna Öttl das Gasthaus mit Metzgerei zum Besitz.

1985 wurde die Gaststätte umgebaut und vergrößert, sowie der Saal in Wohnungen ausgebaut. Jahrzehntelang diente der Saal den Haslacher Bürgern bei Hochzeiten, Versammlungen, Theateraufführungen und Faschingsveranstaltungen und dergleichen ein Haus der Zusammenkunft. 1891 wurde der Schützenverein »Edelweiß« im Gasthaus gegründet und war zugleich Schützenlokal. Anfangs wurde zuerst von der Gaststube aus durch eine Durchreiche in das Nebenzimmer geschossen. Später verlegte man den Schießbetrieb in den Saal. Als die Räume im Gasthaus nicht mehr zur Verfügung standen, verlegten 1979 die Haslacher Schützen den Schießbetrieb in das nahe gelegene Schmiedanwesen.

2008 wurde die Metzgerei im Hause zu klein und die Söhne Stefan und Markus Öttl siedelten durch einen Neubau auf das ehemalige Kasernengelände aus.

Die Gastwirtschaft ist nach mehrmaligen Pächterwechsel seit 1993 verpachtet an die aus der Steiermark stammende Wirtin Gerti Schrittwieser. 2002 heiratete sie Siegfried Hinterschnaiter.

Karl Rosenegger



7/2011