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Aus einem Guss: Das neue Album von Interpol

Hamburg (dpa) - Die Spannung war groß - die Erleichterung auch: Als die US-amerikanische Indie-Band Interpol im Rahmen einer kleinen Club-Tour Anfang Juli im Berliner Postbahnhof einige ihrer neuen Songs vorstellte, verhieß das eine Rückkehr zu alter Stärke.

Interpol
Alles eine Frage der Orientierung. Foto: SoftLimit-PIASCooperative Foto: dpa

Die mittlerweile nur noch dreiköpfige Band brachte 2002 ihr erstes Album «Turn On The Bright Lights» heraus, das häufig mit dem düsteren Sound der Post-Punk-Bands der frühen 80er Jahre verglichen wurde. Das Debütalbum selbst und der 2004er Nachfolger «Antics» enthielten viele starke Songs wie «Obstacle 1» oder «Slow Hands», mit denen die Band auch über eine Dekade später noch überwiegend identifiziert wird.

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Danach verloren Interpol ein wenig den roten Faden und der Ausstieg des Bassisten Carlos «D» Dengler im Jahr 2010 ließ Schlimmes befürchten. Von Krise aber keine Spur: Mit «El Pintor» (Pias Coop/Soft Limit) unterstreicht die US-Band, dass man sie noch längst nicht abschreiben sollte. Auf ihrem fünften Album wirken Interpol wie befreit und glänzen mit vielen hochkarätigen Songs.

Im August 2012 kamen die drei verblieben Band-Mitglieder erstmals zusammen, um an neuen Songs zu arbeiten. «Es hat sich immer so angefühlt, als sei bei unseren Treffen eine gute Energie im Raum», sagte Gitarrist Daniel Kessler der Nachrichtenagentur dpa über den Entstehungsprozess des Albums.

Diese Energie ist auf «El Pintor» permanent spürbar. Der Opener «All The Rage Back Home» beginnt vermeintlich als Down-Tempo-Nummer, die aber nach einer knappen Minute explodiert und die hohe Intensität und Geschwindigkeit bis zum Ende hält. Das darauffolgende «My Desire» bremst das Tempo des Openers zu Beginn deutlich, schwingt sich dann aber zu dramatischen Höhen auf. Von ähnlich hoher Intensität ist das wunderschön melancholische «My Blue Supreme», das mit einem eindringlichen mehrstimmigen Refrain überzeugt.

Interpol besinnen sich mit «El Pintor» durchgehend auf ihre Stärken. Dazu gehören das flirrende und sich in den Himmel schraubende Gitarrenspiel von Daniel Kessler, der prägnante Gesang von Paul Banks, die knackigen Drums von Sam Fogarino und die Fähigkeit, ihre Songs exakt auf den Punkt zu bringen. Dabei erscheint «El Pintor», für Interpol-Alben nicht selbstverständlich, wie aus einem Guss.

Auf den homogenen Eindruck des Albums angesprochen, sagte Kessler: «Ich habe Alben immer geliebt. Ich denke über die Möglichkeiten nach, wie alle Songs auf einem Album zusammenklingen. Ich mag ebenfalls den Gedanken, dass wir einen ganz speziellen Song haben, um eine Platte zu beginnen. «All The Rage Back Home» hat dieses natürliche Intro und wenn das Album dann richtig abgeht, bleibt das bis zum Ende so.»

Website Interpol