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Selig: Wir sind fünf unterschiedliche Kraftfelder

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Fünf Männer im Watt. Foto: Thomas Rabsch Foto: dpa

Berlin (dpa) - Sie gehörten zeitweise zu den beliebtesten und am meisten gefeierten deutschen Rockgruppen, doch der Druck war zu groß: 1999 lösten sich Selig auf.


Doch zehn Jahre später fanden sie wieder zusammen - es entstanden die Alben »Und endlich unendlich« und »Von Ewigkeit zu Ewigkeit«. Nun kommt ihr drittes Album nach dem Neustart heraus. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sprachen Sänger Jan Plewka und Bassist Leo Schmidthals über lavaartige Songs und englische Gentlemen.

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Wie sind Sie auf den Albumtitel »Magma« gekommen?

Schmidthals: »Auf einer Bahnfahrt von Hamburg nach Berlin kamen wir auf Magma, weil wir das benennen wollten, was bei uns passiert, wenn wir zusammenarbeiten. Der Begriff Magma passt darauf sehr gut. Als wir später dann im Studio waren, haben wir oft festgestellt: "Nee, das ist noch nicht genug Magma." Und auch unser Produzent Steve Power hat gesagt: "Packt etwas mehr Magma rein."«

Magma ist ja sehr heiß und es fließt unkontrolliert - trifft das Ihrer Meinung nach auch auf das Album zu?

Plewka: »Wir sind fünf ziemlich verschiedene Typen und fünf unterschiedliche Kraftfelder. Wenn die alle in einem Raum sind, dann brodelt da etwas. Das ist dann heiß, aufregend und gefährlich. Man weiß, dass es irgendwann zu einer Eruption kommen kann, zu einem Vulkanausbruch. Und dann fließt die Lava.«

Sie haben das Album in England aufgenommen, in einem kleinen Dorf. Da hätte man ja erwarten können, dass die Songs mehr Ihre eigene Innensicht widerspiegeln, aber dem ist nicht so, warum?

Plewka: »Die Lieder drehen sich um Zwischenmenschlichkeit und darum, die Welt etwas besser zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat. Es geht auch um Krisen, es geht darum, Arbeit und Familie auf die Reihe zu bekommen. Und es dreht sich darum, insgesamt ein Gleichgewicht zu finden.«

Sie haben wieder mit einem Produzenten zusammengearbeitet, mit Steve Power. Er hat schon mit vielen internationalen Künstlern zusammengearbeitet, zum Beispiel mit Blur. Wie war die Arbeit mit ihm?

Plewka: »Steve Power ist ein englischer Gentleman. Also wenn wir einen Track gut gespielt haben, dann hat er nicht großspurig gesagt: "Kommt, das wird noch in 100 Jahren gut sein und wir suchen uns schon mal fette Autos aus", sondern er sagte leise, fast geflüstert: "Okay, that was good. Lasst uns mal in die Aufnahme reinhören." Das Album ist auf sehr schöne englische Art und Weise entstanden: höflich, psychedelisch und er hat uns auf eine neue Ebene gehoben.«

Wie hat das das Album verändert?

Schmidthals: »Durch seine Mithilfe ist es wirklich ein Album geworden, weil er die Reihenfolge festgelegt hat. Es hat einen guten Fluss von vorne nach hinten.«

Interview: Dirk Steinmetz, dpa

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