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Frivole Fesselspiele in Musical-Parodie »49 1/2 Shades!«

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49 1/2 Shades! Die Musical Parodie
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Sabine Urig (l-r), Ines Martinez und Kira Primke im Capitol Theater in Düsseldorf. Foto: Horst Ossinger Foto: dpa
49 1/2 Shades! Die Musical Parodie
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Beatrice Reece in der Musicalparodie «49 1/2 Shades» im Capitol Theater in Düsseldorf . Foto: Horst Ossinger Foto: dpa

Düsseldorf (dpa) - Millionenfach hat sich der Erotik-Roman »Fifty Shades of Grey« weltweit verkauft. Da wurde es Zeit, dass die Fesselspielchen des Millionärs Christian Grey mit der unterwürfigen Studentin Ana auf den Boden des Beziehungsalltags zurückgeholt werden.


In der frivolen Musical-Parodie »49 1/2 Shades!« ist Christian - im Roman »Gottes Geschenk an die Frauen« - nur noch ein Mann wie (fast) jeder andere. Die Deutschland-Premiere der musikalischen Sex-Persiflage war am Sonntagabend im Düsseldorfer Capitol-Theater ein riesiger Lacherfolg.

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Tränen lachen darf vor allem das weibliche Publikum, ist der Musical-Traummann Christian (André Haedicke) doch einen halben Kopf kleiner als die vollbusige Wuchtbrumme Ana (Beatrice Reece), und einen Bauchansatz hat er auch.

Der Rahmen der Musical-Story, die von den kleinen Bühnen des Off-Off-Broadway in New York kommt und seit vergangenem Jahr durch die USA tourt, ist ein privater Buchclub von drei nicht mehr ganz taufrischen Damen. Jutta (Ines Martinez), Sabine (Sabine Urig) und Susanne (Kira Primke) nehmen sich den Bestseller von E.L. James vor und erleben ihre sexuelle Befreiung. »Vom Draufsitzen wird der Arsch auch nicht schöner«, sagt Jutta, die sich nach ihrer Scheidung diverse Liebschaften gönnt. Die verklemmte Susanne wurde gerade verlassen, Sabine sieht Sex und Leben ganz pragmatisch.

Regisseurin und Ruhrpott-Patriotin Gerburg Jahnke (»Missfits«) schafft für die deutsche Version den Balanceakt, die unanständige Persiflage herrlich frivol und trotzdem nicht billig zu inszenieren. Im Original-Musical im prüden Amerika geht es noch härter zur Sache, aber das wollte Jahnke den deutschen Zuschauern nicht zumuten. An erotischen Utensilien wie Lack, Leder, Peitschen und Liebeskugeln, für deren Gebrauch die Buchclub-Ladies erst mal die Anleitung studieren müssen, wird dennoch nicht gespart.

Richtig Stimmung kommt vor allem bei den deftigen Songs auf, wenn Beatrice Reece als Ana mit wunderbar weicher Stimme die schlüpfrige Ballade vom »Loch« singt: »Da ist ein Loch ganz tief in mir ... ohne was drin, eine Zitrone ohne Saft, ein Porsche ohne Benzin.« Kein Halten mehr gibt es - zumindest beim weiblichen Publikum - beim »F...-Song« und den riesigen pinkfarbenen Seiden-Penissen, die über die Bühne wirbeln.

Das alles ist natürlich nicht ganz jugendfrei, wenn beispielsweise Jutta den Höhepunkt der Liebeslust auf einer imaginären Waschmaschine nachspielt. Die Altersempfehlung für das Musical ist 17 Jahre. Selbst das grandiose Musikensemble unter der Leitung von Jan Christof Scheibe kommt in schwarzem Leder daher und muss sich von Dominas mit Peitschen züchtigen lassen, bevor es auf die Plätze darf.

Am Ende von »49 1/2 Shades!« hält es die Zuschauer nicht mehr auf den Plätzen. Ex-Pornostar Dolly Buster amüsiert sich köstlich und findet, dass das Musical »reiner Klamauk« ist. »Die Witze gehen auf die Kosten der Männer«, meint sie. Moderator Hans Meiser hat zusammen mit seiner Tochter »Tränen gelacht«. Auf den Punkt aber bringt es die Schauspielerin Jenny Elvers: »Das ist ein Musical für einen Junggesellinnen-Abschied.«

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