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Das Buchmessen-Gastland Neuseeland

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Maori
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Mit einem echten Maori Kapa Haka (Tanz und Gesang) wurde im August bereits das Museumsuferfest in Frankfurt am Main eröffnet. Foto: Arne Dedert Foto: dpa

Frankfurt/Main (dpa) - In Neuseeland leben 50 Millionen Schafe und 4,4 Millionen Menschen. Das Land eine Literaturnation zu nennen wäre mehr als vermessen. Man darf also gespannt sein, wie sich Neuseeland als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (10. bis 14. Oktober) präsentiert.


Der Gastland-Auftritt steht unter dem Motto «Bevor es bei Euch hell wird/While you were sleeping». Der Pavillon soll aus audiovisuellen Projektionen bestehen, «die die Illusion erwecken, man befinde sich inmitten eines Buches oder einer Geschichte», berichtete das beauftragte Architektenbüro im Sommer.

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Projektleiterin Tanea Heke verspricht «magische Tage» und «ein wahres Fest für den Geist und die Sinne». Nicht nur ums Schreiben und Lesen soll es gehen, sondern auch um Tanz, Musik, Film, um Essen und Trinken. Knapp 70 Schriftsteller werden nach Frankfurt reisen und 100 weitere Akteure, darunter auch Köche und Winzer.

Buchmessen-Direktor Juergen Boos freut sich auf «die größten Geschichtenerzähler der Welt»: die Ureinwohner Neuseeland. Dabei sind den Maoris Bücher eigentlich fremd. Traditionell gibt es keine Schriftsprache, Erzählungen werden mündlich überliefert, begleitet von Tanz, Schauspiel und Interaktion mit dem Publikum. Auch Tattoos und Schnitzereien sind Transportvehikel für die überlieferten Mythen.

Dennoch haben die Ureinwohner heute in der Literatur des Landes durchschlagenden Erfolg. Die vier erfolgreichsten neuseeländischen Romane aller Zeiten stammen nach Angaben des Buchhändlerverbandes von zwei Maori-Autoren: Witi Ihimaera und Alan Duff.

Auf eine lange literarische Tradition kann Neuseeland nicht zurückblicken: Das erste Buch wurde 1830 veröffentlicht, der erste Roman gar erst vor 150 Jahren. Die einheimische Verlagsszene ist überschaubar, viele Autoren verlegen sich selbst. Das ist zwar nur selten lukrativ, aber oft der einzige Weg. «Enthusiasmus: riesig, Ertrag: dürftiger», beschreibt Kleinverlegerin Robyn Bargh die Szene.

Auf die internationale Bühne schaffen es Neuseeländer nur selten. «Oben sind die Briten und Amerikaner, und wir Neuseeländer sind ein bisschen wie der Lachs, der gegen den Strom nach oben will», sagt Kevin Chapman, der Präsident des neuseeländischen Verlegerverbandes. Für Frankfurt werden 66 neuseeländische Bücher neu ins Deutsche übersetzt - sonst sind es etwa zehn pro Jahr.

Zieht man Koch- und Reisebücher, Fotobände und Wiederauflagen alter Werke ab, schrumpft die Liste schnell zusammen. Und nicht überall, wo in den Buchhandlungen Neuseeland drauf steht, ist auch Neuseeland drin. Einige Autoren sind zwar dort geboren, leben aber seit Jahrzehnten im Ausland. Andere stammen eigentlich aus anderen Ländern. Und bei vielen Büchern spielt das Heimatland ihrer Autoren in den Texten überhaupt keine Rolle.

Wer aus den Neuerscheinungen etwas über das Land erfahren möchte, hat die Wahl zwischen literarisch hochwertigen Büchern, die mit Neuseeland wenig zu tun haben (wie «Die Frau im blauen Mantel» von Lloyd Jones oder «Der Dirigent» von Sarah Quigley) und schlichteren Werken, die tiefer im Land verwurzelt sind (etwa «Der junge William Fox» von Peter Walker oder «Rangatira» von Paula Morris).

Bestsellerpotenzial hat «Die Fremde am Meer» von Linda Olsson, viel gekauft werden auch die Krimis von Paddy Richardson und Paul Cleave. Es lohnt sich trotzdem, die großen Autoren Neuseelands hervorzukramen, zum Beispiel Janet Frame und Keri Hulme. Zum Reinschnuppern eignet sich das Fischer-Taschenbuch «Neuseeland erzählt. Vom anderen Ende der Welt».

Bestenliste des Buchhändlerverbands

Verlegerverband zu Frankfurt-Auftritt

Frankfurter Buchmesse zu Ehrengast