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Festspielleiterin Wagner-Pasquier geht

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Eva Wagner-Pasquier
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Eva Wagner-Pasquier orientiert sich neu. Foto: Marc Müller Foto: dpa

Bayreuth (dpa) - Die große Aufregung am Festspiel-Hügel bleibt trotz der Veränderung aus: Als am Freitag die Nachricht über den Rückzug von Eva Wagner-Pasquier von der Spitze der Bayreuther Festspiele die Runde macht, sind immer wieder die gleichen Worte zu hören:


«War abzusehen», «Keine große Überraschung», «Es war nur noch eine Frage der Zeit». Schon monatelang wurde über die Personalie spekuliert. Am Freitagvormittag bestätigte der Verwaltungsratsvorsitzende der Bayreuther Festspiele GmbH, Toni Schmid: «Sie hat uns mitgeteilt, nach 2015 für die Geschäftsleitung nicht mehr zur Verfügung zu stehen». Die 68-Jährige habe in dem Gespräch aber angeboten, als Beraterin weiter für die Festspiele zu arbeiten.

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Eine Überraschung ist es vor allem deshalb nicht, weil Eva Wagner-Pasquier sich zuletzt immer wieder den Vorwurf gefallen lassen musste, sie würde lustlos an der Seite ihrer viel aktiveren Halb-Schwester Katharina (35) agieren. Große Stars konnte sie für das berühmteste Opernfestival der Welt immer seltener gewinnen. Dabei ist die Wagner-Urenkelin für die Verpflichtung der Sänger zuständig, während sich Katharina Wagner vor allem um die Vermarktung der Festspiele kümmert. In Insider-Kreisen munkelte man längst, dass es für die glanzlose Eva Wagner-Pasquier keine Verlängerung ihres 2015 auslaufenden Vertrages geben werde.

Doch jetzt wirft der Rückzug viele neue Fragen auf: Weshalb hat die 68-Jährige das Handtuch geworfen? War es ein Rauswurf oder eine Entscheidung aus freien Stücken? Und wer wird die Festspiele in Zukunft leiten? Wagner-Pasquier, die gerade fernab in Amerika Urlaub macht, äußert sich zu den Hintergründen nicht. Eine andere Spekulation, die Wagner-Schwestern könnten sich zerstritten haben, räumt immerhin Festspielsprecher Peter Emmerich aus: Katharina Wagner sei es «sehr wichtig», dass ihre Schwester weiterhin bei den Festspielen eingebunden bleibe, betont er.

Beiden wurde die künstlerische Leitung 2008 übertragen. Voraus ging ein erbitterter Streit mit teils grotesken Zügen: Während Wolfgang Wagner damals seine jüngere Tochter Katharina zu seiner Nachfolgerin machen wollte, nominierte der Stiftungsrat Eva Wagner-Pasquier. Der Patriarch bezichtigte daraufhin Eva der Unfähigkeit und verweigerte seinen Rücktritt unter Hinweis auf seinen lebenslangen Vertrag. Hinter den Kulissen zog Wagners zweite Frau Gudrun die Strippen: Sie hatte Eva, Wolfgangs Tochter aus erster Ehe, schon bei ihrer Heirat 1976 praktisch vom «Grünen Hügel» gejagt. Erst der Tod von Wagners Frau ebnete den Weg zur Versöhnung zwischen Vater und Tochter Eva.

Im April 2008 signalisierte der altersschwache Wagner - er starb am 21. März 2010 im Alter von 90 Jahren - seine Bereitschaft zum Rücktritt und schlug seine beiden Töchter als geeignete Nachfolgerinnen vor. Gut fünf Jahre später stehen den Bayreuther Festspielen nun schon wieder unruhige Zeiten bevor: Nach wie vor wird über die millionenschwere Sanierung des Festspielhauses gestritten. Als weitere Baustelle kommt mit dem Rückzug von Eva Wagner-Pasquier die Debatte um die künftige Leitung hinzu.

Der Verwaltungsratsvorsitzende Schmid geht allerdings von einer Annahme des Beratervertrages aus. Die Gesellschafter seien seiner Einschätzung nach zu einer Zusammenarbeit mit Eva Wagner-Pasquier in reduziertem Umfang bereit. Als Beraterin könne sich die 68-Jährige verstärkt um die Wagner-Verbände kümmern, erläuterte der Chef des Festspiel-Verwaltungsrats. Die Entscheidung werde voraussichtlich schon im März fallen.

Die Verträge von Katharina Wagner und dem kaufmännischen Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense laufen aber ebenfalls 2015 aus. Während eine Verlängerung mit Katharina Wagner als wahrscheinlich gilt, ist sich der Verwaltungsrat über den 75 Jahre alten kaufmännischen Leiter offenbar noch uneins: «Verlängert man oder sucht man sich einen neuen, das muss man dann noch sehen», sagt Schmid. In jedem Fall werde eine geteilte Spitze aus künstlerischer und kaufmännischer Leitung für die Festspiele kommen. Eva Wagner-Pasquier tritt damit endgültig in den Schatten ihrer jüngeren Schwester.