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Große Malewitsch-Retrospektive in Bonn

Bonn (dpa) - Begrüßt wird der Besucher mit dem «Selbstporträt in zwei Dimensionen» aus dem Jahr 1915. Auf dem Bild im suprematistischen Stil ist Kasimir Malewitsch allerdings nicht unbedingt zu erkennen.

Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde
Selbstporträt des Künstlers Kasimir Malewitsch (1917) in Bonn. Foto: Henning Kaiser Foto: dpa

Aber der Suprematismus - die gegenstandslose Kunst - ist eben eines der Stilmittel, das für den russischen Maler (1879-1935), der als eine der prägendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gilt, typisch ist. Wie er sich selbst sechs Jahre früher sah und im Selbstporträt darstellte, erfährt der Betrachter im ersten Raum der Ausstellung «Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde», die ab Samstag bis zum 22. Juni in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen ist.

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Die nach Angaben von Bundeskunsthallen-Intendant Rein Wolfs größte Malewitsch-Ausstellung seit 20 Jahren zeigt zahlreiche Leihgaben aus den bedeutenden Sammlungen russischer Avantgarde-Kunst von Nikolaj Chardschijew und George Costakis, in denen Malewitsch eine zentrale Rolle einnimmt. Für die Bonner Schau stellte zudem das Staatliche Russische Museum in St. Petersburg erstklassige Malewitsch-Werke zur Verfügung.

Die mehr als 300 Gemälde, Grafiken und Skulpturen haben die Ausstellungsmacher in 13 Werkgruppen zusammengefasst. «Wir glauben, dass diese chronologische Ausrichtung vielleicht eine Art Gerüst ist, das dem Betrachter einfach hilft, sich in diesem unglaublich reichen Universum Malewitsch zurechtzufinden», sagt die Kuratorin und Ausstellungsleiterin Agnieszka Lulinska. Die Ausstellungsarchitektur schaffe eine offene Struktur und betone die Sichtachsen. Zugleich werde ein klarer Weg vorgezeigt, voller Wendungen, voller überraschender neuer Anfänge und Rückgriffe.

«Malewitschs künstlerisches Œuvre entwickelte sich im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Figuration», heißt es im Programmheft. In der Auseinandersetzung mit Impressionismus, Symbolismus und Kubismus erreichte er seine eigenständige suprematistische Ästhetik und Theorie. Beispiel dafür ist das «Rote Quadrat» aus dem Jahr 1915, ein Schlüsselwerk der Bonner Ausstellung. Später allerdings wendete er sich wieder figurativen Motiven zu. Allerdings bleibt der suprematistische Einfluss auch in diesen späteren Werken deutlich sichtbar.

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Stedelijk-Museum in Amsterdam und der Tate Modern in London entstanden. In Amsterdam zog die Ausstellung gut 280 000 Besucher in ihren Bann. Bonn ist die zweite Station, ehe die Schau an die Themse zieht. Das Stedelijk-Museum verfügt außerhalb Russlands über die weitaus bedeutendste Sammlung von Werken des Avantgarde-Künstlers.

Museums-Webseite zur Ausstellung