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Heine-Preis 2012 an Jürgen Habermas

Jürgen Habermas
Jürgen Habermas wird geehrt. Foto: Arne Dedert Foto: dpa

Düsseldorf (dpa) - Der Heine-Preis der Stadt Düsseldorf geht in diesem Jahr an den Sozialphilosophen Jürgen Habermas. Die Jury sieht in dem 83-Jährigen «einen der weltweit bedeutendsten Denker der Gegenwart».


Er erhalte den mit 50 000 Euro dotierten Preis «für sein Lebenswerk». Es sei «durch freiheitliche Ideen der Aufklärung, seinen unermüdlichen Einsatz für ein demokratisch verfasstes Deutschland sowie seine streitbaren Beiträge zu den gesellschaftspolitischen Debatten Europas geprägt».

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Die Verleihung soll im Dezember stattfinden. Habermas wird vor allem mit seiner langjährigen Wirkungsstätte Frankfurt assoziiert, aber geboren wurde er - wie Heinrich Heine (1797-1856) - in Düsseldorf. Der Heine-Preis, einer der bedeutendsten deutschen Literaturpreise, wird alle zwei Jahre verliehen.

Schon mehrmals hatten die Entscheidungen der Jury heftige Auseinandersetzungen ausgelöst. So gab es 2006 einen Eklat um die Zuerkennung an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke wegen dessen Pro-Serbien-Haltung im Jugoslawien-Krieg. Handke verzichtete schließlich auf den Preis. Im Mai dieses Jahres kam es erneut zu einem Streit, weil die CDU im Düsseldorfer Stadtrat den exzentrischen Österreicher Peter Kern als Jurymitglied verhinderte. Kern kommentierte: «Die Düsseldorfer Stadtregierung hat mit ihrem Provinztheater nicht Peter Kern, sie hat Heinrich Heine abgewählt.»

Die Entscheidung für Habermas dürfte dagegen auf breite Zustimmung stoßen. Der Soziologe und Philosoph wirkte vor allem an der Universität Frankfurt und am Max-Planck-Institut in Starnberg (Bayern). Er steht in der Nachfolge der «Frankfurter Schule» von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno und gilt als Vordenker der Linken. Der Studentenbewegung stand er allerdings kritisch gegenüber. Als Habermas' Hauptwerk gilt die 1981 erschienene «Theorie des kommunikativen Handelns».

Habermas beteiligte sich an nahezu allen großen gesellschaftspolitischen Debatten seit den 60er Jahren, so am Historikerstreit, an der Diskussion um die Wiedervereinigung oder an der Auseinandersetzung um den Irak-Krieg. Zuletzt plädierte er mit Nachdruck für die Fortführung des europäischen Einigungsprozesses, den er als Wegbereiter eines von ihm erhofften Weltbürgertums sieht. Für den Grünen Joschka Fischer ist er mittlerweile «fast ein Staatsphilosoph».

2010 hatte die französische Politikerin und Publizistin Simone Veil, die als Jugendliche die Vernichtungslager Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt hatte, den Preis bekommen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören auch Carl Zuckmayer, Walter Jens, Marion Gräfin Dönhoff, Max Frisch, Richard von Weizsäcker und Amos Oz.