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The Unwinding Hours live in Hamburg

Hamburg (dpa) - Die schottische Gitarrenband The Unwinding Hours ist mit ihrem aktuellen zweiten Album «Afterlives» auf Tournee und spielte am Donnerstag in der gut gefüllten Hamburger Konzert-Location Knust.

The Unwinding Hours
Lachende Schotten: Craig Beaton und Iain Cook. Foto: Neale Smith Foto: dpa

The Unwinding Hours bestehen im Kern aus dem Sänger & Gitarristen Craig B. und dem Gitarristen Ian Cook. Beide waren schon Mitglieder der Band Aereogramme, die Anfang des letzten Jahrzehnts mit dem Album «A Story In White» und besonders mit dem Song «Post Tour, Pre-Judgement» musikalische Gefühlsausbrüche neu definierte.

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Aereogramme beherrschten das zu dieser Zeit beliebte Laut & Leise-Gitarrenspiel wie ihre schottischen Kollegen Mogwai perfekt, konnten diesem Genre allerdings einige neue, unter anderem auch tieftraurige Dimensionen hinzufügen. Aereogramme brachten 2007 ihr letztes reguläres Album raus. 2010 veröffentlichten The Unwinding Hours ihren ersten selbstbetitelten Longplayer.

Am Donnerstagabend betraten The Unwinding Hours in fünfköpfiger Besetzung um Punkt 22.00 Uhr die Bühne des Hamburger Knust und starteten mit «Break», dem ersten Song des neuen Albums. Das Konzert war von Beginn an sehr emotional und wechselte wie in alten Aereogramme-Tagen zwischen mitreißenden Stücken und ruhigen melancholischen Songs. Dass die Band noch laut und dröhnend sein kann, bewies sie unter anderem mit dem aktuellen Song «Wayward», der zum Ende hin immer heftiger wurde und an alte glorreiche Konzerttage der Vorgängerband erinnerte.

Gegen 23:00 Uhr endet der reguläre Auftritt von The Unwinding Hours und es gab eine einzige Zugabe mit einem ruhigen akustischen Stück, bei dem das Publikum dem hohen und bewegenden Gesang von Craig andächtig lauschte. Dieser ruhigen Nummer folgte ein typischer Abrissbirnen-Song, bei dem die gesamte Band die Saiteninstrumente zum Schluss in dröhnende Feedback-Schleifen schickte.

Bemerkenswert an diesem Konzert war sicherlich die hohe Emotionalität, zu der Craig im Interview meinte, dass Aereogramme und seine aktuelle Band immer großen Wert darauf legten, ihr gesamtes Gefühlsspektrum zu vertonen. Beim Aereogramme-Songwriting war hier noch die Wut junger Männer im Spiel. Das Songwriting bei The Unwinding Hours ist hingegen erwachsener geworden, was laut Craig auch für das aktuelle Publikum gilt, das bei Konzerten nicht mehr die Schreiorgien alter Tage einfordert.

Angesprochen auf die Auflösung von Aereogramme meinte Craig, dass 2007 einfach das Ende der Band gekommen sei. Die Gründung von The Unwinding Hours hingegen war der Tatsache zu verdanken, dass Craig wieder begann, Songs aufzunehmen und irgendwann feststellen musste, dass Qualität und Anzahl der Aufnahmen für ein Album ausreichten. Dieses selbstbetitelt Album wurde 2010 wie schon eh und je bei dem Glasgower Label Chemikal Underground veröffentlicht.

Der Grund für den Erfolg dieses Labels sowie der der dort ansässigen Musikszene an sich, ist laut Craig der unprätentiösen Art der Glasgower zu verdanken. In Glasgow würde kein Musiker auf die Idee kommen, sich als Künstler zu bezeichnen. Ebenfalls versuchte man in Glasgow nicht, London nachzueifern oder eine Karriere in oder aus London heraus zu starten. Anstatt dessen arbeitet man dort in der lokalen Szene ausdauernd und eigenständig an seinen musikalischen Ideen.

Diese unprätentiöse und ehrliche Art zeigte Craig auch, als er über sein intensivstes Konzerterlebnis berichtete. Dieses fand noch zu Aereogramme-Zeiten in Deutschland vor einer überschaubaren Anzahl treuer Fans statt. Die Band hatte an diesem Abend eine pannenreiche Anreise und die ganze Frustration über den Tourstress und die intensive Interaktion mit den völlig begeisterten Fans während des Konzertes führten dazu, dass Craig bei aller Wut und Begeisterung so besessen spielte, dass er beim Song «Wood» den Hals seiner Gitarre zerbrach.

Soviel musikalische Hingabe sollte eigentlich auf Dauer belohnt werden, trotzdem sind The Unwinding Hours wie auch schon die Vorgängerband immer nur ein Geheimtipp geblieben. Craig und seiner Band ist zu wünschen, dass sie mir ihrer unvergleichlichen Musik irgendwann einmal ganze Arenen füllen.

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