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Umjubelt

Uraufführung von «Frau Schindler» in München

Er hat rund 1200 Juden vor der Mordmaschinerie der Nazis bewahrt. Hollywood machte die Geschichte von Oskar Schindler vor mehr als 20 Jahren bekannt. Seine Ehefrau blieb im Schatten. Nun holt eine Oper die Geschichte von Emilie Schindler ins Licht.

«Frau Schindler»
Katerina Hebelková (Emilie Schindler) und Mathias Hausmann (Oskar Schindler) im Gärtnerplatztheater in München. Foto: Christian POGO Zach/Gärtnerplatztheater Foto: dpa

München (dpa) – Sie war die starke Frau hinter dem mutigen Mann: Emilie Schindler, Ehefrau des sudetendeutschen Industriellen Oskar Schindler. Ihr widmet das Gärtnerplatztheater in München nun die Oper «Frau Schindler».

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Bei der umjubelten Uraufführung in der ausverkauften Reithalle am Donnerstagabend zeigte Katerina Hebelková die Hauptrolle als eine stille Heldin, die am Ende aber von allen verlassen wird.

Oskar Schindler hatte während des Zweiten Weltkriegs rund 1200 Juden vor dem Tod in Vernichtungslagern bewahrt, berühmt ist er 1993 durch Steven Spielbergs «Schindlers Liste» geworden. Seine Ehefrau Emilie fand in dem Kinofilm kaum Beachtung, und bildete doch in Wirklichkeit sein Rückgrat. Thomas Morse und Kenneth Cazan stellen sie in ihrer Charakterstudie «Frau Schindler» nun in den Mittelpunkt: als Frau an seiner Seite, als das stille Helferlein neben dem gefeierten Helden. Doch eine Große machen sie aus Emilie nicht.

Denn trotz all ihres zur Schau gestellten Durchsetzungsvermögens hadert sie mit sich, ihrem Schicksal und vor allem mit ihrem Ehemann. Eine Scheidung kommt in den 1940er Jahren nur gedanklich in Frage, also reagiert Emilie mehr als das sie agiert. So wird sie eines Nachts aus dem Bett gezerrt, als 250 halbtote Juden mit dem Zug «angeliefert» werden. Ihr Mann schlummert derweil weit weg mit der Geliebten im Bett.

An Oskar Schindlers Denkmal sägen Regisseur Cazan und Komponist Morse in ihrer Auftragsarbeit für das Theater also gewaltig. Er hat die schaumigen Ideen, die harten Konsequenzen muss die Ehefrau ausbaden. Eine Gut-Böse-Zeichnung wie sie im Buche steht.

Mit einer gewissen Starrheit hat auch Kapellmeister Andreas Kowalewitz zu kämpfen. Er leitet sein Orchester zwar mit viel Feingefühl, Detailliebe und bringt zugleich eine gewisse Leichtigkeit in das schwere, aber wichtige Thema. Doch in der Komposition von Thomas Morse bleibt dem Orchester oft nur die Unterstützerrolle, Akzente zu setzen ist schwer. Auch die Sänger haben es nicht einfach: Zu viel soll erzählt werden, die Masse an Text wirkt wie ein Ballast, eine eigenständige Figurenzeichnung ist so schwer umsetzbar.

Dass Katerina Hebelková trotzdem in der Hauptrolle brillieren kann, ist aber von Beginn an klar. Alles ist auf sie zugeschnitten, sogar die Rundbühne. Schicht um Schicht wie eine Zwiebel legt sie die Wahrheit über das Leben der Industriellengattin Schindler frei. Die Mezzosopranistin wirft sich in die Rolle hinein, zeigt eine sehr menschliche, mit sich ringende Emilie. Als alte, von allen im Stich gelassene Frau ist sie am besten.

Bariton Mathias Hausmann dagegen hält als Oskar Schindler bis zum Ende die (Helden)-Fassade aufrecht. Diese lässt er erst bröckeln, als es um seine eigene mögliche Verhaftung geht. Doch das ist nur von kurzer Dauer.

Eine Überraschung ist Jennifer O'Loughlin. Die Sopranistin entwickelt sich vom stummen, ergebenen Hausmädchen Marthe zur Freundin Emilies mit eigener Stimme und kämpferischem Willen. Aber trotz aller Schwüre: Am Ende bleibt Emilie mutterseelenallein zurück.

Oper "Frau Schindler"