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Letzter der großen Vier: Maler Willi Sitte gestorben

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Willi Sitte
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Der Grafiker und Maler Willi Sitte am 28.02.2006 in Merseburg. Foto: Peter Endig/Archiv Foto: dpa

Halle (dpa) - Der letzte der vier großen Vertreter der DDR-Malerei ist tot. Willi Sitte ist am Samstagmorgen im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in Halle nach langer Krankheit gestorben, wie die Willi-Sitte-Stiftung mitteilte.


Der Maler und Grafiker gilt als einer der bedeutendsten und zugleich als einer der umstrittensten Gegenwartskünstler. Kritiker werfen ihm seine Vergangenheit als DDR-Kulturfunktionär vor.

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Neben den Begründern der Leipziger Schule, Bernhard Heisig (1925-2011), Wolfgang Mattheuer (1927-2004) und Werner Tübke (1929-2004) gehörte Sitte zu den prominentesten und auch international bekannten Vertretern der Bildenden Kunst in der früheren DDR. Sitte wurde am 28. Februar 1921 im tschechischen Kratzau geboren.

»Willi Sitte war ein einzigartiger Künstler, ein Mensch, der seine Kunst auch für sein politisches Engagement einsetzte«, erklärten die Linke-Vorsitzenden Katja Kipping und und Bernd Riexinger sowie Linke-Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi. Den meisten Menschen seien seine großen, machtvollen Bilder in Erinnerung, die enorme Kraft ausstrahlten und Widerspruch provozierten. Ihn darauf zu reduzieren, würde ihm jedoch nicht gerecht werden, hieß es in einer Mitteilung.

»Sein Tod hat uns sehr betroffen gemacht, wenngleich wir um seinen bedenklichen Gesundheitszustand wussten«, sagte der Vorsitzende der Sitte-Stiftung, Hans-Hubert Werner, der Nachrichtenagentur dpa. »Unser Anliegen, sein künstlerisches Erbe zu verbreiten, verstärkt sich jetzt noch mehr«, sagte Werner.

Sitte war von 1974 bis 1988 Präsident des Verbandes Bildender Künstler und saß zeitweise auch im Zentralkomitee der SED. In der DDR galt er als herausragender Vertreter des sozialistischen Realismus. In Westdeutschland wurde er einem breiten Publikum durch die documenta 6 1977 in Kassel bekannt, wo er zusammen mit Heisig, Mattheuer und Tübke vertreten war.

Nach der Wiedervereinigung war es zunächst still um den Künstler. Seine Rückkehr in die Öffentlichkeit war schwierig. Im Landeskunstmuseum Galerie Moritzburg in seiner Heimatstadt Halle kam keine Ausstellung zustande, weil man sich nicht über die Konzeption einigen konnte. Eine 2001 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zum 80. Geburtstag geplante Ausstellung wurde zunächst verschoben und für 2003 in Aussicht gestellt. Nach etlichen Querelen sagte Sitte die Ausstellung ab und zog sich zurück.

Er hoffe, dass Sittes Werk nun nach seinem Tod fair und in seiner ganzen Kraft und in seiner menschlichen Dimension eingeordnet werde, sagte der hallesche Kunsthistoriker Hans-Georg Sehrt, der mehrere Sitte-Ausstellungen kuratiert hat. Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) betonte: »Willi Sitte war ein bedeutender und streitbarer Maler, der besonders in Mitteldeutschland seine Spuren hinterlässt.« Der Künstler lebte seit 1947 in Halle.

Seit 2006 bewahrt die Willi-Sitte-Stiftung mit Sitz in Merseburg das umfangreiche künstlerische Werk des Malers. Die Werke stammen aus dem Privatbesitz des Künstlers. In der Sitte-Galerie für realistische Kunst gibt es regelmäßig Ausstellungen.