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Wacken ist mehr als Heavy Metal

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Wacken Open Air Festival 2013
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Heino und Till Lindemann rocken Wacken. Foto: Carsten Rehder Foto: dpa
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Til Lindemann von Rammstein. Foto: Axel Heimken Foto: dpa
Wacken Open Air Festival 2013
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In Wacken wird gemetalt. Foto: Carsten Rehder Foto: dpa
Wacken Open Air Festival 2013
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Überraschung: Heino und Rammstein in Wacken. Foto: Carsten Rehder Foto: dpa

Wacken (dpa) - Ein bisschen wie ein Fremdkörper wirkt Heino dann doch, als er plötzlich lächelnd zwischen den grimmig dreinblickenden Rockern von Rammstein steht.


Der Schlagersänger hat sich für einen auffallend roten Mantel entschieden. Zur Garderobe von Rammstein-Sänger Till Lindemann gehören eher die dunklen Töne. Rot wird es bei der Rammstein-Show vor allem, wenn Lindemann wieder mit Kunstblut hantiert. Aber: Wacken vereint. Hier die Band, die Lieder wie «Bück dich» im Repertoire hat. Dort der 74-jährige Heino, der für Schunkler à la «Blau blüht der Enzian» bekannt ist - selbst wenn er kürzlich ein Rock-Album aufgenommen hat. Gemeinsam stehen sie vor Zehntausenden «Metalheads» auf der Bühne.

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Einige hartgesottene Rammstein-Fans schütteln erkennbar den Kopf, als der Überraschungsauftritt vorüber ist. Insgesamt sind die Reaktionen aber freundlich, wenn auch eher verhalten. Heino bekommt artig Applaus. Das hat auch den Grund, dass in Wacken lockere Spaßmusik keine Seltenheit ist. Das Wacken Open Air (W:O:A) gilt zwar als größtes Heavy-Metal-Festival der Welt, eine Prise Klamauk hat aber Tradition. Im Fall der Wackener Feuerwehrkapelle wird sie sogar regelrecht verehrt.

«Wacken, Wacken, Feuerwehr!» schallt es über das Festivalgelände, als die «Firefighters» den letzten Ton geblasen haben. «Wahnsinn. Normalerweise sind für uns 500 Leute schon viel. Hier auf dem Festival sind es gefühlt 100 000», sagt Hans-Otto Kählert, noch ein wenig aufgekratzt von der Show. Der 46-Jährige hilft in diesem Jahr am Altsaxophon aus. Während Rammstein in New York und Madrid auftreten, ist Kählerts musikalische Heimat eigentlich der Feuerwehrmusikzug in Hanerau-Hademarschen. Bei Wacken treffen sie aufeinander. Die Dorfkapelle gehört seit 2003 zur festen Tradition.

«Wacken ist doch groß genug für alle», sagt der Mambo Kurt. Er spielt in Wacken seit 2004 Konzerte an einer Heimorgel mit einem, nun ja, sehr speziellen Sound. Als der 46-Jährige anfing, war seine Bühne für etwa 150 Leute ausgelegt. Es kamen dann aber über 2500. «Ich bin in Wacken derjenige, der Songs spielen darf, die sich sonst keiner traut, öffentlich zu spielen», sagt er nach der ersten Show. Sprich: Mit dem Mambo Kurt, der seinen wahren Namen nicht verraten will, findet auch Eurodance von Dr. Alban in Wacken statt.

«Wenn ich 60 Kapellen mit einem langhaarigen Gitarristen gesehen habe, ist es für den einen oder anderen Fan spannend, etwas Nonsens zu sehen», erklärt Festivalgründer Thomas Jensen die Mischung. So lange immer irgendwo eine Metal-Band zu hören sei, werde das Konzept des Festivals nicht verwässert. Der Vorwurf, Wacken sei fast Ballermann, prallt an Jensen ab. Spaßkapellen habe es in Wacken immer gegeben und im Grunde entscheide doch das Publikum. «Wenn eine Band wie Blechblos'n gut ankommt, dann werden die wieder eingeladen. So läuft das», erklärt Jensen.

Eben jene Blechblos'n - Untertitel «Die bayrische Band» - spielen seit 20 Jahren in München auf dem Oktoberfest. Und zum dritten Mal in Wacken. «Wir bauen zum Beispiel mal einen Walzertakt in eine Rammstein-Nummer ein. Das würden die wohl nie machen», erklärt Reinhard Unsin das Prinzip seiner Blaskapelle. Die Männer treten angemessen zünftig auf und sprechen breiten Dialekt. «Wir würden gerne irgendwann mal auf der Hauptbühne spielen, egal wie», sagt Unsin. Heino hat ja vorgemacht, wie es geht.

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