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Cosima, Erlösung, YouTube: Wagner von A bis Z

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Bayreuther Festspiele
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Facettenreich: Büste von Richard Wagner im Park vor dem Festspielhaus in Bayreuth. Foto: Marcus Führer Foto: dpa

Bayreuth (dpa) - Richard Wagner wird 200 Jahre alt - Wissenswertes über ihn, über sein Werk und über die Bayreuther Festspiele in ABC-Form:


A wie Alberich: Bass-Partie in der monumentalen Tetralogie »Ring des
Nibelungen«. Wirbt um die Rheintöchter, die den hässlichen Zwerg
abblitzen lassen. Raubt deshalb aus Rache das Rheingold. Schmiedet
einen Ring, der Weltherrschaft verheißen soll.

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B wie Bayreuth: Als Wagner kommt, ist Bayreuth ein Provinzstädtchen,
dessen Bedeutung und Glanz im Barock verblasst ist. Wagner aber kann
hier seine Festspielpläne verwirklichen. Heute sind die Festspiele
und Wagner Bayreuths wichtigste Markenzeichen.

C wie Cosima: Wagners zweite Frau. Er spannt sie seinem Freund Hans von Bülow aus. Nach Wagners Tod 1883 wird Cosima Festspielchefin. Antisemitische und nationalistische Ideen sind unter ihrer Ägide salonfähig in Bayreuth. Stirbt 1930.

D wie Dresden: 1843 wird Wagner Kapellmeister an der Hofoper. 1849
beteiligt er sich am Dresdner Mai-Aufstand. Wird danach steckbrieflich gesucht. Flieht in die Schweiz.

E wie Erlösung: Grundthema bei Wagner. Der Holländer sehnt sich nach
Erlösung genauso wie Tannhäuser. Parsifal soll der Erlöser selbst
sein.

F wie Familie: Deutschland hat kein Königshaus - aber dafür die
Wagners. Zoffende Familienstämme, Nachfolgestreit, Gerangel um
Nachlässe. Da wird regelmäßig viel geboten.

G wie Geburt: Wagner kommt am 22. Mai 1813 in Leipzig als Sohn des
Polizeischreibers Carl Friedrich und dessen Frau Johanna Rosine zur
Welt. Ein halbes Jahr später stirbt der Vater.

H wie Hund: Wagner ist großer Hundeliebhaber. Die Tiere begleiten sein unstetes Leben. Der Neufundländer »Russ« ist sogar unweit des Wagner-Grabes begraben worden. Dort steht: »Hier ruht und wacht
Wagners Russ«.

I wie Isolde: Extrem herausfordernde Partie. Verlangt der Sängerin
alles ab. Ohne Erfahrung und Mut geht da gar nichts. Deshalb ist auf
der Bühne oft eine Isolde gesetzteren Alters zu sehen.

J wie Judentum: Der Antisemitismus ist die dunkle Seite Wagners und
macht ihn zum umstrittenen Künstler. Sein Aufsatz »Das Judenthum in
der Musik« ist voller übler und abstoßender Verunglimpfungen. Nicht
zuletzt deshalb ist Wagners Musik in Israel heute noch nicht
akzeptiert.

K wie Katharina: Wagner-Urenkelin, die zusammen mit ihrer wesentlich
älteren Halbschwester Eva Wagner-Pasquier derzeit die Bayreuther
Festspiele leitet. Tochter des langjährigen Festspielchefs Wolfgang
Wagner.

L wie Ludwig II.: Wagners Mäzen und Verehrer. Ergriffen und
beeindruckt von »Lohengrin« und »Tannhäuser«. Holt Wagner an seinen
Hof, rettet ihn vor dem finanziellen Ruin. Gibt ihm immer wieder
Geld. Gemeinsame Pläne für ein Festspielhaus in München scheitern.
Aber immerhin klappt es in Bayreuth.

M wie Mathilde: Ihr Mann Otto Wesendonck ist Gönner Wagners in dessen Schweizer Zeit. Mathilde ist Wagners Muse, Seelenverwandte,
Inspirationsquelle für »Tristan und Isolde«. Wagner vertont Gedichte
von Mathilde (»Wesendonck-Lieder«).

