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Jahrgang 2019 Nummer 2

Das ehemalige herzogliche Jagdschloss in Ruhpolding

Erbaut 1587 – unverändert noch heute ein imposantes Gebäude

Das Herzogliche Jagdschloss Herzog Wilhelm V. ist auch noch heute – nicht nur von außen – ein eindrucksvolles Gebäude, dessen Geschichte faszinierend ist.
Der Eingang zum Heimatmuseum ist auf der Rückseite des ehemaligen Jagdschlosses. (Fotos: Giesen)
Das Schloss von vorne mit einem Hirschgeweih über dem Eingang und daneben dem Anbau der Schlosskapelle, die zugleich mit dem neuen Schloss 1587 vollendet wurde.

Im Zentrum Ruhpoldings, gleich hinter dem Hotel Zur Post, steht ein bis heute imposantes Gebäude – das sogenannte ehemalige herzogliche Jagdschloss, auch »altes Wittelsbacher Schloss« genannt. Bei wenigen Zeitgenossen ist heute noch die Geschichte seines Erbauers, Herzog Wilhelm V. von Bayern, bekannt.

Wilhelm V. – Erbauer des Gebäudes

Dieser bedeutende Herzog – der später den Beinamen »der Fromme« erhielt, – wurde 1548 als Sohn von Herzog Albrecht V. und seiner Frau Anna, der Tochter Kaiser Ferdinand I., geboren. Nach dem Ehevertrag seiner Eltern hätten er und Annas andere Nachkommen sogar ein Anrecht auf das Erbe der Habsburger gehabt, wenn diese im Mannesstamm ausgestorben wären – was bekanntlich nicht der Fall war. (Mit diesem Vertrag aber begründeten die Wittelsbacher im 18. Jahrhundert ihren Anspruch auf Österreich.)

1568 ehelichte der 20 Jahre alte Wilhelm auf Vorschlag Habsburgs in München die vier Jahre ältere, lothringische Herzogstochter Renata. Das Hochzeitsfest war wohl das größte und teuerste, das jemals in den Mauern Münchens gefeiert wurde: ihre Vertreter schickten der Papst, der Kaiser, der König von Spanien, die Königin von Polen, die Kurfürstin von der Pfalz und viele andere Fürsten oder sie kamen selbst mit großem Gefolge wie der Erzherzog von Tirol und Steiermark oder der Herzog von Württemberg. Die Braut wurde von sechstausend Reitern, die sie in Dachau erwarteten, in ihre künftige Residenzstadt geleitet. Als ihr, von sechs Schimmeln gezogener, Wagen in die Stadt einfuhr, wurde sie mit Salutschüssen von den Wällen sowie mit dem Klang von Pauken und Posauen empfangen. Beim Festmahl, das sich der Trauung durch Otto von Truchseß anschloss, servierten nur hohe Adelige unter den Klängen der Hofkapelle. Diese Münchner Hochzeit wurde so berühmt, dass von ihr noch 20 Jahre später im »Volksbuch von Dr. Faust« voller Bewunderung und Staunen gesprochen worden ist. Wie prachtvoll zum Beispiel das Turnier auf dem Marienplatz ablief, zeigt noch heute ein zeitgenössisches Tafelbild im Nationalmuseum.

Da sein Vater Albrecht noch lebte und regierte, ließ sich Wilhelm mit seiner Frau zunächst in seiner Geburtsstadt Landshut nieder und machte aus der Burg Trausnitz vor allem mit Hilfe seines niederländischen Architekten und Malers Friedrich Sustris einen Musenhof. Er ließ die italienischen Arkaden anlegen und gab den Auftrag für die prächtige Innenausstattung im Stil der Renaissance, die beim Brand von 1961 allerdings zum Teil zerstört wurde.

Im Laufe seiner Regierungszeit errichtete sich Wilhelm bedeutende Baudenkmäler, so die Michaelskirche und das Jesuitenkolleg in München. Aber auch das 1585 erbaute, neue herzogliche Jagdschloss in Ruhpolding gehört dazu. Wilhelm war wie sein Vater Albrecht V. ein leidenschaftlicher Sammler. Er erwarb Bilder, Geschmeide und Kunstwerke, hatte aber auch eine Schwäche für Hofnarren, Zwerge und exotische Tiere. Wie sein Vater lebte er oft weit über seine finanziellen Verhältnisse. Nach einer lebensgefährlichen Krankheit aber kam die Wende: er wandte sich zunehmend religiösen Dingen zu. Je älter der Fürst wurde, desto eifriger widmete er sich und sein Geld der Kirche, was auch an der schön ausgeschmückten Kapelle des herzoglichen Jagdschlosses zu sehen ist, die 1587 erbaut wurde.

