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Jussi Adler-Olsen: Der fünfte Band muss her!

Jussi Adler-Olsen
Der dänische Krimiautor Jussi Adler-Olsen in Allerød (Dänemark) an seinem Schreibtisch. Foto: Thomas Borchert Foto: dpa

Allerød (dpa) - Ob das neu gekaufte und fast fertig renovierte «Arbeitshaus» beim Schreiben hilft? Jussi Adler-Olsen, in Deutschland derzeit meistgelesener Krimiautor und Dauergast auf allen Bestsellerlisten, erzählt mit etwas müdem Blick, dass er gut ein Jahr in Verzug ist mit dem fünften Band der Dezernat-Q-Serie.


Vorher hat der 62-jährige Däne begeistert und mit fast jungenhafter Frische in seinem neuen Autoren-Domizil im kleinen Allerød bei Kopenhagen herumgeführt. Mit eigenem Musikstudio unter dem Dach, gemeinsamem Arbeitszimmer mit Ehefrau Hanne, und, man glaubt es kaum, Schlafzimmer für Journalistenbesuch.

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Bald schon (18. September) muss der 62-Jährige die schöne neue Schreibwerkstatt und das nahe gelegene Wohnhaus wieder für mehrere Tage verlassen. Am überfälligen neuen Thriller mit Kommissar Carl Mørck kann er dann ganz bestimmt nicht tüfteln: Eine neue Lesereise ruft, diesmal nach Wien, Berlin und Hamburg, zur Vorstellung des in Deutsch erschienenen vierten Bandes «Verachtung». Im Oktober dann wieder Frankfurter Buchmesse und danach ein Auftritt in Hannover. Wobei das deutsche Publikum sein liebstes sei: «Es ist irgendwie mehr in Feststimmung als das dänische. Die Deutschen amüsieren sich besser, fürchten sich stärker und sind konzentrierter.»

120 Tage sei er so im letztes Jahr unterwegs gewesen, erzählt Adler-Olsen, 200 Interviews habe er gegeben. Um dann mit festem Blick und sehr freundlich zu erklären: «Dieses Interview hier macht richtig Spaß.» Man glaubt es ihm fast, wenn der Autor sprudelnd und nimmermüde seine grenzenlose Interessen-Vielfalt ausbreitet. Er hat zwölf alte Häuser selbst instandgesetzt und mit steuerfreiem Gewinn weiterverkauft. Er half bei der Organisation eines legendären «Friedensmarsches» von Kopenhagen nach Paris 1981 und ging dabei erst 35 km bis Roskilde und dann wieder von Südbelgien an zu Fuß in die französische Hauptstadt.

In jungen Jahren hat Adler-Olsen Gitarre in Bands gespielt, und er verehrt Jimi Hendrix, den 1970 gestorbenen Über-Guru der Rockmusik. Ob er das unter Gitarristen legendäre Intro zum Hendrix-Klassiker «Little Wing» beherrsche? «Hab ich mal. Ich saß in der ersten Reihe, als er das Stück zum ersten Mal im Konzert spielte. Ich glaub, ich muss das wieder einüben.» Gerade erst habe er eine Gibson gekauft.

Dänische Verleger werden sich die Haare raufen, wenn sie von diesem Vorsatz hören. Ihr Absatz ist hier in diesem Jahr um mehr als zehn Prozent gefallen. «Buchhändler lechzen nach neuem Jussi-Krimi» überschrieb die Zeitung «Aarhus Stiftstidende» ihren Bericht zur überragenden Bedeutung Adler-Olsens für die heimische Branche.

Für den Autor selbst ist das mehr als zehnmal so große Deutschland viel wichtiger. Adler-Olsen hat auch in den letzten Wochen wieder gleich vier Titel - die komplette Dezernat-Q-Serie - auf der Spiegel-Bestsellerliste platziert, mit dem neuen «Verachtung» an der Spitze. Vor allem dank des riesigen deutschen Erfolges nähert sich die weltweite Verkaufszahl von Adler-Olsen-Krimis langsam der Zehn-Millionen-Marke.

Es stört den Autor nicht, dass er als lange unbekannter Autor im Kielwasser der «Millennium»-Trilogie des 2004 gestorbenen Schweden Stieg Larsson nach vorn gekommen ist. Adler-Olsen mag aber nicht, dass seine Serie sich mit den deutschen Titeln eng an die Larsson-Titeln «Verblendung», «Vergebung» und «Verdammnis» anlehnt: «Schon allein, weil man sich nie merken kann, welcher Titel zu welcher Geschichte gehört.»

Origineller seien die Titel der US-Ausgaben ausgefallen, wo der Däne nun auch die Bestsellerlisten zu stürmen beginnt. Grund zu großer Freude als Krönung auf dem Werk mit diesem besonders lukrativen Riesenmarkt? «Natürlich, ich bin stolz, dass ich so viele Menschen erreiche.» Aber dann müsse er eben noch mehr und auch viel längere Reisen für Interviews und Lesungen machen. Außerdem gebe es allerlei Verpflichtungen zur bevorstehenden Verfilmung der Thrillerserie, mit deutscher Beteiligung durch das ZDF. «Im Grunde bin ich Unternehmer.» Und dann hat er Einnahmen in zwei Firmenprojekte gesteckt. Und eine Verlagsgründung soll vor der Tür stehen.

Unter dem Strich «eine Luxus-Last», sagt der Vielbeschäftigte. Aber der fünfte Band muss bald fertig werden. Und dann ist erst die Hälfte der selbst abgesteckten Wegstrecke von zehn Bänden mit Kommissar Mørck geschafft: «Ich sehe das als einen großen Roman mit zehn Kapiteln.» Fertigschreiben will Adler-Olsen den «großen Roman» an einem kleinen Schreibtisch mit Glasplatte, vor sich eine auch beim Arbeiten laufende Musikanlage. Zuletzt «in einer Endlosschleife» mit dem Soundtrack zum Film «Il Castrato».

Ehefrau Hanne, Gefährtin des Autors seit gut 40 Jahren, hat ihren Arbeitsplatz schräg gegenüber. «Sie kann von da aufpassen, dass ich schreibe», sagt Adler-Olsen grinsend. Genauso munter meint er zwei Minuten später beim Fußball-Geplauder (Lieblingsclub FC Barcelona) mit dem etwa gleichaltrigen Reporter: «Wäre es nicht das Allerschönste, wenn wir den Rest des Lebens einfach die Beine hochlegen und Champions League gucken könnten?»

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