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Kurzopern von Ravel und Strawinsky in Karlsruhe

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Kurzoper "Das Kind und die Zauberdinge"
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Lydia Leitner (Der Polstersessel), Christina Bock (Das Kind), Yang Xu (Der Lehnstuhl) in der Kurzoper "Das Kind und die Zauberdinge". Foto: Uli Deck/ Foto: dpa
Kurzoper "Die Nachtigall" in Karlsruhe
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Emily Hindrichs (l. Die Nachtigall) und Rebecca Raffell (Der Tod) in der Kurzoper "Die Nachtigall". Foto: Uli Deck/dpa Foto: dpa

Karlsruhe (dpa) – Strawinskys Oper »Le Rossignol« (Die Nachtigall) und Maurice Ravels »L'enfant et les sortilèges« (Das Kind und die Zauberdinge) gehören zu den Raritäten der Spielpläne deutscher Opernhäuser.


In Karlsruhe waren sie noch nie zu hören. Beide sind schwer zu inszenieren und verlangen von Solisten und Orchester das Äußerste. So benötigen sie jeweils rund 20 Sänger und ein üppig besetztes Orchester. Am Badischen Staatstheater kann man das mit hauseigenen Kräften stemmen. Das Publikum bejubelte am Samstagabend eine fantasiereiche Inszenierung beider Opern, musikalisch auf höchstem Niveau.

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»Die Nachtigall« erlebte ihre Uraufführung 1914 in Paris am Vorabend des 1. Weltkrieges. Ravels »Kind« wurde 1925 in Monte Carlo zum ersten Mal gegeben. Das junge Inszenierungsteam hatte die zunächst verblüffende Idee, beide Opern in einem Lazarett anzusiedeln – als Fiebertraum eines lädierten Soldaten. Und das erwies sich als überzeugender Ansatz, schließlich geht es in den Werken um Gewalt, Zerstörung, Mitleid und das Verhältnis des Menschen zu Natur und Technik.

Das Bühnenbild stammte von Frank Philipp Schlößmann, die fantastischen Kostüme schuf Janine Werthmann. Ravels Geniestreich zeigt ein bösartiges Kind, das gegen seine resignierenden Eltern rebelliert. Als es aber auch noch seine Umwelt demoliert, kommt es zum »Aufstand der Dinge«. Die zerbrochene Kaffeetasse, der zerschlissene Polstersessel, die gequälten Tiere und die verwundeten Bäume setzen sich zur Wehr. Das wird zu einer witzigen musikalischen Parforcejagd. Erst als der Junge Mitleid mit einem verwundeten Eichhörnchen zeigt, kommt es zum versöhnlichen Ende. Der junge Regisseur Tobias Heyder berührte das Publikum mit seinen turbulenten Einfällen und poetischen Momenten.

Auch Strawinskys »Nachtigall« wurde von einem noch jungen Regisseur inszeniert. Tim Plegge legte damit seine erste Opernarbeit vor. Die Handlung basierte auf dem Märchen von Hans Christian Andersen. Der schwermütige Kaiser von China liegt im Sterben. Er vermisst den Gesang seiner Nachtigall. Die ist nämlich beleidigt fortgeflogen als sie mit einer maschinellen Nachtigall konkurrieren sollte. Rettung bringt da nur die Rückkehr des lebenden Vogels. Plegges Inszenierung merkte man seine Herkunft als Choreograph an. Die Oper wurde zu einem gesungenen Ballett.

Auch musikalisch überzeugte das Opern-Doppelpack. Christina Bock mit ihrem schlanken Mezzo und ranker Erscheinung war für die Rolle des bösen Buben wie geschaffen. Emily Hindrichs geläufiger, farbenreicher Koloratursopran bewältigte Strawinskys tückische Läufe mit verblüffender Natürlichkeit – eine menschliche Nachtigall.

Die Badische Staatskapelle, der Staatsopernchor und die Kinder des Cantus Juvenum sangen und musizierten unter der Leitung von Christoph Gedschold mit einer Sicherheit und Leichtigkeit, als würde es sich um zwei kinderleichte Partituren handeln.

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