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Jahrgang 2002 Nummer 13

Hans Kaufmann – der Maler des Georgirittes

Ein Beitrag zu einer Ausstellung im Heimathaus Traunstein

Der Maler Hans Kaufmann
Der Maler Hans Kaufmann
Der Georgiritt in Traunstein, Gemälde von Hans Kaufmann (1941)

Der Georgiritt in Traunstein, Gemälde von Hans Kaufmann (1941)
Festpostkarte zur 800 Jahr Feier Traunsteins 1926

Festpostkarte zur 800 Jahr Feier Traunsteins 1926
Der am Ostermontag stattfindende Georgiritt und ein vom Traunsteiner Museum erst kürzlich aus Privatbesitz erworbenes Gemälde, das diesen feierlichen Wallfahrtsritt darstellt, bieten willkommenen Anlass, im Rahmen einer Ausstellung an einen bedeutenden Künstler zu erinnern, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum einhundertvierzigsten Male jährt.

Hans Kaufmann(1) wurde am 21. Dezember 1862 in Hohenschwangau geboren. Bereits in jungen Jahren, im Alter von erst fünfzehn, erhält der talentierte Schüler seine grundlegende Ausbildung an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München. Er besucht Kurse und Vorlesungen bei den Professoren Romeis, Barth, Strähuber, Krell, Seeberger und Rüdiger. Zum Lehrangebot zählen Fächer wie plastische Anatomie, Kunstgeschichte, Figurenzeichnen, Aktzeichnen, figürliche Dekoration und Ornamentzeichnen. Mit einem ausgezeichneten Abschlusszeugnis in der Tasche wechselt Kaufmann 1882 in die Naturklasse der Akademie der Bildenden Künste. Die Professoren Ferdinand Barth und Wilhelm von Lindenschmidt d.J. werden ihm wichtige Lehrer. Während der Studienzeit ergeben sich vielfältige Freundschaften. Kaufmann verkehrt in der Münchner Künstlergenossenschaft Allotria und trifft hier beispielsweise auf Franz von Stuck, Leo Samberger oder Carl Ludwig Sand. In München lernt Kaufmann auch Marie Mangold, die Tochter eines Dekorationsmalers kennen, die er 1885 heiratet. Als freischaffender Künstler macht er sich in Kunstkreisen schnell einen Namen. Anlässlich der Kunstgewerbeausstellung in München erhält er beispielsweise 1888 einen Ehrenpreis zuerkannt und wirkt unter anderem an der Restaurierung der Heiliggeist-Kirche in München oder am Hoftheater mit. Daneben schafft er zahlreiche Illustrationen für Bücher und Zeitschriften, wie etwa die »Fliegenden Blätter«. Hinzu kommen Aufträge für die Gestaltung von kunstgewerblichen Arbeiten sowie Entwürfe für die seinerzeit noch in den Kinderschuhen steckende Werbung. Deutlich offenbart sich in all diesen Werken die hohe zeichnerische Begabung und Sicherheit Kaufmanns. Dieses Wissen gibt Kaufmann 1894 bis 1895 als Professor an der Illustrationsklasse der Damenakademie des Künstlerinnen-Vereins in München weiter.

Etwas unklar bleibt, weshalb der erfolgreiche Maler 1896 seinen Wohnsitz aus der Großstadt zunächst ins ländliche Ruhpolding verlegt und dann 1913 nach Traunstein zieht, das ihm zur eigentlichen Heimat werden sollte. Während einer äußerst fruchtbaren Schaffensphase von über drei Jahrzehnten entstehen nun zahlreiche Porträts, Landschaftsbilder, Zeichnungen, Aquarelle, Entwürfe für Medaillen und Buchillustrationen, die sich heute fast ausnahmslos in Privatbesitz befinden.

Für das Erdgeschoss des Traunsteiner Heimathauses, das einst ein Alpwirtschaftliches Museum beherbergte, malte Kaufmann 1911 ein vielbeachtetes »Alpenpanorama«(2), außerdem fertigte Kaufmann für das Heimathaus neun Kopien salinengeschichtlicher Bilder, die bis heute im Museum verwahrt werden. Kaufmanns Bedeutung für Traunstein dokumentieren auch die Entwürfe für die Notgeldscheine(3) oder die Gestaltung der offiziellen Festpostkarte zur 800 Jahr Feier der Stadt. Für das erzbischöfliche Studienseminar schuf der Künstler die Stationen eines Kreuzweges, erwähnenswert ist auch ein Votivbild aus seiner Hand für die Wallfahrtskirche Maria Eck. Studienreisen, die eine Hinwendung zum Landschaftsbild erkennen lassen, führen Kaufmann ins Zillertal und nach Südtirol.

