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Pop-Jahr 2012: Schrille Typen und Ohrwürmer

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Lykke Li
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Hit mit Verspätung: Lykke Li. Foto: Britta Pedersen Foto: dpa
Cro
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Der Mann mit der Pandamaske: Cro. Foto: Oliver Berg Foto: dpa
Psy
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Ein Phänomen: Psy. Foto: Stephen Morrison Foto: dpa
Lady Gaga
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Großer Auftritt für Lady Gaga. Foto: Matteo Bazzi Foto: dpa
Loreen
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Loreen hat 2012 den Eurovision Song Contest gewonnen. Foto: Emilio Naranjo Foto: dpa
Whitney Houston
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Erinnerung an Whitney Houston. Foto: Dennis M. Sabangan Foto: dpa
Robbie Williams
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Robbie Williams kehrte auf den Pop-Thron zurück. Foto: Ingo Wagner Foto: dpa

Berlin (dpa) - Europas Ohrwurm 2012 ist erst mit einem Jahr Verzögerung zum Hit geworden: »Ei, ei, vollo« sangen sogar Kinder auf der Straße. Und überall - egal, ob in Frankfurt, Paris oder Mailand - löste das Lied »I Follow Rivers« der Schwedin Lykke Li gute Laune aus.


Dabei war der Song schon im Frühling 2011 auf den Markt gekommen, doch im Magician Remix startete das Lied erst in diesem Jahr so richtig durch und wurde weit erfolgreicher als die Originalversion. Zum »Ran«-Track bei der Fußball-Champions-League erkoren, war das Lied monatelang in den Single-Charts.

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Ohrwurm und Schweden? Ohrwurm und Fußball? Da waren doch noch andere Songs, auf die diese Kombinationen passen... Der Eurovision Song Contest brachte 2012 mal wieder einen echten Hit hervor: Die Schwedin Loreen siegte in Aserbaidschans Hauptstadt Baku mit dem Dance-Pop-Kracher »Euphoria«. Und die Single »Tage wie diese« von den Toten Hosen, die 2012 ihr 30-jähriges Bestehen feierten, war der Soundtrack zum Hochgefühl während der Fußball-Europameisterschaft, auch wenn für die deutsche Nationalelf im Halbfinale Schluss war. Beide Großveranstaltungen wurden allerdings von politischen Misstönen begleitet: Menschenrechtler prangerten Demokratiedefizite in den Gastgeberländern Aserbaidschan und Ukraine an.

Für viele deutsche Interpreten hing der Pop-Himmel voller Geigen: 2012 waren sie äußerst stark in den Album-Charts vertreten - mancher sprach mal wieder fast von einer neuen »Neuen Deutschen Welle« und konnte Beispiele anführen wie Unheilig (»Lichter der Stadt«), Deichkind (»Befehl von ganz unten«), Die Ärzte (»auch«), Udo Lindenberg (»MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic«), Kraftklub (»Mit K«) oder Bushido (»AMYF«).

Das vielleicht interessanteste deutsche Musikphänomen des Jahres war der Newcomer Cro, der Rapper mit der Panda-Maske. Am Anfang waren alle Songs des Stuttgarters frei im Netz verfügbar, doch natürlich - wer mag es ihm verdenken - will auch er reich werden. Für sein erstes Album »Raop«, das im Juli erschien, nahm er dann doch Geld - und verdiente es ganz »Easy«, wie auch sein Debüt-Hit hieß.

Neben Erfolg hatten einige einheimische Künstler in diesem Jahr aber auch Ärger: Die als Xavas firmierenden Musiker Xavier Naidoo und Kool Savas - gerade erst als Sieger des Stefan Raab'schen »Bundesvision Song Contest« gekürt - mussten sich Mitte November gegen den Vorwurf wehren, ein Hidden Track ihres Albums »Gespaltene Persönlichkeit« sei schwulenfeindlich und rufe zur Gewalt auf. Joachim Witt hatte zuvor bereits Proteste mit seinem »Gloria«-Video geerntet, in dem Männer in Bundeswehruniform eine Frau vergewaltigen. Der Bundeswehrverband warf dem Sänger vor, Soldaten zu verunglimpfen. Er entschuldigte sich.

Weltweit taten sich einige arrivierte Popstars hervor: Madonna bewies, dass sie mit Mitte 50 immer noch die Charts stürmen kann und für einen handfesten Skandal gut ist. Den beschwörten nämlich religiöse Eiferer herauf, nachdem die Pop-Queen bei einem Konzert in Russland zur Solidarität mit Schwulen und Lesben aufgerufen hatte. Lady Gaga für ihren Teil tourte und tourte und tourte - und sprach öffentlich über ihre Essstörungen. Robbie Williams hingegen mag es mittlerweile deutlich ruhiger: Im Spätsommer wurde er Vater, kurz darauf feierte er mit seinem Album »Take The Crown« ein Hitparaden-Comeback.

Das Rennen um den Sommerhit 2012 lieferten sich andere - ein heißer Kampf, wie die Marktforscher von Media Control mitteilten. Mehrere Songs kämpften um diesen begehrten Titel, darunter Hits wie »Balada (Tchê Tcherere Tchê Tchê)« von Gusttavo Lima und »Tacatá« von Tacabro. Weitere Kandidaten waren wohl Asaf Avidan & The Mojos mit »One Day/Reckoning Song (Wankelmut Remix)« sowie das anfangs erwähnte »I Follow Rivers«. Einen eindeutigen Gewinner gibt es jedoch nicht.

Eine Art Sommerhit hatte es außerdem bereits zu Jahresanfang mitten im Winter gegeben: Der Brasilianer Michel Teló wurde mit seinem »Ai Se Eu Te Pego« (dem Song mit dem »Nossa Nossa«-Ausruf) bis in den eher durchwachsenen Sommer hinein rauf- und runtergespielt. Ebenfalls aus fernen Gefilden schwappte der Tanz des Jahres zu uns herüber: der Gangnam Style des Südkoreaners Psy. Vor allem der Videoclip löste einen beispiellosen Hype aus und wurde mit weit über 800 Millionen Klicks bis Ende November zum meistgeklickten Video im weltweiten Netz.

Neun Monate zuvor hatte die Fangemeinde im Internet noch kollektiv getrauert: US-Diva Whitney Houston war im Februar im Alter von nur 48 Jahren in ihrer Badewanne ertrunken - Kokain im Blut und Herzprobleme gelten als Ursachen. Trauer auch um andere Pop-Größen: Im Mai erlagen Beastie-Boys-Gründer Adam Yauch und Bee-Gees-Sänger Robin Gibb ihren Krebsleiden, im Juli folgte ihnen Deep-Purple-Keyboarder Jon Lord.