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James-Bond-Experte: 007 wird uns alle überleben

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Siegfried Tesche
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Siegfried Tesche ist Autor mehrerer Bücher zum Thema James Bond. Foto: Jochen Lübke Foto: dpa

London (dpa) - Das immer gleiche Grundgerüst, ein feines Gespür für die Themen der Welt und eine gut geschmierte Werbe-Maschinerie: Das sind nach Meinung des James-Bond-Experten Siegfried Tesche die Zutaten, die den britischen Geheimagenten in 50 Jahren Filmgeschichte zum erfolgreichen Dauerbrenner gemacht haben.


«Spätestens 1964 mit "Goldfinger" hat man eine Formel erfunden», sagte Tesche im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Im Prinzip sehen wir immer den gleichen Film», sagte Tesche. Figuren wie Geheimdienstchef «M», Tüftler «Q» oder Sekretärin «Moneypenny» fördern die Wiedererkennung. «Auch die Action-Versatzstücke rutschen von einem Film zum nächsten», sagte Tesche.

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Zu diesem Konzept gehören auch die technischen Spielereien, die Bond in fast jedem der bisher 22 «offiziellen» Filme vom Geheimdienst-Bastler «Q» überreicht und erklärt bekommt. Für Bond-Experte Tesche ist der Aston Martin aus «Goldfinger» - mit ausfahrbaren Messern an den Felgen, Maschinengewehre unter den Blinkern und Nebelwerfer im Heck - das beste, was in dieser Hinsicht jemals entwickelt wurde. «Der Aston Martin war der Clou», sagte Tesche, der bereits mehrere Bücher zum Thema James Bond veröffentlicht hat und gerade ein neues Bond-Lexikon auf den Markt bringt.

Die James-Bond-Macher um die Produzenten-Familie von Albert R. Broccoli seien thematisch immer auf der Höhe Zeit gewesen - oder ihr sogar ein Stück voraus. Schon in den 1970er Jahren habe es bei «Der Spion der mich liebte» Ansätze von Ost-West-Entspannung gegeben. Als etwa US-Präsident Ronald Reagan im Weltraum aufrüstete, reagierten die James-Bond-Macher mit dem Film «Moonraker». «Casino Royale» habe den internationalen Terrorismus thematisiert. Selbst die Emanzipation komme in den Bond-Filmen zu ihrem Recht. Frauenrollen gibt es nicht mehr nur für Sekretärinnen, sondern auch für Atomphysikerinnen.

James Bond als Figur sei in den Filmen stets absolut in den Mittelpunkt gestellt worden. «Kein Mensch kennt heute noch die Bond-Girls, die meisten sind verschollen», sagte Tesche. Der Hauptdarsteller werde von einer immensen PR-Maschinerie zum Superstar stilisiert. Nicht zuletzt deshalb glaubt Tesche, dass der Superagent im Geheimdienst Ihrer Majestät auch noch in den nächsten Jahrzehnten die Welt retten wird. «James Bond wird uns alle überleben», sagte er.

Gespräch: Michael Donhauser, dpa

Website von Siegfried Tesche