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»Doublefeature« zur Festspieleröffnung

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Festspielhaus in Erl am Inn
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In dem kleinen deutsch-österreichischen Grenzort Erl am Inn wurden mit Bartóks «Blaubart» und Orffs «Carmina» die Tiroler Festspiele eröffnet. Foto: Tiroler Festspiele Erl Foto: dpa

Erl (dpa) - Die Tiroler Festspiele 2014 starten mit Bartóks »Blaubart« und Orffs »Carmina«. Später gibt's eine Neuauflage von Gustav Kuhns legendärem 24-Stunden-»Ring« - als Hommage an den Festspielmäzen.


Ein veritables Kuhdorf mit zwei Festspielhäusern. So etwas gibt es nur in dem kleinen deutsch-österreichischen Grenzort Erl am Inn bei Kufstein, wo am Freitagabend (11. Juli) die Tiroler Festspiele 2014 mit einem umjubelten »Doublefeature« eröffnet wurden. Im neuen, futuristischen Festspielhaus, das aussieht wie ein gestrandeter Raumkreuzer, gab es eine Wiederaufnahme von Béla Bartóks schaurigem Einakter »Herzog Blaubarts Burg«.

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Premiere hatte diese Inszenierung von Festspielimpresario Gustav Kuhn zur Eröffnung des Neubaus im Dezember 2012. Anschließend zog das Publikum ins benachbarte Erler Passionsspielhaus, einem architektonisch wie akustisch weithin gerühmten Bau der späten 50er Jahre. Dort dirigierte der musikalische Tausendsassa Kuhn höchstselbst Carl Orffs »Carmina Burana«.

Das Niveau beider Aufführungen war, wie gewohnt, hoch. In Orffs »Carmina« stachen vor allem die glänzend einstudierte Chorakademie der Tiroler Festspiele und der Tölzer Knabenchor hervor. Kuhn dirigierte mit der gewohnten Verve und demonstrierte eindrücklich die Vielfalt dieses genialen Werks, dessen Eröffnungs- und Schlusschor »O Fortuna« zu den meist gespielten und, zu Werbezwecken, meist missbrauchten Musikstücks der Gegenwart zählt.

Vom archaischen, erdig-volkstümlichen Charakter der Musik passt Bartóks »Blaubart« bestens zu Orffs Schlüsselwerk. Hier stand nicht Kuhn am Pult, sondern sein Schüler Tito Ceccherini. Dessen Zugriff auf Bartóks Oper über den Frauen mordenden Blaubart, den auch die Liebe der schönen Judith nicht von seinem blutigen Schicksal erlösen kann, fehlte leider jene Unbedingtheit, die der Charismatiker Kuhn ganz selbstverständlich in den »Carmina« vorstellte. Dem etwas orgelnden Bass Andrea Silvestrelli gelang es nur mäßig, die Zerrissenheit der Blaubart-Figur darzustellen, während Marianna Szivkova eine energische, durchschlagskräftige Judith gab.

Die Tiroler Festspiele bringen dieses Jahr noch eine Neuauflage von Kuhns legendärem »24-Stunden-Ring«. Vom 1. bis zum 3. August werden alle vier Opern von Richard Wagners riesenhafter Tetralogie »Der Ring des Nibelungen« im Erler Passionsspielhaus kurz hintereinander aufgeführt. Anlass des Revivals ist der 70. Geburtstag des Unternehmers und Mäzens Hans Peter Haselsteiner, der den Erlern ihr neues Festspielraumschiff spendiert hatte. Der erste 24-Stunden-Ring im Jahre 2005 hatte weltweit Aufsehen erregt.

Website Tiroler Festspiele