Wilhelm V. ist es aber auch zu verdanken, dass in Bayern das erste Bockbier gebraut wurde. Die ständigen Beschwerden des Hofgesindes über die schlechte Qualität des von Münchener Brauereien gelieferten Bieres führten 1589 dazu, dass ein eigenes »Hofpreuhaus« gegründet wurde. Es entstand im Trakt des Alten Hofes in München, beim heutigen Zerwirkgewölbe. Dort wurde das erste »Bockbier« gebraut. Der Name kommt von der Stadt Einbeck in Niedersachsen, wo man bereits seit 200 Jahren hoch vergorenes Bier mit hohem Hopfenanteil braute. (Zum Namen: »Einpöckisch Bier = Pockbier = Bockbier). Wahrscheinlich stand dem Münchner »Hofpreuhaus« ein Einbecker »Braucher« mit Ratschlägen zur Seite.

Mit 49 Jahren, in 1597, zog sich Wilhelm V. aus den Regierungsgeschäften zurück und überließ das Land seinem Sohn Maximilian, dem »Großen Kurfürst«, wie er später genannt wurde. In den 28 Jahren, die Wilhelm nach seiner Abdankung noch lebte, widmete er sich vor allem der Kirche und Werken der Nächstenliebe. Nach dem Tod seiner Frau Renata im Jahr 1602 bezog er die kurz zuvor in der Abgeschiedenheit des Dachauer Mooses erbaute Schwaige Schleißheim. Dort besaß der alte Herzog ein Ökonomiegebäude mit drei Höfen und einem Herrenhof, von dessen mehr als 40 Zimmern er nur zwei bewohnte. Früher, so wird berichtet, hatte Wilhelm eine Wallfahrt ins Heilige Land gelobt. Da er dieses Gelöbnis nicht einhalten konnte, ließ er auf seinem Besitz in Schleißheim neun kleine Kirchen anlegen, die ihm Sinnbild für die neun Hauptkirchen Roms waren. Täglich besuchte der alte Herzog diese Stätten zum Gebet, sodass er angeblich bis zu seinem Tod die Strecke zurückgelegt hatte, die dem Weg nach Jerusalem entsprochen haben soll. Als er 1626 starb, war der Dreißigjährige Krieg bereits acht Jahre im Gange. Wilhelm wurde in der Gruft von St. Michael begraben.

Zurück zum Jagdschloss in Ruhpolding. Die Rede war bisher immer vom »neuen Schloss«, das Wilhelm V. erbauen ließ, weil das alte, bereits 1537 von Wilhelm IV. erbaute Schloss zu eng und unbequem geworden war. Dieses stand zwischen dem Gasthof zur Post und dem jetzigen Jagdschloss. Es ist kein Bild von diesem herzoglichen Bau erhalten, aber aus Aufzeichnungen geht hervor, dass es ein recht einfacher, massiver Bau mit vier Türmchen gewesen sein soll. Es besaß 32 Fenster und neun Öfen. Dieses ursprünglich erste Schloss fiel »aus Altersschwäche« 1727 ein. Das Material wurde dann in den 1730er Jahren zum Bau der Pfarrkirche St. Georg verwendet.

Der einfache Renaissance-Bau des »neuen« Jagdschlosses ist jedoch auch heute noch unverändert vorhanden und diente bis 1966 als Forstamtsgebäude. Nach dem Erwerb durch die Gemeinde ist hier heute das Bartholomäus-Schmucker-Heimatmuseum untergebracht.

Umfangreiche Sammlung von Waffen

An seine alte Verwendung als Jagdschloss erinnert besonders die umfangreiche Sammlung von Militär- und Jagdwaffen. Sie gliedert sich in Schuss- und Blankwaffen sowie Uniformen, Ausrüstungsstücke, Gemälde und Orden. Dabei wird auf die Entwicklungsgeschichte der einzelnen Objekte, so weit wie möglich hingewiesen. Zum Beispiel ist die Entwicklung der bayerischen Militärgewehre vom Steinschloss-Infanteriegewehr von 1790 bis zum Karabiner 1945 fast lückenlos dargestellt. Der Blankwaffenbestand liegt mit seinem Schwerpunkt von 1704 bis 1750 und stammt zum überwiegenden Teil aus dem spanischen und österreichischen Erbfolgekrieg, als die Panduren plündernd durch das Miesenbacher Tal zogen.

Etwas Besonderes aus dem Soldatenleben ist das aufwändig gestaltete Stammtischzeichen der Ruhpoldinger Veteranen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das 2015 für die Ausstellung »Napoleon und Bayern« in Ingolstadt entliehen wurde. Auf dem trommelförmigen Rundbild wird das gemütliche Beisammensein im Wirtshaus wie auch Schlachtengetümmel dargestellt und im Aufsatz mit Bekrönung das Bild König Ludwig I. umrahmt von Miniaturkanonen gezeigt.

Bedeutend sind auch die vielen Jagdwaffen und Jagdutensilien: Windbüchsen, Wildererstutzen, Zwillinge und andere Jagdgewehre sowie Hirschfänger, Jagdschwerter, Pulverflaschen, Kugelzangen, Schützenscheiben und vieles andere mehr. Sie geben Zeugnis davon, wie intensiv die Jagd in vergangenen Zeiten in der hiesigen Region betrieben wurde.

 

Christiane Giesen

 

2/2019