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»Brillanter Mann«: Stardirigent Lorin Maazel gestorben

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Lorin Maazel
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Lorin Maazel ist tot. Foto: Kai Foersterling Foto: dpa

New York/München (dpa) - Lorin Maazel hatte noch viel vor. Zwar hatte der US-Amerikaner im Juni sein Amt als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker aufgegeben. Doch in den Wochen danach probte er intensiv für das derzeit auf seinem Anwesen im US-Bundesstaat Virginia stattfindende Castleton Festival.


Mit den Orchestern und Sängern zusammenzuarbeiten, sei »mehr als nur eine geliebte Arbeit, sondern auch eine Arbeit, die Freude macht«, rief er dem Publikum noch beim Eröffnungsabend vor rund zwei Wochen zu. 2013 hatte der Stardirigent, der als einer der besten seines Fachs galt, noch mehr als 100 Konzerte geleitet.

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Doch dann zog sich Maazel eine Lungenentzündung zu, es folgten Komplikationen und am Sonntag starb der gefeierte Dirigent nach Mitteilung des Castleton Festivals im Alter von 84 Jahren in seinem Haus in Virginia.

Ein Schock, der in der Klassikwelt für tiefe Trauer sorgte. »Ich bin tieftraurig über diese Nachricht«, hieß es beispielsweise vom Direktor der Wiener Staatsoper, Dominique Meyer. »Lorin Maazels Tod ist für uns ein großer künstlerischer und menschlicher Verlust. Wir sind aber dankbar für die vielen Spuren, die er hinterlässt und die uns bleiben werden.« Auch die Münchner Philharmoniker trauerten: »Wir sind ihm unendlich dankbar für alle Jahre, die er unser Chef war!« So mancher hegte vielleicht den Wunsch, Maazel bald mal wieder in München zu sehen. »Alle hofften auf eine baldige Genesung und seine Rückkehr ans Pult - vergebens«, formulierte es der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Der 1930 nahe Paris in eine Musikerfamilie geborene Maazel war ein Wunderkind. Schon mit fünf Jahren, die Familie war inzwischen nach Los Angeles gezogen, bekam er Geigenunterricht. Im zarten Alter von neun Jahren dirigierte er bei der New Yorker Weltausstellung zum ersten Mal ein großes Orchester. Mit zwölf Jahren ging er auf US-Tournee, als 15-Jähriger gab er sein Debüt als Violinist.

Als Dirigent schrieb Maazel später Musikgeschichte: 1960 war er der erste Amerikaner, der auf dem Grünen Hügel in Bayreuth ans Pult treten durfte. 2008 trat er mit den New Yorker Philharmonikern - als erstem Spitzenorchester aus dem Westen - im abgeschotteten Nordkorea auf. Der vielfach preisgekrönte Maazel leitete Orchester in Berlin, Wien, New York, Cleveland, Pittsburgh, London und München. Insgesamt dirigierte er in seiner mehr als 70 Jahre andauernden Karriere rund 150 Orchester bei mehr als 5000 Opern und Konzerten. Dazu nahm er rund 300 Alben mit klassischer Musik auf. Zudem komponierte er dutzende Stücke und auch ganze Opern. »Er ist eindeutig ein brillanter Mann«, schrieb die »New York Times« einmal.

Sein letztes Amt war das des Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, das er 2012 antrat und nur zwei Jahre lang bekleiden sollte. Da galt er längst als einer der bestbezahlten Dirigenten der Welt. »Da ich so viele Konzerte umsonst dirigiert habe, glaube ich inzwischen das Recht zu haben, auch ab und zu bezahlt zu werden«, sagte der Dirigent, der dreimal verheiratet war und sieben Kinder und vier Enkel hinterlässt, einmal der Nachrichtenagentur dpa.

»Für jemanden, der den Ruf hat, ziemlich gut mit dem Taktstock umgehen zu können, kenne ich mich mit dieser Technik komischerweise gar nicht richtig aus«, hatte Maazel der »New York Times« erzählt. »Ich glaube, dass ich bei demselben Takt nie zweimal dieselbe Bewegung mit dem Stock mache. Das Ziel ist, eine Bewegung zu finden, die auf das Bedürfnis eines Musikers in einem bestimmten Moment eingeht. Der Musiker muss sich wohl fühlen, so dass er weiß, wo er ist und was von ihm erwartet wird, und sich auf die Schönheit der Töne konzentrieren kann. Das ist keine Zauberei.«

Unvergessen dürfte er auch vielen Fans des FC Bayern bleiben, hatte er dem Verein doch 2013 auf musikalische Weise Glück für das Champions League-Finale im Londoner Wembleystadion gewünscht. Dabei stand Maazel selbst im Bayern-Trikot am Dirigentenpult. Mit Erfolg, besiegten die Bayern Borussia Dortmund doch mit 2:1. »Die Musik hat einen ihrer größten Stars, der FC Bayern einen Freund verloren«, bedauerte der Vorstandsvorsitzende des Fußball-Rekordmeisters, Karl-Heinz Rummenigge. »Seine Orchester-Version unseres »Stern des Südens« wurde zur Hymne unseres Champions-League-Triumphes in Wembley.«