N wie Nürnberg: Selten schafft es eine Stadt in den Titel einer
bekannten Oper. Bei Nürnberg hat's geklappt - dank Wagner und seinem
Werk »Die Meistersinger von Nürnberg«. Uraufführung 1868.

O wie Orchestergraben: Heißt im Bayreuther Festspielhaus auch
mystischer Abgrund. Das Orchester ist hier für das Publikum
unsichtbar, ein Deckel schirmt die Musiker ab.

P wie Parsifal: Wagners letztes Werk. Heißt Bühnenweihfestspiel.
Sollte nach Wagners Wünschen eigentlich nur in Bayreuth aufgeführt
werden. Ist heute natürlich auch anderswo zu sehen und zu hören.

Q wie Qual: Kann eine Wagner-Oper auch sein. Schließlich dauern die
meisten Werke locker fünf Stunden. In Bayreuth sind zudem die Sitze
unbequem. Dient aber der besseren Akustik, weil Polstersessel Töne
schlucken. Der Platz im Haus ist beengt und die Luft hat - nun ja -
keine Kurort-Qualität.

R wie »Ring des Nibelungen«: Tetralogie. »Das Rheingold«, »Die
Walküre«, »Siegfried« und »Götterdämmerung«. Gesamtspieldauer ohne
Pausen: circa 16 Stunden. Grundmotive aus der Nibelungensage und der
nordischen Mythossammlung Edda. Uraufführung 1876 in Bayreuth.

S wie Siegfried: Drittes Kind von Cosima und Wagner. Übernimmt 1908
die Festspielleitung. Auch als Dirigent, Komponist und Librettist
aktiv. 1915 Heirat mit Winifred, die später die Nähe zu Hitler und
anderen Nationalsozialisten sucht. Auch Siegfried verehrt Hitler.
Siegfried stirbt 1930, Winifred übernimmt das Zepter in Bayreuth.

T wie Tristan-Akkord: f - h - dis - gis. Im zweiten Takt des
Vorspiels zu »Tristan und Isolde«. »Ein Akkord an der Grenze zur
Dissonanz« schreibt Dirigent Christian Thielemann. Mit dem Akkord
öffneten sich »Höllentor und Himmelspforte zugleich«, er sei »der
Code für die gesamte musikalische Moderne«. Der Akkord ist berühmt -
aber nicht durchschaubar.

U wie Urlaub: Viele Mitwirkende opfern ihren Urlaub, um bei den
Festspielen zu arbeiten. Für Kanzlerin Angela Merkel dagegen ist
Bayreuth purer Urlaub - sie ist mit ihrem Mann zwar
vielfotografierter Premierengast, später aber auch noch bei anderen
Aufführungen ganz ohne Blitzlichtgewitter anzutreffen.

V wie Venedig: Hier stirbt Wagner im Februar 1883. Er mag die Stadt.

W wie Wahnfried: Wagners Wohnstätte in Bayreuth. Zum großen Teil von
Ludwig II. finanziert. Heute Museum. Einzug der Wagners 1874 nach
Jahren der Unrast. Deshalb der Schriftzug auf der Stirnseite des
Gebäudes: »Hier wo mein Wähnen Frieden fand - Wahnfried sei dieses
Haus von mir benannt.« Im Garten ist Wagner begraben.

X wie Xylophon: Bei Wagner im Orchester nicht vorgesehen.

Y wie YouTube: Beim Videoportal liefert der Suchbegriff »Richard
Wagner« rund 93 000 Treffer. Beliebteste »Hits« sind demnach der
Walkürenritt, Siegfrieds Trauermarsch und das »Lohengrin«-Vorspiel.
Den Brautchor aus »Lohengrin« muss man allerdings oft als
Keyboard-Version ertragen.

Z wie Zürich: Nach dem Dresdner Mai-Aufstand flieht Wagner hierher.
Schreibt wichtige theoretische Schriften. Wegen der
Wesendonck-Verwicklungen muss er wegziehen. Kommt später wieder in
die Schweiz, ab 1866 findet er Asyl nahe Luzern. Bleibt dort bis zum
Umzug nach Bayreuth.

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