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ESC-Experte Georg Uecker: Top Ten für Cascada

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Georg Uecker
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Georg Uecker ist großer ESC-Fan. Foto: Jörg Carstensen Foto: dpa

Köln (dpa) - Georg Uecker ist Grand-Prix-Experte und langjähriger Fan des Wettbewerbs. Seit Jahren verfolgt der Schauspieler (»Lindenstraße«) den Eurovision Song Contest (ESC).


Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa verrät er, welche Kandidaten beim diesjährigen ESC seine Favoriten sind und was den deutschen Beitrag Cascada noch gefährden könnte.

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Herr Uecker, wie stehen Ihrer Meinung nach die Chancen für Cascada, der diesjährigen deutschen ESC-Vertreterin in Malmö?

Uecker: »Ich glaube, das wird ganz gut funktionieren. Der Song "Glorious" ist ein bisschen Kirmesdisko, nicht riesig innovativ, aber in jeden Fall eine ziemlich eingängige Nummer. Ein anderer Vorteil: Cascada ist im Ausland bekannt, zum Beispiel in England. Das unterschätzen wir manchmal. Natalie Horler ist nach Bonnie Tyler die wahrscheinlich international bekannteste Sängerin im diesjährigen Wettbewerb.«

Welchen Platz erwarten Sie für Cascada?

Uecker: »Cascada wird wohl, mit aller Vorsicht, unter die ersten zehn kommen und damit ungefähr dort stehen, wo Deutschland auch in den letzten beiden Jahren gelandet ist. Diese drei Minuten am Samstag, die sind aber enorm wichtig. Es spielen einfach auch eine Menge Kleinigkeiten eine Rolle: In welcher Form ist die Sängerin Natalie Horler, wie performt sie, wie gefällt der Song der Jury - und wie ist die Reihenfolge der Lieder im Wettbewerb.«

Könnten sich die aufgekommenen Plagiatsvorwürfe um »Glorious« noch nachteilig auswirken?

Uecker: »Es ist entscheidend, was die Kommentatoren der anderen Länder über den Song sagen: Wenn die alle darauf hinweisen, dass es da eine Kontroverse und die Vorwürfe gab, dann kann sich das schon negativ auswirken und der Song eventuell schlechter abschneiden.«

Und wer wird Ihrer Einschätzung nach den ESC in Malmö gewinnen?

Uecker: »Ich glaube, relativ sicher, dass Dänemark gewinnen wird. Der Song "Only Teardrops" von Emmelie de Forest ist cool, der Name ist gut, das Mädchen süß. Ich habe auf Dänemark sogar gewettet, das mache ich nur, wenn ich mir ziemlich sicher bin. Auch Norwegen ist im vorderen Bereich mit dabei. Ebenso wie der russische Beitrag, eine Power-Ballade mit Händchenhalten und viel Feuerzeug, die sofort ins Ohr geht. Gute Chancen hat auch die Ukraine, die einen bisschen modernen Song haben, "Gravity".«

Und gibt es auch Enttäuschungen oder besondere Ausfälle?

Uecker: »Der Gastgeber Schweden ist in diesem Jahr leider eher schwach. Aus Entertainment-Sicht ist natürlich schade, dass der ganz schräge Beitrag aus Montenegro, die Gruppe mit den singenden Astronauten, im Vorfeld bereits ausgeschieden ist.«

Und wie steht es mit der britischen Vertreterin Bonnie Tyler?

Uecker: »Ich freu mich drauf. Die ist 61 Jahre alt, lässig und hat eine Menge Bühnenerfahrung. Dafür liebe ich ja England - die haben irgendwie ein gebrochenes, ein schräges Verhältnis zum Songcontest.«

Es gibt ja immer viele Teilnehmer, auch in diesem Jahr, die sich an den Vorjahressiegern orientieren. Ist das hilfreich?

Uecker: »Das reine Nachmachen funktioniert nie. Die Zuschauer sind ja auch nicht blöde. Das ist auch das Schöne am ESC, dass es oft überraschend ist. Ein Beispiel: Im Jahr 2006 gewann die Gruppe Lordi, im Jahr darauf eine kleine dicke Serbin. Es reicht nicht, sich einfach nur Charts des ganzen Jahres und den Songcontest des Vorjahres anzuschauen und dann am Computer irgendeinen Song zusammenzubasteln.«

Gibt es sonst Trends, die sich im diesjährigen ESC abzeichnen?

Uecker: »Der ESC ist in den letzten Jahren immer näher am Markt dran, an der realen Popmusik, an dem was die Leute kaufen. Bestes Beispiel ist der Gewinnersong des letzten Jahres, "Euphoria". Mir gefällt, dass der ESC keine durchgeknallte Veranstaltung ist. Das ist eine richtig gute länderübergreifende Trendshow, die die abwechslungsreichen Charts in den jeweiligen Ländern widerspiegelt.«

Wo werden Sie selbst am Samstag schauen?

Uecker: »Ich werde mit Freunden schauen, gemeinsam fiebern wir mit und lästern. Das macht am meisten Spaß.«