Viele Läden öffnen nur für Termin-Shopping nach Corona-Test

Weniger Ausnahmen und Öffnungen mit Test bei höheren Inzidenzen - die Spielregeln im Handel haben sich seit Montag geändert und sorgen für Ärger.


München (dpa/lby) - Der bayerische Handel ist mit den neuen Regelungen zu Ladenöffnungen schlecht in die Woche gestartet. »Ein Händler hat mir gesagt: »Es ist Montag, mieses Wetter und Untergangsstimmung«, fasste der Geschäftsführer des Handelsverbandes Bayern, Bernd Ohlmann, die Lage zusammen. Viele Händler würden angesichts der nun geltenden Regeln »die Hände über dem Kopf zusammenschlagen«.

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Seit Montag gelten vor allem zwei Änderungen. Zum einen verlieren Baumärkte, Buchgeschäfte, Blumenläden oder Schuhgeschäfte das Privileg, als Geschäfte des täglichen Bedarfs unabhängig von der Inzidenz öffnen zu dürfen. Das habe am Montag häufig zu Problemen geführt, weil Kunden überrascht wurden. »Die standen dann verwundert vor der Türe und waren wütend, wenn sie nicht rein durften«, sagt Ohlmann. Auch hier sei der Handel vor Ort wieder einmal das Ventil und bekomme den Ärger der Menschen ab.

»Viele Buchhändler haben zuletzt ihre Lager gefüllt, um für die Kunden vorbereitet zu sein«, beklagt der Landesverband des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Manche hätten dafür sogar Kredite aufgenommen, im Vertrauen, weiter öffnen zu dürfen. Nun sei die Verunsicherung groß. Beim Bundesverband Heimwerken, Bauen, Garten kritisiert man die Umstellung ebenfalls.

Die andere neue Regel ist, dass bei Inzidenzen über 100 Geschäfte für Kunden mit Termin und aktuellem negativen Schnelltest öffnen dürfen. Bislang war hier nur Abholung erlaubt. »Da würde man zunächst denken, dass das eine Verbesserung ist«, sagt Ohlmann. »Aber dadurch, dass die Messlatte so hoch gelagert ist, ist es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.« Das Interesse der Kunden sei bisher nur sehr gering, und auch Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigten, dass der Umsatz sinke. »Für viele Unternehmen stellt sich da die Frage, ob der Aufwand den Nutzen wert ist«, sagt Ohlmann.

Ärger um die Frage, wer öffnen darf, gibt es schon länger. Alleine seit Anfang April hat die Polizei dutzende Male Geschäfte in vielen Teilen Bayerns wieder geschlossen oder deren Schließung veranlasst, wie eine Umfrage bei den Polizeipräsidien ergab.

In vielen Fällen ging es um Filialen den Modeketten Kik und Takko. Takko beruft sich dabei auf ein Urteil des bayerischen Verwaltungsgerichtshof vom 31. März, das Schuhgeschäften die Öffnung erlaubte. Dies sei auf den Kleiderhandel übertragbar, argumentiert das Unternehmen. Mit den seit Montag geltenden Regeln ist dieses Urteil allerdings bereits wieder passé. Von Kik heißt es dagegen, es gehe bei den Öffnungen seit Karsamstag nicht um Protest oder das Thema Schuhe. Stattdessen argumentiert das Unternehmen, dass seine Geschäfte für die tägliche Versorgung »unverzichtbar« seien. Seit Montag hat aber auch Kik nach eigenen Angaben auf die neuen bayerischen Regeln umgestellt.

© dpa-infocom, dpa:210412-99-167512/3


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