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Kurt Masur ist zurück in deutschen Konzertsälen

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Kurt Masur
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Kurt Masur meldet sich beim Publikum in Deutschland zurück. Foto: Stefan Sauer Foto: dpa

Peenemünde (dpa) - Klassikfreunde waren nach dem Sturz von Kurt Masur während eines Konzertes in Paris im April in großer Sorge. Lange war es still um den Maestro. Doch fünf Monate nach dem Unfall, bei dem sich Masur eine Fraktur des Schulterblattes zuzog, ist der 85-jährige Dirigent wieder zurück in deutschen Konzertsälen.


Am Samstag leitet er das Eröffnungskonzert des Usedomer Musikfestivals im Kraftwerk Peenemünde. Am 29. September steht er im Leipziger Gewandhaus bei dem Festkonzert zur Verleihung des Internationalen Mendelssohn-Preises am Dirigentenpult.

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Eine vierstündige Probe mit dem Baltic Youth Philharmonic Orchester im alten Kraftwerk von Peenemünde (Insel Usedom) liegt am Mittwochabend hinter dem Dirigenten. Die Qualität des internationalen Jugendorchesters mit jungen Musikern aus dem Ostseeraum, mit dem er derzeit Schostakowitschs 1. Sinfonie probt, hat ihn überrascht. «Ich bin beglückt, mit welcher Offenheit man hier musiziert», berichtet Masur nach der Probe.

Sein umjubeltes Comeback nach dem Sturz hatte Masur Ende Juli mit dem Boston Symphony Orchestra im amerikanischen Tanglewood - ein Konzert vor 30 000 Zuhörern. Das Publikum spürt in diesen Momenten, dass mit Masur ein gewichtiges Stück Musik- und Zeitgeschichte auf der Konzertbühne steht.

Die Rolle des Dirigenten hat sich nach Auffassung von Masur, der namhafte Orchester in New York, London oder Paris leitete, in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. «Wir haben eine Zeit gehabt, in der der Dirigent eine unantastbare Persönlichkeit war», sagt Masur. Heute müsse der Dirigent geistig und mit einer Konzeption führen. Das Publikum frage heute nach der Substanz eines Werkes.

Prägend bleibt Masurs mutiger Einsatz im Oktober 1989, als er zusammen mit anderen Prominenten bei den Leipziger Montagsdemonstrationen in der DDR zu Gewaltfreiheit aufrief. Ob sich die Erwartungen nach größerer Freiheit und Selbstbestimmung, die die Menschen damals hegten, erfüllt haben, beantwortet Masur 23 Jahre später mit einem «klaren Jein». «Wir haben gelernt, dass einfache Bewegungen im Volke möglich sind, weil die Menschen Mut bekommen haben.» Über die Schwierigkeiten, die den Menschen heute begegnen, sollte man lernen hinwegzudenken.

Masur glaubt an die verbindende Kraft der Musik. Mit Sorge schaut er auf die Entwicklung des unter dem öffentlichen Spardruck langsamen Sterbens kleinerer Orchester. «Das Verbrechen in diesem Bereich wird nicht bestraft und das ist das Schlimmste», empört er sich. Die Verantwortlichen, so seine Forderung, sollten sich auf das besinnen, was einfache Dinge in der Musik bewirken können. Kinder sollten wieder Volkslieder lernen.

Nach der konzentrierten Arbeit am Dirigentenpult nimmt sich der 85-Jährige am Mittwochabend eine Auszeit im Hotel. Eine kurze Pause, bevor er sich mit den Nachwuchsdirigenten seiner internationalen Dirigierklasse zu einem Auswertungsgespräch trifft. Die Energie, Präzision und Präsenz, mit der Masur vor dem Orchester steht, hat Nachwuchsdirigent Johannes Zurl bei den Proben beeindruckt. «Er weiß genau, was hat Einfluss auf das Orchester», erzählt der 32-Jährige. Was man von Masur lernen könne? «Vieles. Aber vor allem das Destillat der Bewegung.»

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