weather-image
28°

Bettina Wulff: Jetzt geht es um mich und meine Söhne

Berlin (dpa) - Die frühere «First Lady» Bettina Wulff erhebt in einer Serie von Interviews Vorwürfe auch gegen ihren Mann, den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff.

Bettina Wulff
Zurück von den Paralympics: Bettina Wulff auf dem Flughafen in Hannover Langenhagen. Foto: Jochen Lübke Foto: dpa

Die 38-Jährige, die gerade ihr Buch «Jenseits des Protokolls» veröffentlicht hat, klagt in der Zeitschrift «Brigitte» darüber, dass sie an der Seite ihres Mannes jahrelang ihre eigenen Bedürfnisse unterdrücken musste. Der «Bunten» sagt sie: «Ich habe zu lange nach den Terminplänen meines Mannes gelebt. Jetzt geht es um mich und meine Söhne.»

Anzeige

Bettina Wulff war erst am Montag von den Paralympics in London, wo sie für einen Prothesenhersteller gearbeitet hatte, nach Hannover zurückgekehrt. Dort wurde sie von ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn Linus begrüßt. Aus einer früheren Beziehung stammt ihr 2003 geborener Sohn.

In der «Brigitte» wirft sie einen kritischen Blick auf ihre Beziehung zu Christian Wulff: «Ich werfe ihm manchmal vor, dass er mich ein großes Stück auch in die Rolle gedrängt hat. Und wenn ich es im Nachhinein betrachte, rächt sich dies auch in der Beziehung.»

Besonders schwierig sei die Zeit vor dem Rücktritts Wulffs im Februar dieses Jahres gewesen. Damals zwangen ihn Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, nach zwei Monaten Dauerkrise das Amt niederzulegen. Ihr Mann habe es im letzten Winter nicht geschafft, sich auch noch um ihre Gefühle zu kümmern, klagt seine Frau. Das bereue er heute. «Wir haben uns professionelle therapeutische Hilfe geholt, weil man das allein gar nicht verarbeiten kann», ergänzt sie.

Aber nicht nur ihr Mann habe kaum erkannt, wie schlecht es ihr oft in der gesamten Amtszeit gegangen sei, auch dem Bundespräsidialamt nehme sie es heute noch übel, «dass sie nicht realisierten, unter welchem innerlichen Druck ich stand», sagt sie der «Brigitte».

In dem Buch «Jenseits des Protokolls» weist Bettina Wulff auch Gerüchte zurück, sie habe früher im Rotlicht-Milieu gearbeitet. Gegen diese Verleumdungen geht sie auch gerichtlich vor. Der «Bunten» sagte sie dazu: «Obwohl ich eine starke Frau bin, habe ich viel geweint. Ich bekam Magenschmerzen, hatte oft das Gefühl, mich übergeben zu müssen, schlief schlecht.» Mit der Veröffentlichung des Buches wolle sie jetzt einen Neuanfang schaffen.

Im Interview des Magazins «Stern» sagt Bettina Wulff auf die Frage, wie es ihr jetzt gehe: «Ich glaube, das wäre gelogen, wenn ich jetzt sagen würde, dass alles wieder in bester Ordnung ist». Sie habe sich beruflich selbstständig gemacht. «Aber was war, das ist noch nicht komplett abgeschlossen. Das braucht Zeit, ganz klar.»

In der «Gala» sagt sie: «Ich habe in den letzten Jahren viele Dinge hingenommen aus Respekt vor der Position meines Mannes.» Jetzt wünsche sie sich, endlich wieder ein normales Leben führen zu können: «Ich möchte wieder in die Öffentlichkeit gehen können, wenn ich es will.» Nur Hausfrau zu sein, käme für Bettina Wulff nicht infrage: «Das macht mich unleidlich, auch den Kindern gegenüber.»

Wegen der Rotlicht-Gerüchte geht Bettina Wulff unter anderem auch gegen den Internetkonzern Google vor. Dabei erhält sie Unterstützung vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar. «Ich halte es für recht und billig, wenn Betroffene auch die Möglichkeit haben, bei Eingabe ihres Namens als Suchbegriff ehrverletzende Assoziationen auszuschließen», sagte Schaar der «Passauer Neuen Presse» (Dienstag).

Wulff will mit der Klage verhindern, dass bei Eingabe ihres Namens automatisch Suchbegriffe wie «Rotlichtvergangenheit» auftauchen. Der Konzern weist ihren Vorwurf zurück. Google nehme keinen Einfluss auf die Suchbegriffe.