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Ausstellung zum RAF-Terror - «Es tut noch weh»

Stuttgart (dpa) - Große schwarze Splitter fliegen dem Besucher entgegen, eine Bombe hat einen tiefen Krater in die Wand gerissen. Der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) traf die Bundesrepublik in den 1970er und 80er Jahren bis ins Mark.

RAF im Museum
In der Ausstellung: das Motorrad, von dem aus Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen wurde. Foto: Franziska Kraufmann Foto: dpa

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg wagt jetzt eine große historische Ausstellung zum Terror der RAF. Das sorgt für Diskussionen. «Schweigen ist doch keine Alternative», sagte die Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger der Nachrichtenagentur dpa.

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Bis zum 23. Februar 2014 dokumentieren mehr als 200 Exponate den Terror. Wie entstand die Gewalt? Wie reagierte der Staat? Was bedeutete die Gewalt für die Familien der Todesopfer? «Es tut noch weh», sagte Museumsleiter Thomas Schnabel. Auch deshalb sei die Ausstellung, die den Titel «RAF - Terror im Südwesten» trägt, wichtig. 34 Morde gehen auf das Konto der Terrorgruppe, die rund zwei Dekaden lang Angst und Schrecken verbreitete.

Der Besucher betritt einen 36 Meter langen blutroten Trichter. Der Terror verengt sich, bis nichts mehr geht: Eskalation. Objekte, Bilder, Texte und Filme sollen an die Toten erinnern, den Schrecken verdeutlichen und die Reaktionen des Staates zeigen. Mittendrin ein grauer Kasten - Symbol für den Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses in Stammheim, wo etwa Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe einsaßen. Am 18. Oktober 1977 begingen sie Selbstmord. Stammheim steht bis heute symbolisch für die Auseinandersetzung des Staates mit den politischen Gewalttätern.

Die Recherche für die Ausstellung war nicht einfach, wie die Kuratorin Sabrina Müller berichtete. Sie habe Exponate gesucht, um die Gewalt zu veranschaulichen. Jedoch sei vieles längst verschrottet. Zwar ist das Motorrad da, auf dem die RAF-Terroristen saßen, als sie am 7. April 1977 in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen. Erfolglos blieb aber die Suche nach dem Wrack der 1989 in Bad Homburg durch eine RAF-Bombe zerstörten Dienstlimousine des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Alfred Herrhausen.

Als Symbol für die bis heute nicht aufgeklärten RAF-Morde steht eine total demolierte Tür des Dienstwagens des Siemens-Managers Karl Heinz Beckurts. Der Physiker wurde am 9. Juli 1986 bei München in seinem Auto mit einer ferngesteuerten Bombe in die Luft gesprengt. Das Wrackteil fand sich beim Bundeskriminalamt. Andere Exponate stammen vom Landeskriminalamt. Zugriff habe man ohnehin nur Dinge, die nicht mehr als Asservat benötigt würden, berichtet Müller. Verschiedene Dokumente seien teilweise aber bis 2067 gesperrt. «Je persönlicher, desto schwieriger», berichtete Müller.

Ein selbst gebastelter Pizzaofen aus den Gefängniszellen zeugt von den Haftbedingungen. Nachgezeichnet wird, wie die Terroristen an Waffen gekommen sein könnten. Gesichert wurden Originalteile aus einer der Zellen im Bau 1. Das marode Gebäude, in dem sich Zellen von Baader, Meinhof, Raspe und Ensslin befanden, soll abgerissen werden.

Die Gewalttaten und die Großfahndungen ließen in den 70er Jahren in Deutschland niemanden unberührt. «Weder davor noch danach hat es in der Bundesrepublik eine größere Herausforderung für den Rechtsstaat gegeben», betonte Lutum-Lenger. Das Thema wühle noch auf, sagte Schnabel. Das habe jüngst auch der Stuttgarter Prozess gegen die Ex-Terroristin Verena Becker gezeigt.

Bubacks Sohn Michael hat sich die Ausstellung schon angesehen. «Ich habe es durchaus positiv gesehen», sagte er am Donnerstag. «Ich habe aber auch Fragen.»

RAF-Ausstellung

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