Unvollendet blieb seine letzte große Arbeit, ein mehrteilig konziperter Parzival-Zyklus, für den sich jedoch einige Entwürfe und Vorstudien erhalten haben, die sehr anschaulich den Werkprozess zu illustrieren vermögen.

Kaufmanns Spätwerke haben überwiegend Leben und Geschichte der Stadt Traunstein zum Thema. Sein Lieblingsmotiv war zweifelsfrei der Georgiritt, den er in zahlreichen Versionen im Bild fest hielt und der ihn, weit über die Grenzen Traunsteins hinaus, bis nach Amerika, bekannt machte. Ross und Reiter, das Ettendorfer Kircherl und der Lindl fanden versatzstückhaft aber auch immer wieder Verwendung bei der Gestaltung von Kalendern, Plakaten und Postkarten. Wie sehr dem Künstler der Chiemgau ans Herz gewachsen ist, zeigt sich auch bei der Behandlung von Stoffen aus heidnisch-germanischer Zeit: Nordische Götter und sagenhafte Helden wie Thor oder Baldur erscheinen in Kaufmanns Bildern auffallend häufig vor der Kulisse des Chiemsees und der Chiemgauer Alpen. Ein Augenleiden bereitete dem Maler in den letzten Lebensjahren zunehmend Probleme, am 12. August starb er nach kurzer Krankheit.

Hans Kaufmann war Mitbegründer des »Freien Traunsteiner Künstlerkreises«. Gemessen an seinem umfangreichen Werk für die Stadt darf man ihn wohl zu Recht als »Traunsteiner« Maler bezeichnen.

Mit seinen beiden engen Freunden, Josef Angerer, dem Stifter des Heimathauses und Dr. Georg Schierghofer, dem »Umritt-Doktor«, verband den Künstler die Liebe zur Heimatgeschichte, um die er sich mit seinem Schaffen für das Museum ganz besondere Verdienste erwarb.

Mit seiner lockeren Malweise, seiner hohen koloristischen Begabung, der bravourösen Beherrschung der Wasserfarbe und dem enormen zeichnerischen Talent lässt sich sein Stil am ehesten der impressionistischen Richtung der Münchner Schule(4) zuordnen, zugleich steht Kaufmann in der Tradition der Chiemseemaler, deren Malweise er bis in die 1940er Jahre auf das Beste weiterführt und zu einer letzten Blüte verhilft.

Die Ausstellung im Heimathaus Traunstein ist bis 28. April zu besichtigen und auch am Ostermontag geöffnet. Sie dokumentiert Leben und Werk des Künstlers. Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 15 Uhr, sonntags bis 16 Uhr.


Anmerkungen:
1. Für Hinweise zu Leben und Werk dankt der Verfasser den Nachkommen Hans Kaufmanns, insbesondere den Familien Albert Kaufmann (München) und Fritz Lechner (Traunstein), Frau Gusti Ortolf (Traunstein), Frau Edda Miller (Traunstein) sowie Gabi und Max Mitterbichler (Bergen) und auch Herrn Sigi Strohhammer (Traunstein). Außerdem verwahrt das Stadtarchiv Traunstein und der Signatur S 443 einen Akt über Hans Kaufmann.
2. Das Alpenwirtschaftliche Museum im Heimathaus, das damals einzige im süddeutschen Raum, wurde 1911 eröffnet. Kaufmanns »Alpenpanorama« befand sich dort bis in die Mitte der 1940er Jahre.
3. Kaufmann gestaltete offenbar auch für andere Orte Notgeldscheine, nachweislich so z.B. für die Gemeinde Buttstädt/Thüringen.
4. Vgl. hierzu auch: Sonja Baranow. In: Bruckmanns Lexikon der Münchner Kunst. Münchner Maler im 19. Jahrhundert. Band 2. München 1982, S. 278 (dort weitere Literaturangaben)

JM



13/2002